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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

"We Can Change The World"
Theaterprojekt am Institut Dr. Flad zum Thema Nachhaltigkeit

Bilder und Bericht von der Premiere am 26. März 2007 im Theaterhaus Stuttgart

größer Einfach den Stecker ziehen?

"We Can Change The World" heißt das neue Theaterspiel über nachhaltiges Denken und Handeln - selbst geschrieben und gespielt von den Schülern des Instituts, aufgeführt am Stuttgarter Theaterhaus.

"Ihre Einsätze bitte!" ruft der Conférencier, gespielt von Theodora Kranidou. Die Schüler des Instituts Dr. Flad verwandeln die "Bretter" des Theaterhauses buchstäblich in "Bretter, die die Welt bedeuten". Das Spielfeld ist diesmal die Erde - und die Figuren sind die Menschen selbst. Mit dieser Metapher startet eine furiose Aufführung über "nachhaltiges Denken und Handeln". Ein Thema, bei dem man sich im Vorfeld fragt: "Wie setzt man das in ein gefälliges Theaterstück um"?

Dass es geht, und wie, haben die Schüler ihren Zuschauern im randvollen Theatersaal bewiesen. größer Ein kleines Mädchen, Evelin Lewen, kommt herein und spielt mit ihrem Luftballon: "Wie ich heute nur wieder strahle!" ruft sie entzückt in die Menge. "Soll ich nicht zu Ihnen herunterkommen?" Und der geneigte Zuschauer wäre dazu durchaus bereit, trüge der Luftballon nicht dieses eigenartige "Radioaktiv-Zeichen". Beißende Ironie, die sitzt, die aufweckt - und die den Zuschauern etwas zu denken gibt. So sind es zum einen die provokativ geschriebenen Szenen, zum anderen aber auch die visuellen Feuerwerke und Ideen, die dem Stück seine besondere Würze geben. Die professionelle Unterstützung durch Regisseur Andreas Frey, Michaela Knepper (Kostüme/Maske) und Anette Haas (Requisite) vom Dein Theater ist allgegenwärtig. Aber die Schüler machen auch etwas daraus. Franziska Hipp deliriert als zuckender Professor über Gentechnik, dass einem angst und bange wird: Die "Klonierung" diene nur dazu, "die in der Natur vorhandenen Schranken zu überwinden!". Gläser mit Genmaterial werden wie die Würfelbecher bei den Hütchenspielen hin und her geschoben, ein Baum (Meryem Göküzüm) weint sich vor den betroffenen Zuschauern aus und Daniel Kübler spielt keinen geringeren als Gott, den Herrn.

Wie subtil in diesem Stück die Techniken des "nachhaltigen Nachdenklichmachens" sind, beweist folgende Szene: Meryem Göküzüm spielt ein Rednerpult, auf dem Stella Merkel als russische Ölmagnatin eine Rede hält. größer Die Ölmafia spricht davon, wie sehr ihr das Wohl der Menschen am Herzen liegt - und das Rednerpult darunter schneidet die passenden Fratzen dazu. Kompakter kann man die Widersprüche dieser Welt nicht inszenieren. Aber nicht nur die Global Player und Politiker bekommen hier "ihr Fett", nein, jeder Einzelne der Zuschauer erkennt sich wieder, wenn Annette Betz mit Handtäschchen und Handy hektisch in ihr Auto steigt - und emotional richtig abfährt. Alleine die hier kolportierten Autofahrergrüße (Anm. d. Red.: die so LEIDER nicht abgedruckt werden können) waren das Eintrittsgeld wert - und jeder Einzelne hat etwas über sich gelernt und nebenbei seinen Wortschatz erweitert.

"Das Spiel läuft, die Uhr tickt", mahnt der Conférencier, "wer wird am Ende gewinnen?" Die Wetteinsätze werden immer höher, die Situationen immer grotesker, die Engel (René Dittus, Björn Schwirley, Fanny Mentele) mahnen zur Besonnenheit, aber die Gier kennt keine Grenzen. Sie macht nicht einmal bei den Dürstenden halt. Christine Ruoß bettelt einen Brunnenbohrer aus Amerika (Maria Henning) um Wasser an, aber der erklärt ihr nur, was Durst ist: eine Erhöhung der Salzkonzentration im Blut. Ein Sinnbild für die Ignoranz der Industrieländer, die alles zu wissen, aber nichts zu fühlen scheinen. Sogar der Teufel, Sebastian Scholl, führt sich im 21. Jahrhundert Business-mäßig mit Visitenkarte ein und macht klar, warum man den "Faust" heute nicht mehr so lesen kann wie früher: "Von Sonn und Welten weiß ich nichts zu sagen...".

größer Das alles geht nicht spurlos an den Zuschauern vorbei. Nur die Gattung der Groteske wird dieser Welt noch gerecht, die Theatralik nur von der Realität übertroffen. Das ist nicht einfach Schülertheater, das ist ganz großes Kino. Und was machen die Menschen? Versklavt von der Stimme der herrschenden Ordnung arbeiten sie so weiter wie bisher (zu den Klängen von "Baby don't cry", Kompliment auch an die Ton- und Lichtmeister Mario Walter und René Müller). Bis sie entdecken, dass sie eine eigene Stimme haben. Die Darsteller beginnen, aus ihren Rollen zu treten und "einfach den Stecker zu ziehen". Das wurde auch allerhöchste Zeit. Denn die 9-jährige Jana Henning führte in ihrer Gastrolle vor, wie sensibel unser "Spielball Erde" ist. "Nachhaltigkeit ist der erste Weg zur Besserung". Wir können die Welt verändern, aber dann muss auch jeder Einzelne was dafür tun. Der Funke ist in die Sitzreihen übergesprungen, man merkt auch am Beifall: die Botschaft kommt an. "Meine Damen und Herren, das Spiel ist aus!" ruft der Conférencier. Und die Zuschauer atmen erleichtert auf, dass sich dieser Satz nur auf das Stück bezieht.

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Regisseur Andreas Frey

Regisseur Andreas Frey vom DEIN Theater: "Ich habe vorhin zu einem Kollegen gesagt: Man muss sich vorstellen, dass diese Schauspieler tagsüber in ihren weißen Kitteln vor ihren Reagenzgläsern stehen und messen, wiegen, protokollieren. Dann hier abends so zu stehen und Gas zu geben - das ist eine mehr als reife Leistung!"

Wir sind ein Team! "Im Laufe der Theaterarbeit wurde aus anfangs 13 Individualisten ein verschworenes Ensemble", lobte Regisseur Andreas Frey - und die Schüler erfuhren, was gute Teamarbeit zu leisten vermag.

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Das Ensemble rund um den Globus versammelt

Christian Born

 

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