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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

Orchideen und Schrott: Vielseitigkeit der Ausbildung ist die beste Berufsstarthilfe

erschienen im Benzolring 3/1988

Bei der Chemie ist alles drin und eine gründlich ausgebildete Chemisch-technische Assistentin kann in den verschiedenartigsten Bereichen arbeiten. Nehmen wir Gabriele Kohler vom Lehrgang 12 - ihr Berufsweg führte über völlig gegensätzliche Stationen:

Ganz so extrem auseinander waren die Arbeitsgebiete von Gabriele Kohler natürlich nicht immer, aber sie mußte sich doch jedes Mal neu hineinfinden und dazulernen. Angefangen hat sie mit Wasserchemie. Bei einem Stuttgarter Hersteller von Wasseraufbereitungsanlagen fand sie nach Beendigung der Ausbildung die erste Anstellung. Ihr Kommentar: "Mit der organischen Chemie hatte ich nie was am Hut; ich sah mich gleich nach einem Job in der Anorganik um." Zwei Jahre lang analysierte sie Kesselspeisewässer - "oft elende Dreckbrühen" - und Brauwässer. Gleich lernt die Interviewerin etwas dazu: Die Anlagen für Brauereien werden individuell der Zusammensetzung des Wassers entsprechend gebaut. Nach dieser Zeit gab es eine fast siebenjährige Berufspause: Gabriele Kohler hatte geheiratet und blieb ihrer beiden Kinder wegen zuhause. "Aber dann fiel mir die Decke auf den Kopf, ich mußte wieder raus", erzählt sie. "Ich suchte und fand die für meine damalige Situation ideale Stelle in einer Großgärtnerei mit völlig unabhängiger Arbeitszeit". Womit wir bei den Orchideen wären.

Neben der - sporadischen - Untersuchung der Böden, um eine Überdüngung der Blumenkulturen zu vermeiden, betätigte sich Gabriele Kohler als Pflanzenphysiologin für Orchideenanzucht - eine seltene, im süddeutschen Raum damals einzigartige Sache. Sie klonte; das heißt, aus der Wachstumszelle einer Pflanze, in der die Erbanlagen verankert sind, entwickeln sich im Labor durch Zellteilung immer neue Zellen, aus denen man schließlich Hunderttausende völlig identischer Pflanzen züchtet. Zu ihrem Bedauern - "die Arbeit mit Lebendigem und die Gewächshäuser voll blühender Orchideen, das war einfach schön", wurde dieses Pilotprojekt nach vier Jahren aufgegeben, weil ausländische Unternehmen mit ihren Pflanzen auf den Markt drängten.

Inzwischen geschieden, sah sich Gabriele Kohler nach einer Ganztagsarbeit um. Sie kehrte zu ihrem ursprünglichen Metier, der Chemie, zurück, aber der Kontrast war total: sie landete beim Schrott. In ihrer neuen Firma wurden im Recyclingverfahren Schrottmetalle zur Wiederverwertung geschmolzen, hauptsächlich zu Glockenbronzen. Im Labor mußten die angelieferten diversen Metalle analysiert, ihre Werte errechnet, Chargen zusammengestellt sowie die eingeschmolzenen Blöcke einer Kontrollanalyse unterzogen, werden; im ständigen Hin und Her zwischen Lagerplatz und Schmelzwerk ein recht rauhes Geschäft.

Wiederum nach vier Jahren war Gabriele Kohler erneut auf Arbeitssuche. Die Schrottverwertung wurde wegen Unrentabilität (hohe Umwelt- und Sicherheitsauflagen) geschlossen. Und wiederum sah sie sich mit einem völlig neuen Metier konfrontiert: der Metallographie. Die neue, auf Umwegen erlangte Stelle als Leiterin des Labors für Werkstoffprüfung bei der Eckardt AG, bedeutender Hersteller von Meß- und Regelanlagen, erwies sich als ausbaufähig und beständig. Aufgabe des Labors sind die Eingangskontrolle der zu verarbeitenden Metalle, die Fertigungskontrolle zur Qualitätssicherung und Schadensfallanalysen.

Gabriele Kohlers hauptsächlicher Arbeitsplatz ist am Mikroskop. Sie untersucht Stähle, Aluminium und -Buntmetalle auf ihre physikalisch-chemischen Eigenschaften zur Qualitätskontrolle, zur Qualitätssicherung und zur Schadensanalyse.

"Anfangs hatte ich keinen leichten Stand", berichtet Gabriele Kohler. "Unser Labor hat es ja nur mit Technikern zu tun und die waren einer Frau gegenüber mehr als skeptisch - vor allem wenn es um von mir nachgewiesene Fehler ging. Aber das liegt lange zurück, inzwischen werde ich voll akzeptiert. Natürlich mußte ich mich weiterbilden, auch jetzt noch besuche ich Schulungskurse und Seminare." Sie schließt das Gespräch ab mit der Feststellung: "Es macht mir immer noch Spaß, neue Aufgaben anzupacken. Daß ich das kann, verdanke ich mit meiner vielseitigen Ausbildung im Chemischen Institut Dr. Flad. Die Vielfältigkeit ist der große Vorteil dieser Schule." Und schmunzelnd fügt sie noch hinzu: "Obwohl ich dort nicht gerade durch Höchstleistungen aufgefallen bin."

 

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