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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

"Ich würde wieder Chemiker werden": Wolfgang Kuch ist in vielen Sparten der Chemie zuhause

erschienen im Benzolring 1/1985

Er stammt aus der Gründerzeit des Chemischen Instituts Dr. Flad, vom Lehrgang 2, und seinen Werdegang findet er höchst normal: Dr. Wolfgang Kuch, Leiter des PVC-Stabilisatorenbetriebs der BASF in Besigheim. Aber ganz so selbstverständlich ist seine Laufbahn für einen, der als Chemotechniker, wie sich die CTAs damals noch nannten, angefangen hat, doch nicht. Wir finden sie, ganz im Gegenteil, absolut erwähnenswert, und seine Schilderung aus den Anfängen des Instituts wird in manchem Ehemaligen Erinnerungen wachrufen. Lassen wir ihn selbst zu Wort kommen.

"Ich hatte vorgehabt, gleich nach dem Abitur Chemie zu studieren, doch war es anfangs der fünfziger Jahre schwierig, an Hochschulen einen Platz zu bekommen, so wählte ich den Weg zum Chemiker über den Chemotechniker. Diese Zwischenstation habe ich nie bereut. Am Institut erhielt ich ein fundiertes chemisches Wissen, nicht zuletzt dank der ausgezeichneten Lehrkräfte. Stellvertretend möchte ich die Herren Dr. Peetz und Dr. Schabacher und natürlich Dr. Flad nennen, die ein überdurchschnittliches Talent hatten, einem die chemische Materie nahezubringen. Im zweiten Jahr der Ausbildung wurde mir und meinem Kollegen Raffay die Chemikalienausgabe übertragen. Wir hatten jeden Abend ein bis zwei Stunden zu tun, die verbrauchten Chemikalien anzusetzen und nachzufüllen. Die unangenehmste Arbeit war die Wartung der Schwefelwasserstoffanlage, die meist Raffay übernahm und dafür einen "Ärgerzuschlag" erhob.

Als frischgebackener Chemotechniker fing ich 1954 bei den Farbenfabriken Siegle in Besigheim im Analytischen Labor an, bis ich im Herbst 1955 an der Technischen Hochschule Karlsruhe mein Chemiestudium beginnen konnte. Da mir ein Teil der Analysen und ,Gattermänner' vom Chemischen Institut Dr. Flad dabei angerechnet wurde, kam ich zügig voran. Diplom- und Doktorarbeit absolvierte ich am Institut für Anorganische Chemie über Goldverbindungen und Hydrolyse von Oxometallaten. Für die Goldarbeiten erhielt ich von meinem Professor 20 g Goldpulver ausgehändigt. Diese wurden im Lauf der zweijährigen Arbeit viele Male aufgearbeitet und wieder eingesetzt. Als ich schließlich dem Professor stolz 18 g Gold zurückbrachte (stolz deshalb, weil ich mir einbildete, ein exakter Mensch zu sein) fragte er, wo die anderen 2 g geblieben wären. Wahrscheinlich haben sie Milligramm um Milligramm das Rheingold vermehrt oder eine Müllkippe vergoldet.

Meine erste Stelle als Chemiker nach zweijähriger Assistentenzeit an der Technischen Hochschule war in der Forschung der Firma Van Baerle in Gernsheim am Rhein, die Alkali- und Erdalkalisilikate, gefällte Kieselsäuren und Silikatfarben produziert. Zwei Jahre später, 1966, ging ich wieder zu Siegle, wo ich sieben Jahre in der Pigmentforschung tätig war. Inzwischen durch Firmenübernahme BASF-Mitarbeiter geworden, wechselte ich 1974 aus der Forschung in den Betrieb, wo ich mich mit der Herstellung und Entwicklung von Cadmiumpigmenten beschäftigte. Diese zehn Jahre fand ich als Chemiker ideal: die Entwicklung vorantreiben zu können und die Produkte im Betrieb herzustellen. 1984 wurde mir die Leitung des PVC-Stabilisatorenbetriebs im Werk Besigheim übertragen, und ich, der begeisterte Anorganiker, wurde zum Organiker. Beweglichkeit ist alles!

Dazwischen übte ich noch eine ganz andere Tätigkeit aus, die mir den Kontakt mit der Jugend erhielt: In den siebziger Jahren gab ich in der Zeit des Lehrermangels (heute schon wieder undenkbar) vier Jahre am Progymnasium Bönnigheim Chemieunterricht. Mein Beruf macht mir viel Freude und wenn ich nochmals auf die Welt, käme, würde ich Weltreisender oder, weil es diesen Beruf nicht gibt, wieder Chemiker werden."

Dr. Wolfgang Kuch ist Leiter des PVC-Stabilisatorenbetriebs der BASF in Besigheim. In dem abgebildeten Reaktionskessel wird Polyvinylchlorid gegen Zerfall durch den Einfluß von UV-Strahlen stabilisiert.

 

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