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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

Praxissemester in China: Karsten Twisselmann, Lehrgang 50

Studiengang "Umwelt- und Verfahrenstechnik" an der Fachhochschule Furtwangen
Praxissemester in Peking im Wintersemester 2004/05

Es gibt für deutsche Studentinnen und Studenten Gründe genug zumindest einen Teil des Studiums nicht nur im Ausland sondern gerade in China zu verbringen. Schließlich ist dieses Land in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Wirtschaftspartner Deutschlands geworden, und zahlreiche deutsche Unternehmen besitzen Produktionsstätten oder Vertriebsniederlassungen im bevölkerungsreichsten Land der Welt.

Auch ich habe mir seit Beginn meines Studiums gewünscht einen Teil dieser Zeit im Ausland zu verbringen, aber die Entscheidung für China als Zielland fiel erst sehr spät, und auch obige Überlegung hat dabei nur eine untergeordnete Rolle gespielt.

Zunächst war es mein Ziel in ein osteuropäisches Land oder Russland zu reisen. Ich habe viele Freunde und Bekannte aus diesen Ländern die mir sehr dazu geraten haben, und deren Berichte in mir schon vor Jahren das Interesse für diese Kulturen geweckt haben. Hinzukam, dass ich weiß, dass es in diesen Ländern oft eine große Notwendigkeit hinsichtlich Umwelttechnik - meinem Studienfach ("Umwelt- und Verfahrenstechnik") - gibt.

Bei der Frage der Finanzierung des Auslandsaufenthaltes musste ich von diesen Ländern jedoch wieder Abstand nehmen.
Mein derzeitiges Praxissemester in China wird durch ein Stipendium von "InWEnt - Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH" finanziert. Bewerbungsvoraussetzung für diese Förderung sind u.a. gute Kenntnisse der Sprache des Ziellandes, wobei es für Südostasien eine Ausnahmeregelung gibt - hier sind Englischkenntnisse ausreichend.

Mit dem Wissen um diese Bewerbungsvoraussetzungen habe ich eineinhalb Jahre vor dem geplanten Auslandsaufenthalt begonnen an der Volkshochschule Russisch zu lernen. Aber es hat sich schnell gezeigt, dass ich nicht in der Lage sein würde die erforderlichen Sprachkenntnisse rechtzeitig zu erwerben und so musste ich mich geographisch umorientieren.

Kurz vor Ablauf der Frist für die Einsendung der Bewerbung habe ich mich dann für ein Praxissemester China entschieden.
Wichtigster Grund für diese Wahl war auch hier der Umweltaspekt. Bei der großen Geschwindigkeit mit der die wirtschaftliche und industrielle Entwicklung des Landes mancherorts vor sich geht, wird oft die Notwendigkeit nachhaltiger Veränderungen nicht ausreichend berücksichtigt.
Aber neben diesem Argument für die Arbeit in China faszinierte mich natürlich auch die unbekannte Kultur, die in vielem unserem europäischen Leben so anders sein sollte.

Sobald wie möglich, habe ich dann auch die Möglichkeit genutzt direkt an meiner Fachhochschule Chinesisch zu lernen.

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Mein Arbeitsplatz im 10. Stockwerk des Landmark Tower 2 (der kleinere der beiden Hochhäuser) Die Verbotene Stadt im Zentrum Pekings

 

Die Suche nach einem geeigneten Unternehmen in China, das bereit wäre einen Praktikanten der "Umwelt- und Verfahrenstechnik" aufzunehmen, gestaltete sich schwierig.

Da ich der erste Student des Fachbereichs Maschinenbau/Verfahrenstechnik an der FH Furtwangen bin, der ein Praxissemester im Land der Mitte verbringt, konnte ich auch nicht auf Erfahrungen anderer zurückgreifen.

Schließlich ergab sich jedoch die Möglichkeit das Praktikum bei der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) im Bereich Umweltschutz und Energiemanagement in Peking zu verbringen.

Sehr dankbar bin ich für die Unterstützung von Herrn W. Flad bei der Suche nach einer Praxissemesterstelle. Nachdem ich bis wenige Wochen vor dem geplanten Zeitraum der Ausreise immer noch keine Zusage eines geeigneten Unternehmens hatte, und die Zeit wegen der noch zu erledigenden Formalitäten langsam knapp wurde, habe ich mich an das Institut Dr. Flad gewandt, da ich um dessen gute Kontakte im In- und Ausland wusste. Und tatsächlich, innerhalb kurzer Zeit lag ein Praktikumsangebot der Außenhandelskammer in Schanghai vor. Dass ich dieses exzellente Angebot letztendlich nicht wahrnehmen konnte ist darauf zurück zu führen, dass ich zwei Tage zuvor der kurz vorher eingegangenen Stelle bei der GTZ in Peking zugesagt hatte.

Meine Aufgabe bei der GTZ ist v.a. die Mitarbeit an einer Untersuchung über die Qualität chinesischer Wechselrichter und Laderegler für netzunabhängige Photovoltaik-Systeme - so genannten "Solar Home Systems".

Hierzu bin ich in den vergangenen Wochen in die Provinzen Gansu, Quinghai, Yunnan und Beijing gereist um gemeinsam mit einem chinesischen Mitarbeiter der GTZ Produkte einheimischer Unternehmen einzukaufen und etwas über deren Maßnahmen zur Qualitätssicherung herauszufinden. Die eingekauften Laderegler und Wechselrichter werde ich in den kommenden Wochen an verschiedene Testlabore in China und Deutschland versenden, um sie dort auf Einhaltung nationaler chinesischer und internationaler Standards prüfen zu lassen. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen Anfang kommenden Jahres im Rahmen von Workshops mit Experten der GTZ und Vertretern der chinesischen Photovoltaikindustrie besprochen werden und ggf. Verbesserungsmöglichkeiten in Produktion und Qualitätsmanagement diskutiert werden.

Mit dem Thema Qualitätsmanagement bin ich bisher im Rahmen meines Studiums der Umwelt- und Verfahrenstechnik noch nicht direkt in Berührung gekommen. Das mir dieses Gebiet aber trotzdem nicht ganz neu war und ich wesentlichen Begriffe auch schon vor Beginn meiner Arbeit bei der GTZ gekannt habe, verdanke ich meiner Berufsausbildung zum Chemisch-technischen Assistenten am ISO 9001:2000 zertifizierten Institut Dr. Flad.

Das Wissen aus der Ausbildung am Institut half mir jedoch auch schon im Laufe meines Studiums, und hat nicht zuletzt maßgeblich dazu beigetragen, dass meine Noten die erfolgreiche Bewerbung um das InWEnt-Stipendium ermöglichten.

Eine meiner weiteren Aufgaben bei der GTZ ist die Mitarbeit bei den Vorbereitungen für das Kapitel über Photovoltaik im 11. 5-Jahres-Plane für die Forschung und Entwicklung Erneuerbarer Energien ("Tenth Five Year Plan on the Renewable Energy Research and Development"). Hierzu sammle ich Informationen über Verwendung, Forschung und Förderung der Photovoltaik in anderen Ländern und insbesondere Deutschland.

Mit dem Leben in China komme ich recht gut zurecht. Ich wohne in einer einfachen chinesischen Wohnung, kaufe meine Lebensmittel und Alltagsgegenstände dort wo sie auch die Einheimischen kaufen und verhandle auch gerne mal über den Preis. Mit dem im Vergleich zu unseren deutschen Gewohnheiten oft recht anderem Essen habe ich bisher keinerlei Probleme gehabt, und auch die angekündigten Magenbeschwerden sind bisher glücklicherweise ausgeblieben.

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Das Gebäude in welchem meine GTZ Sektion (Umweltschutz und Energiemanagement) ihre Büroräume hat, und in dem auch ich arbeite. Dieses Bild entstand auf einer Dienstreise in der Provinz Qinghai in einem buddhistischen Kloster nahe der Stadt Xining. Links von mir ist unser Fahrer und rechts ein Mitarbeiter des GTZ-Provinzbüros Qinghai zu sehen.

 

Allerdings ist es sehr schade, dass ich nur so wenig Chinesisch spreche, denn Englisch kann hier fast niemand. Chinesischkenntnissen machen vieles im alltäglichen Leben leichter, etwa die Fahrten in Bus oder Taxi, das Einkaufen oder den Friseurbesuch (!). Der Hauptpunkt aber ist, dass durch mangelnde Sprachkenntnisse der Kontakt mehr oder weniger auf andere Ausländer und einen kleinen Kreis gebildeter Chinesen beschränkt bleibt - ein tieferes Verständnis für die Menschen und Kultur des Landes ist aber so nicht möglich.

Aus diesem Grund bin ich froh, in Peking von InWEnt finanzierten Sprachunterricht nehmen zu können. Und für die Zeit nach meiner Rückkehr nach Deutschland hoffe ich meine Chinesischkenntnisse durch Kurse an der FH vertiefen und ausbauen zu können.

Obwohl ich anfänglich gar nicht geplant habe das Praxissemester in China zu verbringen bin ich auch nach nahezu 5 Monaten des 6-monatigen Aufenthaltes froh hier zu sein. Und ich würde mich freuen, wenn ich nach Abschluss des Studiums die Möglichkeit hätte für längere Zeit in China zu arbeiten.

Karsten Twisselmann
Peking, im Dezember 2004

 

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