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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

"Pharmazie zwischen Mission und Zauberei"

Dr. Hans-Martin Hirt, anamed

Gastvortrag am 7. April 2006 im Institut Dr. Flad

Was hat eine PTA am Institut Dr. Flad mit Malaria zu tun?

Vor wenigen Tagen hatten wir einen exotischen Besucher im Institut Dr. Flad. Herr Flad und unsere Assistentin Frau Reuter weckten unsere Neugierde, indem sie ein bisschen von der Arbeit von "anamed" (Aktion natürlicher Medizin) erzählten. Nach diesem kurzen Bericht wollten wir unbedingt Herr Dr. Hirt persönlich kennen lernen und mehr von ihm erfahren.

Deshalb kam es dazu, dass der "importierte Apotheker" am Freitag den 7. April 2006 direkt aus Angola zu uns ans Institut kam, um uns seine Arbeit vorzustellen.

Der gebürtige Winnendener versucht zusammen mit der Bevölkerung in den Tropen eine Kombination der Vorteile nördlicher und südlicher Heilkonzepte. Er bildet mit engagierten Personen ein lockeres Netzwerk in den Entwicklungsländern. Dazu gehören unter anderem traditionelle Hebammen, Heiler, der Lehrer Bindanda M´Pia. Gegründet wurde die Aktion 1985 in dem kleinen Dorf Matamba-Solo in Congo/Zaire. Aus der kleinen regionalen Bewegung wurde schnell eine internationale Bewegung.

Um uns die Sichtweise der dort lebenden Menschen näher zu bringen, zeigte Dr. Hirt uns Bilder, die er selbst vor Ort aufgenommen hatte. Es waren für uns bewegende und schockierende Eindrücke z.B. ein Werbeplakat an der Straße, das mit Quecksilberseife für eine hellere Hautfarbe wirbt. Die Folgen davon sind Ausschläge und Hautirritationen, von denen die meist jungen Mädchen gar nichts ahnen. Auf einem anderen Bild standen sich zwei Kinder gegenüber. Beide waren für uns stark unterernährt und eines hatte sogar einen aufgeblähten Bauch. Es wurde eine kurze Abstimmung durchgeführt welches wir für gesünder hielten. Für uns war eindeutig das ohne aufgeblähten Bauch gesünder. Die Bevölkerung vor Ort allerdings hält das andere für gesünder, da es mehr wiegt. Sie ziehen allerdings nicht in Betracht, dass ein Kilogramm seines Körpergewichts Würmer ausmachen. Herr Dr. Hirt erzählte uns auch noch, dass internationale Getränkefirmen ihre Produkte ins Land bringen, es aber keinerlei Recyclingmöglichkeiten gibt und die Menschen dadurch mit ihren Abfällen das wenige Trinkwasser verschmutzen. Das Team macht es sich unter anderem zur Aufgabe die selbsternannten Apotheker der Straßenapotheken und die Menschen über die Risiken aufzuklären und die traditionelle Medizin zu verbessern. Die teilweise importierten Arzneimittel wurden symbolisch zu Grabe getragen um den Menschen zu verdeutlichen wie gefährlich es ist solche Medikamente zu nehmen ohne Kenntnisse über Wirkungen, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen zu haben.

Viele Menschen sterben täglich an den einfachsten Krankheiten wie Würmer oder gar Symptomen wie Durchfall und Fieber, weil sie entweder zu den ärmsten der Welt gehören oder weil die traditionellen Medikamente falsch appliziert oder überdosiert wurden oder sogar verdorben sind. Genau dort setzt "anamed" an. Sie helfen zur Selbsthilfe indem sie verstärkt lokal vorkommende Heilpflanzen schützen oder verwenden z.B. durch gezielten Anbau und durch die Weitergabe des Wissens über Heilpflanzen.

Jeder dritte Mensch auf der Welt ist von Malaria bedroht. So ist es kein Wunder, dass durchschnittlich 3 000 afrikanische Kinder täglich an der Tropenkrankheit sterben. Das bisherige billige Medikament ist inzwischen auf Grund von Resistenzen des Erregers fast wirkungslos und eine neue Generation von Medikamenten mit dem Wirkstoff aus Artemisia annua für die Bevölkerung nicht erschwinglich. Auch der Versuch der WHO die Stechmücke Anopheles auszurotten blieb erfolglos.

"Anamed" fragte bei einer schweizer Arzneimittelfirma an, ob es möglich wäre, Samen der Pflanze zu erwerben um diese in Afrika anzubauen und selbst zu ernten um die Bevölkerung im Kampf gegen die Krankheit zu unterstützten. Die Antwort war, dass es möglich sei, die Kosten sich allerdings auf 3000 € pro Esslöffel Samen belaufen würden. Durch Überzeugung des Projekt und weil Artemisia annua als "eine Pflanze, die Afrika retten könnte" bezeichnet wird, erließ die Firma die Lizenzkosten und nun kauft "anamed" jährlich für 5000 € Samen und baut diese auf 630 Feldern weltweit erfolgreich an.

Dr. Hirt bot uns an einen Beitrag zu leisten, indem wir selbst Artemisia annua anbauen, ernten und in unserem Institut zu Tee verarbeiten und diesen dann nach Afrika zu ihm schicken, um den Menschen zu helfen.
Denn genau in dieser Zubereitung liegt die heilende Wirkung der Pflanze bei 70-100%.

Wir, die PTA 9 waren sofort von dem Vorschlag begeistert, so dass wir nach den Osterferien sofort mit dem Anbau im eigenen heimischen Garten beginnen werden. Somit hat Dr. Hirts Vortrag genau das erreicht was er wollte, nämlich dass Bewusstsein zu schaffen, dass jeder von uns etwas an der Situation in der dritten Welt verändern kann. Außerdem hat er uns eingeladen direkt in ein betroffenes Gebiet mit ihm zu kommen, wenn wir etwas Berufserfahrung in Deutschland gesammelt haben, um uns als PTA in Afrika zu verwirklichen.

Wen dieser Bericht berührt und angeregt hat kann selbst etwas tun!

Von "anamed" gibt es ein Praxisseminar am 2. Februar 2007 in Korntal bei Stuttgart, wo gemeinsam Seifen, Salben und medizinische Öle aus tropischen Rohstoffen hergestellt werden.

Weitere Informationen gibt es unter www.anamed.net unter "Mitarbeit Deutschland".

Auf diesem Wege möchten wir uns nochmals recht herzlich bei Dr. Hirt für seinen Vortrag und für die Plakate der "Heilpflanzen aus den Tropen" bedanken. Wir wünschen ihm und seinem Team weiterhin viel Erfolg bei der Bekämpfung der Missstände in einem der ärmsten Länder der Welt.

Melanie Tores und Julia Brunner, PTA 9A