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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

Kunststofftechnik für den Flugzeugbau: Martin und Monika Scheufler haben sich mit eigenen Entwicklungen selbständig gemacht

erschienen im Benzolring 2/1983

Treffen des Lehrgangs 20: Die Redakteurin des Benzolrings sitzt beim gemeinsamen Mittagessen bei zwei Ehemaligen, die, wie sich rasch herausstellt, inzwischen ein Ehepaar und Inhaber eines eigenen kleinen Unternehmens sind. Was liegt näher, als sie für die Rubrik "Was ist aus ihnen geworden?" zu interviewen? Freundliche Zustimmung, und schon werden sie ausgefragt. Die beiden sind Martin und Monika Scheufler; er vom Lehrgang 19, sie vom Lehrgang 20 und den ehemaligen Mitschülern als Monika Pressel bekannt.

Der Berufsweg von Martin Scheufler hatte ganz normal begonnen: Nach dem Examen im Chemischen Institut Dr. Flad ein kurzes "Gastspiel" bei der BASF in Ludwigshafen, dann zwei Jahre im Institut für Physik und Chemie der Grenzflächen (heute: Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik) der Fraunhofer-Gesellschaft, schließlich Mitarbeiter bei der Firma Wevo-Chemie in Ostfildern-Kemnat.

Diese Station sollte entscheidend für die weitere Zukunft von Martin Scheufler werden. Er war im Labor und in der Anwendungstechnik mit der Entwicklung und Erprobung von Klebstoffen für die Automobilindustrie beschäftigt. Dabei begann er mit der Entwicklung von Kunstharzen, die sich auch für die Verarbeitung von Glasfasern in der Flugzeugindustrie eignen. Da aber zuvor umfangreiche und teuere Zulassungsuntersuchungen notwendig gewesen wären, verfolgte die Firma Wevo-Chemie diese Entwicklungen nicht weiter; die Absatzmöglichkeiten wurden als nicht realistisch angesehen. Martin Scheufler ließ sich nicht entmutigen. Der Ehrgeiz hatte ihn gepackt; er gab die sichere Stellung auf und machte sich selbständig, mit seiner Frau Monika als Partnerin.

"Für mich war das natürlich auch ein Schritt ins Ungewisse", sagt Monika Scheufler, "aber es war nicht so gravierend wie bei meinem Mann, weil ich nicht vor die Entscheidung gestellt war, einen gut bezahlten Job zu verlassen. Ich war nämlich zu dieser Zeit Hausfrau. Meine Berufstätigkeit im Bereich Lebensmittelchemie bei der Bundesforschungsanstalt für Ernährung hatte ich schon vorher wegen unseres Sohnes aufgegeben. Der Gedanke, mit meinem Mann zusammenzuarbeiten, reizte mich sehr - und was das Risiko anbelangt, so setzten wir es nicht allzu hoch an. Wir waren beide fest davon überzeugt, daß wir es schaffen werden."

Das war vor fünf Jahren. Inzwischen hat sich gezeigt: Sie haben es geschafft. Sie behaupteten sich gegen eine so große und gewichtige Konkurrenz wie Ciba-Geigy, Shell und andere Riesen.
Ihre Kunden sind hauptsächlich Flugzeughersteller. Sie liefern ihnen spezielle Kunstharze, mit denen Glas-, Kohlenstoff- und Aramidfasern getränkt werden. Aus diesen faserverstärkten Kunststoffen, auch als "Fiberglas" bezeichnet, werden ganze Segelflugzeuge und Motorsegler hergestellt. Auch bei modernen Großflugzeugen, wie z. B. im Airbus, werden ganze Bauteile wie Leitwerke, Triebwerksverkleidungen etc. aus diesen modernen Werkstoffen gefertigt. Wegen der Erfolge auf diesem Spezialgebiet gewährte ihnen das Land Baden-Württemberg für weitere Forschungs- und Entwicklungsarbeiten Innovationszuschüsse. Soeben haben Martin und Monika Scheufler ihr Forschungsvorhaben "Laminierharze für Kohlenstoffasern mit hoher dynamischer Festigkeit" erfolgreich abgeschlossen. "Damit haben wir wieder einen bedeutenden Vorsprung vor unserer Konkurrenz" sagen sie zufrieden.

Und wie geht es weiter? Keine Zukunftssorgen?
"Nein, gar nicht. Wir müssen zwar viel arbeiten, aber wir Kleinen haben den Großen etwas Wesentliches voraus - wir sind unkomplizierter und viel beweglicher. Und unsere Produkte sind gut", setzt Martin Scheufler selbstbewußt dazu.

 

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