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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

Sibylle Krause-Burger liest und diskutiert

Am 26. November 2007 war die Journalistin Sibylle Krause-Burger zu Gast im Institut Dr. Flad.
Sie las aus ihren Publikationen, stellte ihren Beruf vor und diskutierte mit Schülerinnen und Schülern.

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Zwischen Journalismus und Familiengeschichte

- Frau Sibylle Krause-Burger zu Gast im Institut Dr. Flad -

Der Hörsaal war voll, eine gespannte Atmosphäre lag über den Anwesenden, die nur auf eine Person warteten, welche heute den Schulalltag am Institut Dr. Flad durch ihre Präsenz etwas auflockern würde. Um 11 Uhr trat sie dann in Begleitung von Herrn Flad durch die Türen des Hörsaals im dritten Stock des Instituts: Frau Sibylle Krause-Burger. Wer die Stuttgarter Zeitung liest, dem wird allein schon der Name ein Begriff sein. Frau Krause-Burger, die spitzzüngige Journalistin, die sich nicht scheut, Tatsachen, die wir alle sehen, in Worte zu fassen und äußert raffiniert mit Sarkasmus und Ironie ihre Texte verfeinert, ihnen Biss gibt.

größer So war es auch kaum verwunderlich, dass die Schüler sprichwörtlich an Frau Krause-Burgers Lippen hingen, als sie begann, von ihrem Werdegang als Journalistin zu berichten und nebenbei noch erklärte, was einen wirklich guten Journalisten ausmachte. Ihr reges Interesse für Politik und die Mächtigen in unserem Regierungssystem haben ihr den Weg zu Anfang nicht leicht gemacht. Viele Hürden musste sie überwinden, um endlich in ihrem Element arbeiten zu können. Der Kolumne in der Stuttgarter Zeitung, in der sie jeden zweiten Dienstag mit aktuellen Themen den Morgen zu versüßen weiß, ist sie seit zehn Jahren treu und es ist zum Glück auch kein Ende in Sicht.

Nachdem die Schüler erfahren haben, dass zum Schreiben nicht nur die Sprache benötigt wird, sondern auch Talent, Begeisterung und Interesse vorhanden sein sollten, schloss Frau Krause-Burger ihren Ausflug über ihren Beruf mit einem kleinen Umriss ihrer Karriere, deren Weg über diverse an Zeitungen und Rundfunke verkaufte Texte bis hin zum freien Journalismus führte, und führte ihre aufmerksamen Zuhörer hin zu ihrem neuen literarischen Werk "Herr Wolle lässt noch einmal grüßen".

Das Buch berichtet eindrucksvoll über die Zeit während des Dritten Reichs, die Frau Krause-Burger selbst noch am eigenen Leib miterlebt hat, auch wenn sie zu dieser Zeit noch sehr jung war. Während sie einen Umriss über den Umfang ihres Buches erzählte, ihre Erzählungen mit Zitaten und genauen Daten ergänzte, konnte man deutlich die Emotionalität in ihrer Stimme heraushören. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, immerhin handelt es sich bei diesem Buch um die auf originalen Briefen basierende Geschichte ihrer Familie, von den Großeltern bis zu ihr selbst. Als sie das Kapitel "Auf den König geschworen" den Anwesenden vorlas, fühlte man sich wirklich in diese vergangene Zeit versetzt. Die Daten, die man eventuell aus früheren Geschichtsstunden in der Schule noch im Gedächtnis hatte, lebten auf beinahe beängstigende Weise wieder auf und machten das Gehörte unheimlich gut bildlich vorstellbar.

Persönlich muss ich sagen, dass mir dieses Kapitel sehr zugesagt hat, vor allem durch die Balance zwischen Detailreichtum und Leser - in diesem Fall Zuhörerfantasie, die dem vorgelesenen Kapitel die richtige Würze gab. Es machte einfach Hunger auf mehr und ich kann jedem empfehlen, zumindest einmal in dieses Buch hinein zu lesen. Es ist nicht eines von diesen, die rein recherchiert und daher nüchtern erzählen, wie es in dieser dunklen Zeit zugegangen ist, nein, dies ist ein Buch mit einer Seele, von einer großartigen Schriftstellerin verfasst, die hier einmal eine andere Seite als ihre zynische Ader, die sonst so charakteristisch für sie ist, durchscheinen lässt.

Ann-Katrin Krebs, LG 58

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Lesung aus "Herr Wolle lässt noch einmal grüßen"

Die bekannte StZ-Kolumnistin Sibylle Krause-Burger, mehrfach für ihre journalistischen Arbeiten ausgezeichnet, stellte gleich zu Beginn ihrer Ausführungen im bis auf den letzten Platz belegten Großen Hörsaal die provokante These auf, Politik sei genau so spannend wie manch ein Krimi. Die Leidenschaft, die eine solche Äußerung offenbart, begleitet Frau Krause-Burger seit vielen Jahrzehnten und regelmäßig lässt sie uns Leser durch ihre Artikel daran teilhaben.

Geboren in Berlin, aufgewachsen in Württemberg, ging sie nach dem Abitur nach Tübingen, um bei Prof. Theodor Eschenburg politische Wissenschaften zu studieren. Damit waren die Grundlagen geschaffen für ihre vielfältigen journalistischen Tätigkeiten, sei es als Redakteurin bei Rundfunk, als Mitarbeiterin bei Zeitungen oder als Autorin zahlreicher Portraits über Politiker. Sie selbst bezeichnet ihre Bücher, u.a. über Helmut Schmidt und Joschka Fischer, als "Entwicklungsromane", die aufwendige Recherchen erforderten. Im Gegensatz zu festangestellten Redakteuren, die in der Regel bestimmte Ressorts wie Politik, Wirtschaft, Lokales etc. "besetzten", sind freie Journalisten wie sie auf Nischen angewiesen.

Seit zehn Jahren schreibt Sibylle Krause-Burger dienstags - im Wechsel mit dem früheren Stuttgarter OB Manfred Rommel - Kolumnen, das heißt, sie formuliert ihre ausgeprägte Meinung. Rommel sei eher der Philosoph, sie die Wadenbeißerin, so die Referentin. Was scheinbar so mühelos, zumindest aus der Sicht des Lesers, aus der Feder fließt, ist härteste Arbeit: "Schreiben ist die Hölle, geschrieben haben der Himmel."

größer Nach den grundsätzlichen Ausführungen über die Aufgaben des Journalismus folgte eine Fragerunde, an der sich die Schüler engagiert beteiligten, ehe Frau Krause-Burger aus ihrem gerade erschienen Buch "Herr Wolle lässt noch einmal grüßen" las.

Bereits der Untertitel "Geschichte meiner deutsch-jüdischen Familie" lässt eine Familientragödie erahnen. Einerseits der in Berlin lebende jüdische Zweig der Familie, die Wolles: gutbürgerlich wohnend, wohlsituiert, bildungsbeflissen und geradezu hungrig nach Kultur in alle ihren Variationen. Andererseits der aus Württemberg stammende Teil, die Burgers: eher provinziell, belastet durch die Alkoholsucht eines ihrer Mitglieder.

"Während die Wolles abends ins Theater und in die Oper gingen, im Freundeskreis Bridge und Rommé spielten, Ausstellungen besuchten oder sich über die neuesten literarischen Erscheinungen die Köpfe heiß redeten, beschäftigte sich Kläre Burger ... vor allem zu Hause, strickte, stopfte Strümpfe oder las fromme Bücher." (S. 55)

Trotz oder gerade wegen dieser Gegensätze finden zwei aus beiden Familien zusammen. Edith und Walter, die Eltern der Autorin, wird ein Leben lang eine große Liebe verbinden. Was im Berlin der zwanziger Jahre gerade noch toleriert wurde, entwickelt sich unter der Hitler-Diktatur zur Tragödie. Die jüdische Großmutter Thekla und ihr Sohn Günter (Onkel Wolle) werden von den Nazis ermordet, der restliche Teil der jüdischen Familie wird gnadenlos verfolgt. Derweil grenzt sich der fanatisierte "arische" Spross von der jüdischen Verwandtschaft ab und verurteilt die Heirat von Edith und Walter als "unwürdig". Erst elf Jahre nach der Hochzeit darf der Vater der Autorin sein württembergisches Heimatdorf Nussdorf wieder besuchen.

Diese Familienchronik schildert exemplarisch, wie die Barbarei des Nationalsozialismus in das Leben zweier Familien nach und nach vordringt, dieses vergiftet und letztendlich spaltet.

Unbedingt lesen! Sibylle Krause-Burger: "Herr Wolle lässt noch einmal grüßen. Geschichte meiner deutsch-jüdischen Familie." DVA, München 2007.

Angela Schmitt-Bucher

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