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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

"Goethe - Der Manager"

Vortrag von Herrn Prof. Dr. Georg Schwedt, Universität Bonn

am 6. März 2009 im Institut Dr. Flad

» Bilder und Bericht zum Vortrag

Johann Wolfgang von Goethe war nicht nur Dichter, Theaterleiter, Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker und Staatsmann. Zusätzlich war er das, was man heute als Manager, Entrepreneur, Networker oder Geschäftsmann bezeichnen würde. Professor Georg Schwedt zeigte in seinem Vortrag dieses Verhalten unterhaltsam auf.

 

"Goethe - Der Manager" von Georg Schwedt, erschienen im Wiley-VCH Verlag
(ISBN-13: 978-3527503698)

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Goethe als Zeitmanager
Prof. Schwedt erteilt eine Deutschstunde der besonderen Art

Prof. Georg Schwedt ist häufig zu Gast im Institut. Dabei haben ihn Schüler und Dozenten als engagierten Chemiker erlebt. Er konzipierte und verbreitete das SuperLab, betreut seit Jahren Projektarbeiten der angehenden CTAs und hält regelmäßig Experimentalvorlesungen.

Dass er auch ein ausgewiesener Goethe-Experte ist, bewies er bei seinem letzten Besuch. Weder die Chemie im Allgemeinen noch die Alltagschemie im Besonderen standen auf dem Stundenplan, sondern Deutsch mit dem Thema "Goethe als Zeitmanager".

Wie kommt ein Professor der Chemie dazu, sich seit Jahrzehnten intensiv mit dem Geheimen Rat zu beschäftigen und über ihn kenntnisreiche Bücher zu verfassen?
Es ist eine alte Liebe, die da so offensichtlich bis heute lodert. Nach dem Abitur stand Prof. Schwedt vor der entscheidenden Frage: Chemie oder Germanistik? Sein verehrter Deutschlehrer riet ihm, es doch eher mit der Chemie zu versuchen, ohne Goethe zu vernachlässigen. Goethe und die Naturwissenschaften schließen sich nicht aus, ganz im Gegenteil: Der weltbekannte Dichter schätzte seine naturwissenschaftlichen Fähigkeiten sehr hoch ein. Nicht genug damit - Goethe war ein Multitalent. Neben der Schriftstellerei und der Beschäftigung mit den Naturwissenschaften war er gleichzeitig Theaterdirektor, Bibliotheksleiter, Kunstkritiker und "Manager" am Weimarer Hof. Er fungierte dort als eine Art Finanzminister, leitete diverse Kommissionen und war von morgens bis abends eingespannt.

Heute beklagen sich viele über Zeitmangel bzw. über Zeitdruck. Da stellt sich die Frage , wie es Goethe schaffte, so viele unterschiedliche Funktionen unter einen Hut zu bringen, ohne sich dabei zu verzetteln, sondern höchst erfolgreich zu agieren?

Die Lesung von Prof. Schwedt gab eine Antwort. Goethe beherrschte ein perfektes Zeitmanagement. Einerseits war er von der Arbeit geradezu besessen, andererseits "geizte" er mit der ihm zur Verfügung stehenden Zeit. Darin könnte er für diejenigen Vorbild sein, die meinen , ihnen laufe die Zeit davon.

Wie muss man sich Goethes "Zeitgeiz" vorstellen?

  1. Jeder Tag wird strukturiert

    • Goethe stand um sechs Uhr auf, frühstückte und arbeitete bis 10 Uhr; evtl. empfing er anschließend Gäste und nahm das Mittagessen ein, bevor er sich wieder an die Arbeit machte. Zwischen 21 und 22 Uhr ging er ins Bett.

    • Er benötigte eine optimale Arbeitsvorbereitung. Bevor er sich an das eigentliche Werk machte, musste alles dafür Notwendige bereit liegen. Unterlagen und Bücher wurden vorab besorgt, damit keine Verzögerungen auftraten.

    • Goethe arbeitete mit klarem Kopf. Er konzentrierte sich auf das Wesentliche, ordnete seine Gedanken, sodass es ihm möglich war, seinem Schreiber druckreif zu diktieren.

  2. Das Schreiben wird "gemanagt"

    • Er entwickelte spezielle Techniken, was das systematische Sammeln und Verwalten von Unterlagen und Materialien betraf. Kurz gesagt: Er war ein auf Ordnung bedachter Mensch.

    • Für seine Diktate verwendete er Textbausteine, was seinen Arbeitsstil immens rationalisierte.

    • Papier war rar und teuer. Goethe dachte ökonomisch bzw. nachhaltig: Überschüssiges Material wurde nicht entsorgt, sondern zu Notizzetteln zerschnitten und weiterverwendet.

    • Nur engste Vertraute hatten Zutritt zu Goethes Arbeitszimmer. Ruhe und Konzentration waren somit gewährleistet.

  3. Goethe fordert und fördert gezielt Mitarbeiter

    • Aus heutiger Sicht war Goethe ein sehr erfolgreicher Personalmanager. Diener und Gehilfen setzte er auch als Schreiber, Reisebegleiter, Gesprächspartner und Rechnungsführer ein.

    • Er war zudem ein begnadeter "Netzwerker". Es wurde ein offenes Haus geführt, zahlreiche Besucher empfangen und Kontakte zu Unternehmern gepflegt. Daneben führte Goethe eine intensive Korrespondenz. Nicht nur mit den Dichterkollegen erfolgte ein reger Gedankenaustausch, sondern auch mit Kaufleuten, Bankiers, Politikern und Wissenschaftlern. Deren Sachverstand konnte er somit in seine vielfältigen und anspruchsvollen Funktionen einfließen lassen: Qualitäten, die gutes Management auszeichnen!

Überhaupt, so Prof. Schwedt, sei Goethe der Urvater unserer Topmanager. Er bewältigte sein großes Arbeitspensum wegen seines guten Zeitmanagements. Für manchen gestressten Zeitgenossen kann Goethe ein Vorbild sein!

Zur Lektüre empfohlen: Georg Schwedt, Goethe - Der Manager, Wiley-VCH Verlag, Weinheim, 2009

Angela Schmitt-Bucher