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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

Forschung an Nervenzellen: Bernd Hamprecht leitet den Lehrstuhl l am Physiologisch-Chemischen Institut der Universität Tübingen

erschienen im Benzolring 2/1986

Forschung an Nervenzellen: Bernd Hamprecht leitet den Lehrstuhl l am Physiologisch-Chemischen Institut der Universität Tübingen Typisch für den Berufsweg eines Chemieschülers ist die Laufbahn von Professor Dr. Bernd Hamprecht nicht gerade; aber sie zeigt, daß man mit Interesse, Einsatzfreude und Können auch hochgesteckte Ziele erreichen kann. Angefangen hat alles im Chemischen Institut Dr. Flad; dort wurde im Lehrgang 4 der Grundstein für die weitere Ausbildung und spätere Arbeit gelegt.

Nachdem Bernd Hamprecht 1956 als frisch diplomierter Chemisch-technischer Assistent das Chemische Institut Dr. Flad verlassen hatte, arbeitete er zuerst einmal in der Werkstoffstelle der Farbwerke Hoechst. Mit physikalischen Methoden wurden dort Kunststoff-Folien auf ihre Eigenschaften und Verwendungsmöglichkeiten getestet, damals ein relativ neues und entwicklungsträchtiges Gebiet. Und Bernd Hamprecht hatte Chancen, der Chef war Physiker und er als Chemiker gefragt. Aber für ihn stand fest: "Ich will weitermachen."

Es war ein dorniger Weg. In Abendkursen bereitete er sich auf das Abitur vor; nach einem mit Verantwortung beladenen Arbeitstag ein anstrengendes Unterfangen. Ein Stipendium der Frankfurter Walter-Kolb-Stiftung für den zweiten Bildungsweg, das ihm als einem der ersten zuerkannt wurde, half schließlich weiter und er konnte 1960 das Abitur ablegen.

Das Studium führte Bernd Hamprecht nach Stuttgart und München. Es begann an der TH Stuttgart sehr vielversprechend: Die im Chemischen Institut Dr. Flad absolvierten Praktika wurden voll angerechnet. Man bot ihm an, noch vor dem eigentlichen Studienbeginn die Abschlußanalyse zu machen. Gesagt, getan. Er machte sich ans Werk, allerdings nur mit einigen in den Labors zusammengesuchten Resten von Reagenzien - weil Semesterferien waren, hatte auch die Chemikalienausgabe geschlossen. Prompt ging die Sache daneben; der angehende Student machte drei Fehler. Um doch noch zu einem guten Abschluß zu kommen, mußte er einen davon ausbügeln. Das gelang denn auch mit Raten und Glück, denn immer noch fehlten die Reagenzien, mit denen er das Ergebnis hätte prüfen können.

Die CTA-Ausbildung erwies sich auch im weiteren Studienverlauf als nützlich. Bereits nach drei Semestern legte Hamprecht an der TH Stuttgart das Vordiplom ab, nach weiteren drei Semestern an der Ludwig-Maximilian-Universität in München das Hauptexamen als Diplom-Chemiker. Ein Semester biochemische Praktika schlossen sich an. Auf dieses Gebiet der Chemie hatte sich sein Interesse schon in Stuttgart gerichtet, und er sollte ihm bis heute treu bleiben.

Nach Diplom und Doktorarbeit (Thema: Regulation der Cholesterolsynthese in Rattenleber) bei Professor Feodor Lynen, dem Nobelpreisträger für Medizin von 1964, arbeitete Bernd Hamprecht noch bis 1970 bei Lynen am Biochemischen Institut der Uni München und gleichzeitig als wissenschaftlicher Assistent bei der Max-Planck-Gesellschaft. Allerdings mit einer hochinteressanten und für die weitere berufliche Entwicklung wichtigen Unterbrechung: einer Reise durch die USA mit Vorträgen vor wissenschaftlichen Gremien und der Teilnahme an einem Seminar, das ihn seinem Wunsch, sich mehr auf Neurochemie zu konzentrieren, näherbrachte.

Dieses "Neuroscience Research intensive study program" an der Universität Boulder/Colorado diente der Förderung der Neurowissenschaft und war für den jungen deutschen Chemiker fast eine Offenbarung. Was Rang und Namen auf diesem Gebiet hat, war versammelt, die Themen und die wissenschaftliche Arbeit waren faszinierend.

In Boulder traf Bernd Hamprecht auch erstmals mit dem Nobelpreisträger Marshall Nirenberg zusammen. Nach einem Disput mit ihm über eine neurowissenschaftliche Erkenntnis Nirenbergs lud dieser Hamprecht zu sich nach Bethesda/Maryland an das National Institute of Health ein. Mit einem Stipendium der Max-Planck-Gesellschaft übersiedelte er 1970 für zwei Jahre nach USA.

An Nirenbergs Institut gelang Bernd Hamprecht die Entwicklung einer Hybridzelle, mit der biochemische Prozesse des Nervensystems untersucht werden können, die bis dahin unzugänglich waren. Diese Zellinie wird heute in Forschungslabors auf der ganzen Welt angewandt.

Im Jahr 1972 folgte Hamprecht einem Angebot der Max-Planck-Gesellschaft und übernahm die Leitung einer selbständigen Arbeitsgruppe in dem neu gegründeten Institut für Biochemie in Martinsried bei München. Gegen Ende der 70er Jahre lockten dann mehrere Angebote wissenschaftlicher Institute und Universitäten, darunter eines aus den USA und eines aus der Schweiz. Bernd Hamprecht schlug sie aus und nahm einen Ruf an die Medizinische Fakultät der Universität Würzburg an, wo er Mediziner und Zahnmediziner in Biochemie unterwies.

Seit 1985 ist er nun Leiter des Lehrstuhls I am Physiologisch-Chemischen Institut der Universität Tübingen. Sein Forschungsgebiet ist die biochemische Funktion der Gliazellen im Nervensystem. Gliazellen sind jene 50 Prozent der Gehirnmasse, deren Wirkungsweise bis heute noch nahezu im dunkeln liegt; sie sind neben den Neuronen der zweite bedeutende Zelltyp im Nervensystem. Außerdem arbeitet das Institut zusammen mit den Mikrobiologen der Biologischen Fakultät über mikrobiologische Grundlagen der Biotechnologie. Mit auf Hormone ansprechenden Testsystemen werden Bakterienkulturen auf die Produktion von Wirkstoffen untersucht, die vielleicht einmal die Basis neuer Arzneimittel sein können. Und außerdem sind natürlich Vorlesungen und Praktika zu halten - die Lehre darf neben der Forschung nicht vernachlässigt werden.

Um noch aufs Private zu kommen: Bernd Hamprecht ist verheiratet mit Ursula Hitzelberger, auch vom Lehrgang 4 - das Chemische Institut Dr. Flad war wieder einmal Ehestifter!

 

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