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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

größerInternationale Woche gegen Rassismus 2007

blue eyed - brown eyed
Workshop am Institut

Schülerberichte zum Workshop

Der Workshop setzte sich mit dem Thema Rassismus und Diskriminierung auseinander. Die Teilnehmenden sollten befähigt werden, im täglichen Leben den diskriminierenden und rassistischen Tendenzen in unserer Gesellschaft etwas entgegenzusetzen.
Am Institut Dr. Flad wurde dieser Workshop bereits mehrfach veranstaltet, zuletzt im Oktober 2002: Planmäßig misshandelt - Workshop "blue eyed - brown eyed" mit Nachwirkungen

größer Im Workshop wurden die Teilnehmenden nach einem willkürlichen körperlichen Merkmal in zwei Gruppen aufgeteilt - in Braunäugige (brown eyed) und Blauäugige (blue eyed). Die Braunäugigen wurden für besser und intelligenter erklärt und mit Privilegien ausgestattet, die den Blauäugigen vorenthalten werden, indem sie als schlecht, minderwertig und dümmer abqualifiziert werden. Viele Blauäugigen spürten erstmals was es heißt, aufgrund der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe diskriminiert zu werden und zu denen zu gehören, die nie gewinnen können. Sie wurden so behandelt, wie die Gesellschaft Einwanderer und Schwarze behandelt, aber auch Frauen oder Menschen, die nicht der "Norm" entsprechen.

Die Teilnehmenden konnten erfahren, wie alltäglicher Rassismus und Machtstrukturen funktionieren und welche Auswirkungen diese sowohl auf die Betroffenen wie auch diejenigen haben, die diskriminieren oder Diskriminierungen zulassen. Hintergrund der Übung ist der des emotionalen Lernens, ein an der ganzen Person orientierter Ansatz. Die Teilnehmenden werden mit eigenen Vorurteilen und ihrer Verantwortlichkeit zur Bekämpfung von Rassismus konfrontiert. Der Workshop gibt Einblicke in die vielfältigen Formen der subtilen Rassismen und notwendige Veränderungen auf individueller und gesellschaftlicher Ebene.

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Schülerberichte zum Workshop

"blue eyed - brown eyed" - Planmäßige Diskriminierung

Am Samstag den 17. März 2007 wurden rund 20 Schülerinnen und Schüler des Instituts Dr. Flad eingeladen an dem Workshop "blue eyed - brown eyed" teilzunehmen.
Die Erwartungshaltung war groß. Keiner konnte sich so richtig vorstellen, wie das ganze ablaufen würde und vor allem wusste keiner, ob es überhaupt klappen würde, diskriminiert zu werden, wo doch bekannt war, dass es sich nur um ein Spiel handelt.
Als die drei Trainer, alle in schwarz gekleidet, uns mit strenger Stimme befahlen uns in einer Reihe aufzustellen, verstummten erst einmal alle.
Jeder wurde einzeln nach vorne an einen Tisch gerufen, um sich dort mit Namen in einer Liste einzutragen. Es wurde nach Blauäugig und Braunäugig unterteilt.
Der Workshopleiter, Jürgen Schlicher, schaffte es nach wenigen Sekunden mit seiner arroganten, ja fast militärischen Art, die Leute am Tisch so zu verunsichern, dass sie es nicht einmal schafften, ihren Namen richtig in die Liste einzutragen. Natürlich war er nur zu den Blauäugigen so unfreundlich. Die Braunäugigen durften sich Fehler erlauben.

Alle Blauäugigen wurden durch einen grünen Kragen gekennzeichnet und mussten sich in eine Ecke stellen. Die Braunäugigen dagegen durften sich in einen Raum begeben in dem Stühle sowie Kaffee und Plätzchen bereitstanden.

So sehr sich viele gewünscht hatten, der Erfahrung wegen zu den Blauäugigen zu kommen, waren doch viele der Braunäugigen erleichtert auf der "Sonnenseite" zu sein.
Jürgen Schlicher betrat nun den Raum. Es wurde sofort still. Doch der vorher noch so unfreundliche in schwarz gekleidete Mann, war nun alles andere als unfreundlich. Ein dickes Grinsen im Gesicht, begrüßte er uns alle recht herzlich.

Gleich zu beginn kamen Sätze wie: "Die Blauäugigen haben es nicht einmal geschafft sich in eine Liste einzutragen. Euch machte das natürlich keine Probleme."

So ging es dann auch im Grunde immer weiter. Dauernd kamen Sätze, dass Blauäugige dumm seien, nicht zählen können, zu Kriminalität neigen usw.
Die Stimmung war eigentlich ganz locker, bis sich einer von uns Braunäugigen dagegen wehrte und fragte warum Herr Schlicher so gegen die anderen hetzen würde?
Die Freundlichkeit von Jürgen Schlicher war sofort erloschen. Er ließ die betreffende Person aufstehen und erklärte kurz und knapp, dass er jetzt gehen dürfte und zu den Blauäugigen gehöre. Dies stieß auf größeren Protest, sodass die Gruppe drei Minuten Zeit hatte zu entscheiden ob der "Störenfried" geht oder der Workshop abgebrochen wird.
Natürlich musste der "Störenfried" gehen obwohl jeder wusste, dass Herr Schlicher im Unrecht war.

Nachdem das "Problem" gelöst war, wurden die Blauäugigen in den Raum geholt. Diese hatten zuvor rund zwei Stunden in einem kleinen Raum mit nur einem Hocker ausharren müssen.

Es gab nicht für alle Blauäugigen Hocker, sodass drei von ihnen auf dem Boden sitzen mussten.
Sie saßen in der Mitte des Raumes eng beieinander, vor ihnen stand Herr Schlicher, daneben saßen die Braunäugigen.
In kürzester Zeit war aus dem Spiel für die Blauäugigen Ernst geworden. Sie wurden nach allen Regen der Kunst schikaniert. Sie mussten Plakate vorlesen auf denen sie selbst diskriminiert wurden. Herr Schlicher verdrehte jedem die Worte im Mund, bog alles so hin, dass die betreffende Person aus dem Stottern förmlich nicht mehr herauskam.
Die Situation lässt sich schwer beschreiben, aber für die Blauäugigen war sie alles andere als angenehm. Die Braunäugigen dagegen lachten sich nicht selten schlapp, über die doch so dämlichen Fehler, die die anderen machten.

Alle Vorurteile die Jürgen Schlicher vorher "gesät" hatte, hatten sich bestätigt.
Hier nur einige Zitate:

Schüler: "Weil ich minderwertig bin."
Schlicher: "Glaubst du das wirklich?"
Schüler: "Ich weiß es!"

Schüler: "Jaja, Sie haben Recht und ich meine Ruhe."

Es war schon heftig, dass manche es nicht mehr fertig brachten einen einfachen Satz zu lesen oder bis drei zu zählen.
Nach ca. 90 Min. wurde dann die planmäßige Diskriminierung beendet und erst einmal Mittagspause gemacht.
Die Blauäugigen waren alle sichtlich mitgenommen. Soviel also dazu, dass es ja nur ein Spiel ist. Die Grenzen zwischen Spiel und Realität waren schnell verschwommen.

Anschließend wurden die Erfahrungen ausgetauscht und intensiv über das Geschehene gesprochen.

Dabei sollte jeder aufschreiben wie er sich gefühlt hatte und wie er die anderen gesehen hat.

 
Wie ich mich gefühlt habe?      Wie ich die anderen gesehen habe?
 
Braunäugige:
- amüsiert - verängstigt
- seltsam - nervös
- Mitleid gehabt - verzweifelt
- erschrocken - trotzig
- autoritär - wütend
 
Blauäugige:
- "beschissen" - selbstbewusst
- hasserfüllt - machthaberisch
- benachteiligt - bevorzugt
- minderwertig - arrogant
- erniedrigt - belustigt
 

Der Workshop hat wohl jeden der Teilnehmer sehr nachdenklich gemacht. Wie hart es ist 90 Minuten schikaniert zu werden haben einige jetzt am eigenen Leib erfahren.
Wie schlecht man sich fühlt, wenn man da sitzt und nichts tut, haben dann im Nachhinein auch die Braunäugigen erfahren dürfen. Es machte ihnen auch ganz klar zu schaffen, dass sie ohne es zu merken doch in kürzester Zeit manipuliert worden sind.

Wie schlimm es für diejenigen sein muss, die jeden Tag damit konfrontiert werden, das können wir uns jetzt etwas besser vorstellen. Das so etwas nicht hinnehmbar ist, ist wohl spätestens jetzt allen Beteiligten klar.
Ein wichtiger Satz im Workshop war sicherlich:

"Es ist wichtiger nach dem zu suchen, was man unternehmen kann, als nach Ausreden zu suchen warum man nur zugeschaut hat."

Jeder kann sich aktiv gegen Diskriminierung einsetzen. Man muss es nur wollen.
Der Workshop war sehr gut und hat jedem eine ganz neue Perspektive von Diskriminierung gegeben.

Fabian Schuster, LG 57

 

Workshop Blue Eyed - Brown Eyed

Rassismus und Diskriminierung sind zwei Bestandteile unseres heutigen Lebens die leider stark vertreten sind. Der Workshop Blue Eyed - Brown Eyed (zu Deutsch: Blauäugige - Braunäugige) befasst sich genau mit diesem Thema.
Das Projekt wurde von Jane Elliott entwickelt, die nach der Ermordung von Martin Luther King vor dem Problem stand Ihren weißen und christlichen Schülern, die sich noch nie mit dem Thema Diskriminierung beschäftigt hatten, das Ereignis erklären zu können.

Im Institut fand am 17. März 2007 der Workshop "Blue eyed - Brown eyed" statt. Die Gruppe der Teilnehmer wurde auf Grund Ihrer Augenfarbe in zwei verschiedene Gruppen, den Blau- und Braunäugigen unterteilt, wobei die Braunäugigen die höher privilegierteren und die Blauäugigen die "minderwertigeren" Menschen waren.
Zunächst wurden die beiden unterschiedlichen Gruppen voneinander getrennt, der "Brown Eyed"-Gruppe wurde eingeprägt, dass die "Blue Eyeds" weniger Rechte und Privilegien besitzen.
Außerdem wurden Regeln erstellt, die von beiden Seiten einzuhalten waren:

  1. Gute Zuhörer haben ruhige Hände, Füße und Mund.
  2. Gute Zuhörer schauen der Person, die spricht, in die Augen.
  3. Gute Zuhörer hören von Anfang an bis ganz zum Schluss zu.
  4. Gute Zuhörer sind entschlossen etwas zu lernen.

Die Braunäugigen sollten darauf achten, dass die Blauäugigen nicht in der Lage sind sich an diese Regeln zu halten. Somit sollten die Vorurteile gegenüber den Blauäugigen bestätigt werden und die "Brown-Eyed"-Gruppe wirklich das Gefühl bekommen überlegener, intelligenter und erhabener zu sein.

Das erstaunliche an diesem Workshop war, dass genau dies eintrat. Denn nach 2 Stunden des Wartens und ständigen Kontrollierens von zwei Mitarbeitern, war die "Blue-Eyed"-Gruppe als sie in den Raum der Braunäugigen eingelassen wurde sichtlich angespannt. Dort durften die Braunäugigen nach Herzenslust essen und trinken, was den "Blueys" natürlich untersagt war. Das ganze erreichte seinen Höhepunkt als Jürgen Schlicher (Leiter des Workshops) jeden einzelnen der Blauäugigen systematisch diskriminierte. "Egal was ich tat und was ich versuchte, ich konnte es Ihm einfach nicht Recht machen. Am Ende versuchte ich einfach nicht mehr aufzufallen.", so die Aussage eines Teilnehmers.

Am Ende des ungefähr 3,5 Stunden langen praktischen Teils des Workshops wurde ein Eignungstest geschrieben. "Das waren Fragen die kein normaler Mensch beantworten kann", war die Meinung eines Teilnehmers aus der Gruppe der Blauäugigen. Was sie nicht wussten, den Braunäugigen wurde die Hälfte der Lösungen bereits im Voraus gesagt. Somit schnitten sie deutlich besser ab als die andere Gruppe, dies sollte nun den eindeutigen Beweis darstellen, dass die Braunäugigen den Blauäugigen weit überlegen sind.

Nach Beendigung des Rollenspiels, das für einige eigentlich gar kein Spiel mehr war, sollten beide Gruppen aufschreiben, wie sie sich fühlten und wie sie die anderen sahen.
Interessant hierbei waren die Wünsche der Blauaugen-Gruppe gegenüber der Braunaugen-Gruppe: "Die Braunaugen-Gruppe hätte sich einmischen können", "Die Braunaugen-Gruppe hätte nicht lachen oder essen bzw. trinken müssen", waren hierbei die häufigsten Aussagen der Teilnehmer der Blauaugen-Gruppe.

Dies lässt sich auch auf das heutige Zusammenleben zwischen den deutschen Staatsbürgern und Immigranten übertragen. Wie oft werden unsere Mitbürger, anderer Herkunft oder Nationalität, ausgeschlossen, benachteiligt oder sogar diskriminiert. Und wir stehen daneben, sagen nichts, machen nichts oder tun so als ob wir einfach nichts mitbekommen! Zwei gute Beispiele kamen von Herrn Schlicher selbst, eine türkische Frau die aus freien Stücken ein Kopftuch trägt, muss so gut wie jedes Mal eine Taschendurchsuchung über sich ergehen lassen, wenn sie im Supermarkt einkaufen geht.
Nur weil es Vorurteile gibt wie: "Die klauen doch!". Und findet man einmal wirklich einen geklauten Gegenstand, so wird dieses Vorurteil bestärkt. Aber würden genau so viele deutsche Staatsbürger beim Einkaufen kontrolliert werden, so würde man sicherlich auf ein gleiches wenn nicht sogar höheres Ergebnis bei der Diebstahlrate kommen.
Ein weiteres erschreckendes Beispiel ist, dass eine Frau am Berliner Hauptbahnhof zusammengeschlagen wurde, nur weil sie einen Migrationhintergrund hatte.

Das Problem daran ist, dass wir solche Situationen kaum kennen. Dies liegt zum einem daran, dass es die meisten von uns nicht betrifft. Wenn wir einmal einer solchen Situation ausgesetzt sind, bei der ein Mensch diskriminiert wird, schauen viele lieber weg als einzugreifen.
Eingreifen heißt hier nicht immer aktiv zu sein, man kann auch passiv eingreifen indem man zum Beispiel einfach die Polizei anruft.

Ändern wir nichts an diesem Problem, werden wir bald ein noch größeres Problem zwischen Immigranten und Nicht-Immigranten haben, das uns alle betreffen wird, denn die Gefühle der blauäugigen Gruppe gegenüber der braunäugigen Gruppe, wie Wut, Hass und Gewaltbereitschaft spiegeln sich auch in den Menschen wieder die unterdrückt und benachteiligt werden.

Marco Kunzelmann, LG 57

 
Internationale Woche gegen Rassismus vom 17. - 25. März 2007
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