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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

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Chemie - Quo vadis

Prof. Dr. Dieter Jahn, BASF AG, Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker

Freitag, 28. September 2007, 15.00 Uhr
Vortrag an der Universität Hohenheim

Bilder zum Vortrag

 

Chemie- Quo Vadis

Zunächst wurden wir vom Rektor der Uni Hohenheim, Herrn Liebig begrüßt. Er lobte die Stuttgarter Chemietage, bei denen unterschiedliche Gruppen vom umfangreichen Angebot an Vorträgen und Workshops zum Thema "Green Chemistry - Nachhaltigkeit in der Chemie" profitieren. Um die Wichtigkeit dieses Themas für die Uni Hohenheim deutlich zu machen, berichtete er von diversen Projekten, wie zum Beispiel dem neuen Studiengang "Nachwachsender Rohstoffe" und der eigenen Biogasanlage. Er bedankte sich bei Wolfgang Flad und der Fakultät für Chemie für die gute Zusammenarbeit und überließ Prof. Dr. Menzel das Wort. Dieser stellte den Werdegang des Referenten vor.

Prof. Dr. Dieter Jahn studierte an der Universität Stuttgart und promovierte bei Prof. Dr. Effenberger. Seit 1979 arbeitet er für die BASF Aktiengesellschaft und ist verantwortlich für das globale Kompetenzzentrum Science Relations and Innovation Management. Darüber hinaus bekleidet er seit 2006 das Amt des Präsidenten der Gesellschaft Deutscher Chemiker, hat einen Lehrauftrag für "Industrielle Biotechnologie" an der Universität Stuttgart und setzt sich stark für die Nachwuchsarbeit ein.

Prof. Dr. Jahn eröffnete seinen Vortag mit dem Titel "Chemie- Quo vadis”, in dem er die Vergangenheit, die Gegenwart und vor allem die Zukunft der Chemie näher beleuchtet, mit folgendem Zitat von Sir Jack Baldwin "Chemistry is about marking forms of matter, that have never existed before.", welches den kreativen Charakter der Chemie und damit den Unterschied zu anderen Wissenschaften deutlich macht.

Als nächstes ging er auf die Entstehungsgeschichte der chemischen Industrie Deutschlands am Beispiel der BASF ein. Wie schon aus dem Namen hervorgeht (Badische Anilin- und Sodafabrik), entstanden dieser und viele weitere deutschen Chemiekonzerne durch aus der Farbenproduktion heraus. Weitere Antriebsmotoren in der Geschichte der Chemie waren die Haber-Bosch-Synthese und die Kunststoffproduktion. Im heutigen Zeitalter der Globalisierung steht in der Wertschöpfungskette am Anfang meistens das Erdöl, welches nach Veredelungsprozessen über 200 Zwischenprodukten bietet, welche dann zur Herstellung von Massen-, Spezialchemikalien, Pflanzenschutzmittel und Pharmaka dienen. Bis 1990 deckten die großen Konzerne die komplette Bandbreite dieser Kette ab. In neuerer Zeit ist eher der Trend zu Spezialisierung zu erkennen.

Prof. Dr. Jahn sprach auch die 10 größten Probleme der Menschheit der nächsten 50 Jahre an, von denen sich 70 % ohne die Chemie nicht lösen ließen.

Die chemische Industrie heute besteht aus circa 25.000 Chemieunternehmen, wobei eher die mittleren und kleinen Firmen den größeren Einfluss auf die Volkswirtschaft haben. 16 von 30 führenden Chemieunternehmen haben ihren Sitz in Europa, wobei Deutschland zur Spitze gehört. In Deutschland hat die Chemie im Gegensatz zu einigen europäischen Nachbarn eine sehr gute Reputation. Dies macht die gute Basis der Chemie deutlich.

Nach der Beleuchtung der gegenwärtigen Situation geht Prof. Dr. Jahn jetzt auf die Frage nach der Zukunft der Chemie ein. Es lässt sich nicht vermeiden, dass Deutschland gegenüber Asien die Führungsposition verlieren wird. Es wird in Zukunft vor allem darauf ankommen im Preiskampf für die Grundprodukte konkurrenzfähig zu bleiben und hochwertige Produkte mit großer Wirksamkeit und Sicherheit herzustellen. Steigende Rohstoffpreise, niedrige Produktionskosten in Rohstoffländern und Standortnachteile und Produktionsverlagerungen nach Asien sind für Deutschland nicht gerade von Vorteil. Dies zeigt folgendes Zitat " Simply making chemical compounds will not suffice for economics success". Daraus geht hervor, dass Deutschland sich in Zukunft anders aufstellen muss bzw. dies bereits tut. Innovation durch Kooperation wird immer wichtiger. BASF investiert 100 Millionen Euro in so genannte "Venture Capital" Firmen. Hierbei werden junge Firmen unterstützt, von deren Innovationen auch die BASF profitiert. 270 Millionen Euro stecken derzeit im Hightech-Gründer Fond, der von Bund und Industrie gefördert wird.

Die Begriffe Energie und Klima werden in Zukunft eine noch viel größere Rolle spielen.

Ein Drittel der Aufwendungen der BASF werden bereits in den Klimaschutz und erneuerbare Energien investiert. Dabei steht Ressourcenschonung, Reduzierung der Treibhausgasemissionen und die Abfallbehandlung im Vordergrund.

Derzeit finden Entwicklungen unter anderem im Bereich der Photovoltaik, der Holzimprägnierung, der OLEDs oder bei Wärmedämmstoffen statt. Durch den Einbau von 400.000 Tonnen modernem Styropor für den Wärmeschutz lassen sich 140 Mio. Tonnen CO2 einsparen. Dies zeigt die große Hebelwirkung, die die Chemie bewirken kann.

"Schaffe, net schwätze!" So lautet ein Zitat des Vorstandsvorsitzenden der BASF Dr. Hambrecht. Die "Chemical Company", wie sie jetzt nennt, leugnet nicht ihren Ursprung als Stuttgarter Firma. Bis in die 60er Jahre war das Rössle Teil der Firmenlogos.. Der "Chemis-tree" ist aufgebaut aus den direkt aus Erdöl gewonnenen "raw materials", 200 "major basic products" (die Unsterblichen) und 800 Verkaufsprodukten, die es ständig zu erweitern und entwickeln gilt.

Der Begriff "Verbund" wurde durch die BASF zum internationalen Markenzeichen. Hierbei werden Produktionsanlagen intelligent miteinander verknüpft, um eine möglichst hohe Ausbeute bei der Produktion zu erzeugen.

Die Zukunft der BASF liegt in Bereichen der Pflanzenbiotechnologie, weiße Biotechnologie, nachwachsende Rohstoffe, Alternativen zum Erdöl, Nanotechnologie und Energie.
Die Erfolgsfaktoren für die Chemie in den nächsten Jahren besteht lautet Prof. Dr. Jahn in der Quantität und Qualität des Nachwuchses, der effizienten Internationalisierung, ausländischen Talenten, der Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, der gesellschaftlichen Reputation, den Naturwissenschaften als Bildungsfaktor, Firmengründungen und den Querschnittscharakter der Chemie.

Professor Dr. Jahn beendete seinen Vortrag mit Aussage, dass die Chemie im Gegensatz zu anderen Bereichen sehr optimistisch in die Zukunft blicken kann.

Diese Botschaft, die im ganzen Vortrag zu spüren war, gab uns Schülern das Gefühl, dass wir uns auf dem richtigen Weg in Richtung Arbeitsplatz befinden. Wir bedanken uns beim Referenten für die motivierende Präsentation.

Stefan Seufert
Saskia Pfeffer
LG 57

 

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