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Benzolring-Archiv aktuelle Rubrik

Musik im Gespräch
Konzertreihe mit Roland Heuer

Mehr als nur ein Menuett: Kammermusik von Boccherini
Ein großartiger Konzertabend im Theaterkeller des Instituts Dr. Flad

Freitag, 30. Mai 2008

"Wollte Gott zu den Menschen in Musik sprechen, so täte er es mit den Werken Haydns; doch wenn er selbst Musik hören wollte, würde er sich für Boccherini entscheiden" postulierte der Pariser Musikkenner Jean Baptiste Cartier schon 1798 und spricht damit bis heute allen Liebhabern des spätbarocken Meisters aus dem Herzen. Der 1743 in Lucca geborene Boccherini machte sich schon als Jugendlicher einen Namen als Cellist, vervollkommnete auch seine kompositorischen Fertigkeiten in Rom, begab sich 1757 ans Wiener Hoftheater, wo er nicht nur Glucks Beifall haben sollte, in Paris erschienen seine frühen Sonaten erstmals im Druck, 1769 schließlich ließ er sich in Madrid dauerhaft nieder, um ein Jahr später Kammerkomponist des Infanten zu werden. In dieser Zeit entstand das erste Werk des Abends, das Streichquintett E-Dur op. 13 Nr. 5, welches seine kurzweilige Lebendigkeit aus der gekonnt ohrenschmeichlerischen Aufmachung eingängiger Themen bezieht. Ganz geistreich in diesem Sinne machten sich die Asperger Kammersolisten, Roland Heuer, Ikuko Nishida-Heuer (Violine), Axel Breuch (Viola), Jürgen Gerrlinger und Joachim Hess (Violoncello) ans Werk. Überaus galant erscheint der erste Satz, in gedämpfter Stimmung verflechten sich kunstvoll Motive und Stimmen, besonders virtuos zeigten sich die konzertierenden Celli, deren feinperligen Figurationen in großartiger Plastizität erklangen.

Das Allegro wirkte leicht aufbrausend, in launischem Überschwang, in der thematischen Qualität eher harmlos, jedoch mit spürbarer Spielfreude dargeboten. Dem folgte das Minuetto, welches untrennbar mit dem Namen seines Schöpfers verbunden, ja, aufgrund seiner großen Beliebtheit fast schon zum Synonym geworden ist. Es bestach durch seine zarte, feinsinnig ausgelebte Heiterkeit, der Transparenz des Satzes, welche nicht zuletzt den trefflich ausgeführten Pizzicati zu verdanken war. Entzückend melodiös, sehr sanglich und bisweilen sogar kapriziös wusste das vielgestaltige Rondo für sich einzunehmen, besonders beeindruckten die glanzvollen Akzente.

In prachtvoller Manier begann auch das Allegro des nun folgenden C-Dur Quintetts, wie es für den Auftraggeber der 1798 entstandenen Transkription mit dem Beinamen "La Ritirata die Madrid", den gitarrenverliebten Marquis de Benaventa, nur angemessen gewesen sein dürfte. Es offenbart sich schon in den ersten Takten der hohe technische Anspruch des Werkes, es entspinnt sich ein fein abgestuftes Spiel mit verschiedenen Nuancen, die sich abwechslungsreich ergänzen. Das Andantino geriet als geschmackvolles Intermezzo, bevor das Allegretto vor allem durch die stupende Fingerfertigkeit des Gitarristen Stefan Koch-Roos eindrückliche Passagen vollkommensten Musizierens aufzubieten wusste. Ausgeklügelt effektvoll dann der Schlusssatz, der schon regelrecht Züge veritabler Programmmusik trägt und so dem Opus zu seinem Namen verholfen hat: Unendlich gefühlvoll, fragil beginnt das zarte Spiel, von ferne rückt die Wachkompagnie heran, steigert sich in Lautstärke und Klangintensität, um am Zuhörer mit einen Marsch in fulminantem Getöse, mitsamt Trommelwirbel, in ekstatischer Opulenz vorüberzuziehen. Sodann verflüchtigt sich der pompös-martialische Eindruck rasch wieder, die Soldaten ziehen weiter, mit großer Eleganz, geradezu delikat verklingen sanft die letzten Töne.

Beifall brandet auf, es folgt ein großartiger, wohlverdienter Applaus für die Asperger Kammersolisten, welche wieder einen Konzertabend im Theaterkeller mit hinreißender, bezaubernder, kompositorisch anspruchsvoller und vor allem auch höchst unterhaltsamer Musik zu gestalten wussten.

Martin R. Handschuh

 

30. Mai 2008: "La Ritirata di Madrid"

Bilder zum 30. Mai 2008

Konzertreihe "Musik im Gespräch" im Theaterkeller des Instituts