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Heiße Diskussionen zum Thema Klimawandel am Earth Day in Stuttgart
US- Klimaexperte aus Arlington, Virginia zeigt wie lokales Handeln aussehen kann und schildert die Erfolge der neuen "Grassroots"- Bewegung in den USA.
"Wir haben den Mut zur Nachhaltigkeit. Unsere Stadt wird zukunftsfähig", ist das Motto 2008 vom Earth Day in Deutschland. Die Umwelt-Bürgerinitiative ruft damit zur aktiven eigenständigen Zukunftsgestaltung, insbesondere im lokalen Umfeld auf. Earth Day Präsident Thomas Dannenmann sprach anlässlich des Earth Day in Stuttgart am 23. April den Zuhörern Mut zu, sich aktiv um den eigenen ökologischen Fußabdruck zu kümmern: "Denn jeder kann seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten", so- Dannenmann.
"Global Denken, lokal handeln", unter diesem Motto entstand bereits vor 38 Jahren die Bürgerbewegung Earth Day als spontane Studentenaktion in den USA. Mit dem Earth Day sollte dem Washingtoner Establishment und der Öffentlichkeit demonstriert werden, dass es in Nordamerika eine neue Umweltbewegung gab. Wolfgang Flad, Direktor vom Institut Flad erläuterte vor dem vollbesetzten Hörsaal des Instituts am 23. April die Ziele dieser "Grassroots"- Bewegung anlässlich des Earth Day in Stuttgart und betonte die weltweite Bedeutung des Tag der Erde Earth Day heute. Der demokratische Senator Gaylord Nelson aus Wisconsin gab damals im Jahr 1970 am 22. April den Startschuss für den amerikanischen Earth Day, der heute in über 150 Ländern der Erde stattfindet und in Deutschland in einem eigenen gemeinnützigen Komitee organisiert ist.
Wie lokales Handeln heute in den USA aussehen kann, schilderte der Umweltexperte und Buchautor John Morrill aus Arlington, Virginia und stellte die "Arlington Initiative to Reduce Emissions" (Aire) vor, die laut Dr. Bachteler vom Mitorganisator der Tagung, dem F-Byrnes Institut in Stuttgart, nur mit dem Umweltengagement von Einzelnen, wie Morrill möglich werden kann. Er sei die treibende Kraft im Bezirk Arlington, um die Menschen davon zu überzeugen, beispielhaft die Energieeffizienz zu steigern. Morrill habe engagiert mit einem kleinen Stab von Gleichgesinnten dieses regionale Aktionsbündnis 2007 mit dem Ziel gegründet, die Emissionen der Treibhausgase im Bezirk Arlington Jahr für Jahr zu reduzieren und um damit zehn Prozent Reduktion von klimaschädlichen Emissionen bis zum Jahr 2012 zu erreichen.
Statt nach dem politischen Establishment im nahen Washington DC zu schielen, nimmt dieser kleine Landkreis den Klimaschutz in die eigene Hand. Morrill, Energy Manager des Landkreises Arlington im Bundesstaat Virginia und anerkannter Umweltexperte weist auf die Erfolge der neuen Grassroots Bewegung in den USA hin. Die "Arlington Initiative" ist ein engagiertes Umweltprogramm der Bezirksverwaltung,, das sich unter dem Motto "Rock´n Renew" an die Schulen, Freiwillige Helfer, Naturschützer und die lokale Wirtschaft wendet. Treibende Kraft hinter den Umweltinitiativen sei die Nichtregierungsorganisation Sierra Club. Dabei geht der Bezirk mit gutem Beispiel voraus. Emissionen öffentlicher Gebäude sollen bis 2012 um zehn Prozent gesenkt werden. Grüne Gebäude erhalten ein Zertifikat, Erneuerbare Energien wie Windenergie und Solaranlagen werden gefördert, Hybridfahrzeuge und Baumpflanzungen gehören zum ehrgeizigen Programm. Das Wichtigste sei, die Energieeffizienz zu steigern, betonte Morrill. Dafür habe sich der Bezirk einige Vergünstigungen und Anreize zum Handeln pro Umwelt für umweltengagierte Bürger einfallen lassen. Gleichzeitig werden die Effizienz- Programme über einen Umweltfonds, der aus einer geringen Strom- und Gassteuer resultiert, gegenfinanziert. Umwelt und Marketing gehören für Morrill zusammen. Deshalb spricht man in Arlington von einer Verzahnung zwischen Handeln pro Umwelt und wirtschaftlicher Effizienz. Jeder Bürger profitiert von diesem einzigartigen, nachhaltigen (sustainable) Ansatz.
In der überregionalen Presse wie auf dem politischen Parkett im US Senat findet die "Arlington Initiative" inzwischen hohe Anerkennung. Und mit großem Interesse verfolgen nicht nur die angrenzenden großen Landkreise die erfolgreichen Klimaaktionen des Bezirks Arlington. Inzwischen haben sich 28 Landkreise in den USA, die rund 26 Millionen Einwohner repräsentieren, in einem eigenen "Cool Counties" - Bündnis organisiert. Sie werden jetzt mit ehrgeizigen Zielen umweltaktiv. Unter dem Motto "Together we keep the nation cool", wollen die Bezirke ihre klimaschädlichen Emissionen um achtzig Prozent bis zum Jahr 2050 reduzieren.
Dass ein Umdenken in den USA stattfindet, zeige sich auch im Engagement der amerikanischen Städte. Am 16. Februar 2005, anlässlich der Ratifizierung des Kyoto-Protokoll durch 141 Länder der Erde, hatte Greg Nickels, Bürgermeister von Seattle, als Antwort auf die Weigerung zur Anerkennung der Reduktionsziele des Kyoto-Protokoll durch die Regierung in Washington, das Aktionsbündnis "Mayors for Climate Protection" gegründet, in dem mittlerweile 831 Städte mit insgesamt 80 Millionen Einwohnern aktiv sind. Sie wollen erreichen, dass mindestens die Ziele des Kyoto-Protokolls auf lokaler, städtischer Ebene erreicht werden. Bei den Zuhörern stieß Morrills vorbildliche Klimainitiative des Arlington County auf großen Beifall. Gleichzeitig gab es an Hand von Erfahrungsberichten einzelner Teilnehmer erhebliche Kritik an der Zersiedelungspolitik vieler Regionen in den USA. Auch die gleichgültige Haltung amerikanischer Bürger zum Thema Mülltrennung und Recycling wurde diskutiert. Der desolate Zustand der öffentlichen Verkehrsmittel in weiten Teilen der USA war ein weiteres Diskussionsthema.
Auf die Frage welche Klimapolitik von den jetzigen Präsidentschaftsanwärtern zu erwarten ist, gab sich Morrill hoffnungsfroh. Er betonte, dass alle Anwärter den Themen Umwelt und zugleich wirtschaftlicher Entwicklung Priorität einräumen. Das Engagement pro Umwelt wachse unter der Bevölkerung in den USA von Tag zu Tag. John Morrill wies auf die schnellen Fortschritte eines neuen amerikanischen Lifestyle-Trends zu Gesundheit, Wellness, Umwelt und Nachhaltigkeit hin. Immer mehr amerikanische Bürger verstehen unter nachhaltigem Leben- schon aus Eigeninteresse- den Gleichklang eines erstrebenswertem Lebensstandard mit dem schonenden, klimafreundlichen Umgang mit der Umwelt.
Thomas Dannenmann
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