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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

Musik im Gespräch

Konzertreihe mit Roland Heuer

Mozart populär
oder: Wir werden die Wahrheit über Mozart nie erfahren

Freitag, 17. November 2006
Theaterkeller im Institut Dr. Flad

 

Heiter beschwingtes Konzert mit den Asperger Kammersolisten
Eine Besprechung von Martin R. Handschuh

An Wolfgang Amadeus Mozart kommt kein Musikfreund vorbei, das gilt allzumal in einem Jubiläumsjahr wie diesem, was liegt also näher, auch im Institut Dr. Flad diesem Genius mit dem heutigen Konzert gebührend zu huldigen. Die Popularität Mozarts lässt sich am ehesten verstehen, wenn man den Komponisten und seine Werke am eigenen Anspruch misst: für alle Liebhaber einen willkommenen, herzerfrischenden, aber auch zu Herzen gehenden Kunstgenuss zu bereiten, und dem Kenner der tonkünstlerischen Materie ein fesselndes Erlebnis, das zum Nachsinnen anregt und Befriedigung auf einer anderen Ebene verheißt.

Diese Kriterien treffen unzweifelhaft auch auf das Sextett KV 522 "Ein musikalischer Spaß", entstanden Anfang Juni 1787 im Umfeld des Todes Leopold Mozarts, zu. Freilich sind etliche gewollte Ungereimtheiten plakativ angebracht und sofort herauszuhören, andere Unzulänglichkeiten allerdings lassen sich erst mit geschärftem Blick und gespitzten Ohren erkennen. Wohltuend war es deshalb, dass Roland Heuer als spiritus rector der Asperger Kammersolisten eine fachkundige, mit etlichen biographischen und werkgenetischen Zeugnissen angereicherte Einführung gegeben und somit das Publikum nach der heiteren Spurensuche mit Fragen über Fragen in den Kreis der Eingeweihten, die dann umso herzlicher schmunzeln konnten, einbezogen hat.

Die Darbietung der Komposition geriet dann auch zu einem musikalischen Kabarett auf höchstem Niveau, mal die grobschlächtigsten satztechnischen Stümpereien lautstark hinauspolternd, mal mit genüsslich verzogener Mine die sublim mit fein-herben Esprit gewürzten Absonderheiten anbringend. Neben den glänzend atonal intonierte Hornpassagen verdiente die Kadenz Heuers im 3. Satz aufgrund ihrer meisterhaft vorgespiegelten, haarsträubenden Banalität allen Respekt, was nur noch von dem wunderbar schrägen Schlussakkord als letzter zugkräftiger Pointe zu übertreffen war.

Nicht minder großen Beifall erntete die Serenade KV 525, aller Welt bekannt als "Eine kleine Nachtmusik". Ein Irrtum wäre es allerdings, zu glauben, ein derart populäres, häufig aufgeführtes Werk stelle keine lohnenswerte interpretatorische Herausforderung dar. Im Gegenteil, stellt doch gerade die vielen schon in Fleisch und Blut übergegangene Klangkunst eben die höchsten Ansprüche, immer Neues, Erfrischendes, ja, Unerhörtes zu bieten. Die Asperger Kammersolisten machten eine Sternstunde daraus, kitzelten jede Feinheit aus der prima vista so simpel erscheinenden Textur heraus, verstanden es, mit größter Spielfreude auch nicht einen Moment Langeweile aufkommen zu lassen, fesselten vielmehr mit ihrem nuancenreichen, ausgewogenen, transparenten wie dramaturgisch ausgeklügelten Spiel von der ersten bis zu letzten Note. Ein Blick auf diese schillernde Facette im Schaffen des vielbewunderten Meisters, ein beschwingter Wink mit der Pranke des Löwen - welch schöneren Gruß könnte man sich in diesem bald zu Ende gehenden Gedenkjahr wünschen?

 

17. November 2006: "Mozart populär"

Bilder zum 17. November 2006

Konzertreihe "Musik im Gespräch" im Theaterkeller des Instituts