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Donnerstag, 29. September 2005, 15.00 Uhr
Vortrag am Institut Dr. Flad, Großer Hörsaal

Prof. Dr. Henri Brunner
Institut für Anorganische Chemie, Universität Regensburg

Rechts oder links
in Alltag, Natur, Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft

Nachdem Herr Flad den Gastredner Prof. Horst Brunner und alle Gäste begrüßte, nahm Prof. Brunner den bis auf den letzten Platz besetzten Hörsaal des Institutes ganz für sich ein. Er verstand sich darauf mittels einfacher Erklärungen, Bilder und Formeln das Phänomen Bild und Spiegelbild, in der Fachsprache auch Chiralität genannt, den Zuhörern nahe zu bringen und anhand dreier einfacher Formeln zu erläutern.

Bild und Spiegelbild findet man von der Kunst über die Natur, bis hin zum Alltag. Bewegungen im Uhrzeigersinn, so Prof. Brunner, werden als rechtsströmend und Bewegungen gegen den Uhrzeigersinn als linksströmend bezeichnet. Doch liegt rechts und links gleichberechtigt vor oder taucht eine Form öfter auf als die andere? Die Säulen von Barockaltären in Kirchen sind meist ausgeglichen, da es dem optischen aussehen dient, aber in der Natur ist dies oft nicht der Fall. Bei Weinbergschnecken, zum Beispiel, liegt das Verhältnis von rechts und links, 20000 zu 1 vor, d. h. diese sind sehr selten. Dennoch scheute Prof. Brunner keine Mühen 50 dieser so seltenen linksdrehenden Weinbergschneckenhäuser mitzubringen, die er aus einer Zuchtfabrik für Weinbergschnecken in Frankreich bekam. Er zeigte viele Bilder aus der Natur, z. B. Hopfen ist linksdrehend, Schrauben aber rechtsdrehend.

Es liegt eine Homochiralität bei den Weinbergschnecken vor, d.h. eine dominierende Form. Bei der einfachsten Aminosäure Alanin, Brunner's erster chemischer Formel liegt nur eine linksdrehende Form vor, weil die Natur es sich so ausgesucht hat. Deshalb verträgt der Körper die linkshändigen Arzneimittel auch besser. Die Kombination Bild und Spiegelbild liegt beispielsweise bei Händen und Handschuhen vor, was auch als Diastereomere fachlich bezeichnet wird. Es gibt ein einfaches Prinzip, entweder es "passt" oder es "passt nicht".

Das zweite Beispiel der chemischen Formel war Thalidomid. Da der Körper "links" aufgebaut ist, verträgt er auch nur linksdrehende aktive Mittel. Das rechtsdrehende Thalidomid führt zu Missbildungen, das linkshändige hilft als Schlaf- und Beruhigungsmittel. Warum dann nur 11 % an der reinen Form und 88,8 % an Gemisch produziert wird, ist wie immer eine Kostenfrage. Es wäre viel zu teuer bei der Herstellung und auch die Neuzulassung würde zu lange dauern. Das Problem liegt aber nicht nur bei Arzneimitteln, sondern auch bei Nahrungsmitteln und Pflanzenschutzmitteln vor. Brunner's drittes chemisches Beispiel war die Mentholherstellung aus Pfefferminze. Früher auf gerodeten Wäldern in Brasilien angebaut, wird es jetzt in Fabriken künstlich hergestellt. Die Natur benutzt nur "linke" Aminosäuren. Zufall oder Notwendigkeit? So genau kann das keiner sagen. Prof. Brunner zeigte viele anschauliche und amüsante Bilder, über die sich zuvor sicherlich kaum jemand Gedanken gemacht hatte. Von Kunstwerken, Pflanzen, gewundene Treppen, die bevorzugte Kopfneigung beim Küssen, aber auch die Klettereinrichtung der Maibaumstreifen. Zudem betrachtete man die Streifenrichtung der Krawatten, verlaufen diese im Uhrzeigersinn, d.h. rechts herum, so entspricht das der europäischen Streifenrichtung, verlaufen sie in die andere Richtung, so ist das die amerikanische Ordnung.

Zuletzt wurde noch auf Prof. Brunners Buch: "Rechts oder Links in der Natur und anderswo" verwiesen, aus dem auch viele seiner gezeigten Bilder stammten.

Sabine Will, LG 55

 

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