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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

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Chemie unter den Pyramiden

Dr. Angela Köhler-Krützfeldt, Romain-Rolland-Gymnasium, Berlin

Freitag, 30. September 2005, 10.00 Uhr
Vortrag am Institut Dr. Flad, Großer Hörsaal

In dem Vortrag Chemie unter den Pyramiden hat uns Dr. Angela Köhler-Krützfeldt anschaulich dargestellt, wie schon zu Zeiten der alten Ägypter die Chemie im den verschiedensten Bereichen zum Einsatz kam. So stellte sie uns die Herstellung von Papyrus, Wein, Bier und weiteren Grundnahrungsmitteln wie zum Beispiel Brot, dar.

Sehr interessant war auch, mehr über die Verarbeitung von Gold und anderen Metallen durch die Ägypter zu hören. Es gelang zum ersten Mal, die Metalle fein zu verarbeiten und Blattgold zur Vergoldung und Verzierung herzustellen. Zunächst stellten die Ägypter Schmuck und Gebrauchsgegenstände her, später wurden auch die verschiedensten Waffen hergestellt. Ein weiteres von Dr. Köhler-Krützfeldt sehr eindrucksvoll dargestelltes Gebiet war die Konservierung toter Körper in Form von Mumien. Im alten Ägypten war die Konservierung und Erhaltung von Leichen aus religiöser Sicht ein sehr wichtiges Thema. Es wurde ständig nach Möglichkeiten gesucht, um den Verwesungsprozess aufzuhalten. So wurden die Körper in Natron (einem Salzgemisch aus Na2CO3, NaHCO3, Na2SO4, und NaCl) eingebettet. Alle Salze, bis auf NaCl, binden Kristallwasser, welches dem Körper entzogen wird und somit den Verwesungsprozess verzögert oder gar verhindert. Dieser Prozess hat Dr. Köhler-Krützfeldt eindrucksvoll durch die Herstellung eines mumifizierten Apfels dargestellt. Zur Mumifizierung wurden sämtliche Organe aus dem Körper entfernt. Die Körper wurden dann nach dem Austrocknen mit Hilfe von Natron noch mit Salbölen behandelt. Diese Öle bildeten eine Schutzschicht gegen Mikroorganismen und Luftfeuchtigkeit. Die Öle enthalten vor allem ungesättigte Fettsäuren, die durch Polymerisation zu einer harten Schicht reagierten. Die Oberfläche der mumifizierten Körper wurden durch Leinenbinden stabilisiert, mit denen der Körper fest umwickelt wurde. Weiterhin wurde ein Imprägniermittel angewendet, um die Oberfläche zu stabilisieren.

Ein weiterer sehr interessanter Bereich der Chemie im alten Ägypten war die Gewinnung und Herstellung von Farbstoffen und Farben.

Die Farbstoffe wurden hauptsächlich für Schminke, Wand- und Grabmalereien und für die Färbung von Schmuck verwendet. Blaue Farbe wurde vor allem aus gemahlenem Lapis Lazuli, einem Halbedelstein, der aus Afghanistan importiert wurde, hergestellt. Lapis Lazuli wurde allerdings auch direkt als Schmuckstein getragen. Grüne Farbe wurde aus gemahlenem Malachit, ebenfalls ein Halbedelstein, hergestellt. Dr. Köhler-Krützfeldt demonstrierte uns aber, dass nur mit Wasser und gemahlenen Halbedelsteinen noch keine haltbare Farbe entstand. Als Bindemittel wurde vor allem Gummi Arabicum eingesetzt. Der erste synthetisch hergestellte Farbstoff, Ägyptisch Blau, wurde in Ägypten hergestellt.

Auch in der Kosmetik spielte die Chemie eine wichtige Rolle. So wurden Schminken, Enthaarungsmittel und Vorläufer der heutigen Deodorants, kleine Duftkügelchen aus Harzen und Duftölen, hergestellt.

Es wurden auch Salben zu kosmetischen und medizinischen Zwecken hergestellt. Dies war jedoch sehr kompliziert und zeitintensiv und wurde durch die sogenannte Enfleurage bewerkstelligt. Bei der Enfleurage wurden frische Blüten und Kräuter in Öl eingelegt bzw. auf Fettplatten ausgelegt, damit der Duft und die heilenden Öle der Pflanze entzogen wurden.

Dr. Köhler-Krützfeldt hat es auf interessante und spannende Art und Weise verstanden, uns die Chemie unter Pyramiden und im alten Ägypten näher zu bringen.

Miriam Rentschler LG 55 B

 

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