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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

Jagd auf Unsichtbares: Eines der Arbeitsgebiete von Helga-Linda Beyerle-Müller ist die Lebensmittelhygiene

erschienen im Benzolring 2/1984

Es ist an der Zeit, der Frage vorzubeugen, ob es denn unter den Absolventen des Chemischen Instituts Dr. Flad nur erfolgreiche Männer gibt. Ein Gespräch mit Helga-Linda Beyerle-Müller vom Lehrgang 20 widerlegt derartige Vermutungen, sollten Sie je angestellt worden sein, spielend. Sie hat sich als Mikrobiologin ihre Position erobert und bildet heute nicht nur selbst Chemielaboranten aus, sondern wirkt auch im Prüfungsausschuß einer IHK mit.

In den Schoß gefallen ist Helga-Linda Beyerle-Müller der Erfolg nicht. Sie mußte etliches an Fleiß und Ausdauer investieren, bevor sie den Titel Diplom-Ingenieur ihrem Namen voranstellen konnte. Als die frischgebackene staatlich geprüfte Chemisch-technische Assistentin 1971 das Chemische Institut Dr. Flad verließ, konnte sie sofort erste berufliche Erfahrungen in Tübingen am Max-Planck-Institut für Virusforschung und Immunologie sammeln. Schon nach einem Jahr zog sie's wieder auf die Schulbank; sie meldete sich beim Tübinger Abendgymnasium an, um das Abitur nachzuholen.

Zwei Jahre intensivster Arbeit folgten: tagsüber Beruf, abends Unterricht, nachts und an den Wochenenden Hausaufgaben. Für Vergnügen und Erholung war da weder Zeit noch Gelegenheit, dafür umso mehr fürs Sparen, was sich bald als nützlich herausstellen sollte. Kaum hatte Helga-Linda Beyerle-Müller nämlich das hart erarbeitete Reifezeugnis in der Tasche, ließ sie sich an der Verbundhochschule Reutlingen-Tübingen immatrikulieren und studierte Chemie. Die Stellung am Max-Planck-Institut gab sie auf.

Die Studienjahre, während derer sie auch Abgeordnete des Großen Senats der Fachhochschule Reutlingen war, wurden unterbrochen durch ein Praktikum an der Technischen Universität München, wo sie auf den für sie zukünftig sehr wichtigen Gebieten Bakteriologie und Getreideforschung arbeitete. Ihre Diplomarbeit konnte Helga-Linda Beyerle-Müller in den Labors der Firma J. G. Fink in Herrenberg, Herstellerin von Arzneimitteln und diätetischen Lebensmitteln, durchführen. Dorthin kehrte sie dann auch, nach einjähriger Tätigkeit als Immuno-Diagnostik-Spezialistin bei dem amerikanischen Unternehmen Travenol in München, als feste Mitarbeiterin zurück.

Mit eigenen Forschungen und der Entwicklung einiger neuer Produkte sowie Methoden zur Produktverbesserung führte sie sich gleich richtig ein. Neben der wissenschaftlichen Mitarbeit bei Forschungs- und Entwicklungsvorhaben ist die Mikrobiologin heute Abteilungsleiterin der Qualitätskontrolle, was bei Pharmazeutika und diätetischen Lebensmitteln Überwachung auf absolute pathogene Keimfreiheit bedeutet. Wie sieht das im einzelnen aus? "Außer den routinemäßigen Kontrollen auf Toxinbildner und Aflatoxine müssen jährlich etwa 2000 Rohstoff-, Herstellungs- und Endproduktkontrollen durchgeführt werden. Dazu kommen die Überwachung der Hygienevorschriften, regelmäßige Tests von Beschäftigten und Maschinen, Luftkeimzahlbestimmungen und Wasseruntersuchungen", erläutert sie ihre Arbeit. "Kurz gesagt, müssen wir eben alles tun, um das Eindringen und Verarbeiten schädlicher Keime zu verhindern und deren Wirkung auszuschließen."

Doch Helga-Linda Beyerle-Müller hat noch einen weiteren Aufgabenbereich, der ihr viel Freude macht, aber ihr ganzes menschliches Engagement verlangt: Sie bildet junge Chemielaboranten im Betrieb aus und arbeitet neue Mitarbeiter in die Qualitätskontrolle ein. Im Zusammenhang damit ist auch ihre Mitwirkung im Prüfungsausschuß einer Industrie- und Handelskammer zu sehen.
Eine vielseitige und interessierte Dame also!

Bleibt denn bei all dem noch Zeit für Privates übrig? "Warum denn nicht?" kontert sie, "man muß seine Zeit nur richtig einteilen." Auch eine letzte Frage nach Mitgliedschaften in Verbänden oder Vereinen wird positiv beschieden. Zur Weiterbildung und Information über das, was sich in der Branche tut, gehört sie der Local Branch der American Society for Microbiology an; auch zum Betriebsverein des Technikums für Textilindustrie in Reutlingen hält sie Verbindung. Und, last but not least, ist Helga-Linda Beyerle-Müller Mitglied des Vereins der Freunde des Chemischen Instituts Dr. Flad e.V.

 

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