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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

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Die Rolle von CO2 in der Atmosphäre und im Meer

Prof. Dr. Mojib Latif, Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel (IFM-GEOMAR)

Dienstag, 29. September 2009, 14.00 Uhr
Vortrag an der Universität Stuttgart (Vaihingen), Kekulé-Hörsaal (V 55.02)

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Die Rolle von CO2 in der Atmosphäre und im Meer

Kalkalge Calcidiscus leptoporus
Fotos: Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR)

Die Rolle von CO2 in der Atmosphäre und im Meer

Trotz seines Geburtstages und eines engen Zeitplans hatte Professor Dr. Mojib Latif von der Universität Kiel die Zeit gefunden, den zahlreichen Gästen der 14. Stuttgarter Chemietagen die Rolle des CO2 in der Atmosphäre und im Meer zu verdeutlichen.

Sehr anschaulich brachte er den Zuhörern die Themen näher, wie z. B. anthropogene CO2-Emissionen - wo kommen sie her, weshalb ist CO2 in der Atmosphäre ein Problem und welche Klimaänderungen haben wir zu erwarten? Während seines Vortrages lag ihm jedoch besonders die Problematik der Meeresversauerung, verursacht durch die Speicherung des CO2 in den Weltmeeren, am Herzen.

48% des anthropogenen CO2 werden so vom Meer aufgenommen und der bereits sinkende pH-Wert lässt sich jetzt schon messen. Sehr eindringlich wies er darauf hin, dass man diese Auswirkungen der Meeresversauerung nicht unterschätzen sollte. Es wäre eine "tickende Zeitbombe".

Der Abschluss des Vortrages bestand aus einem Ausblick in die Zukunft. Professor Latif betonte, dass hier nur verschiedene Projektionen erstellt und keine genaue Vorhersagen gemacht werden könnten.

Nach diesem Vortrag hatte sicher jeder Zuhörer etwas Neues über diese Umweltproblematik gelernt und Professor Latif hat mit seinem überzeugenden Vortrag wohl den Einen oder Anderen zum Nachdenken angeregt.

Giovanna Cerchia und Manuela Schinko, LG 59

 

Beim dritten Vortrag der 14. Stuttgarter Chemietage konnten Schüler, Studenten, Lehrer und Interessierte Prof. Dr. Mojib Latif von der Universität Kiel (IFM-GEOMAR) hören, der Die Rolle von CO2 in der Atmosphäre und im Meer erläuterte. Der Träger nationaler und internationaler Auszeichnungen promovierte und habilitierte in Hamburg und ist ein bekannter Klimaforscher.

Latif charakterisierte das Wetter zu Beginn seines Vortrages als chaotisch und ständig wechselnd, was er anhand von Wetteranimationskarten verdeutlichte und machte damit den Unterschied zwischen Wetter und Klima deutlich. Das Wetter ist nie länger als 14 Tage vorhersagbar. Trotzdem sind äußere Rahmenbedingungen vorhanden, wie z.B. die jahreszeitliche Sonnenstandsveränderung und die jahreszeitliche Temperaturveränderung, durch die allgemeine Klimavorhersagen möglich werden.

Zu diesen äußeren Rahmenbedingungen zählen auch der Aufbau der Atmosphäre und die in der Atmosphäre enthaltenen Spurengase. Die Atmosphäre enthält einen natürlichen CO2-Gehalt von 0,038%, die zusammen mit den anderen Spurengasen und Wasserdampf für den natürlichen Treibhauseffekt verantwortlich sind und damit angenehme Temperaturen auf der Erde erst ermöglichen. Ohne diesen natürlichen Treibhauseffekt läge die Durchschnittstemperatur etwa 15°C niedriger.

Anhand von Diagrammen zeigte Prof. Dr. Latif nun die drastische Erhöhung der Treibhausgase Kohlenstoffdioxid, Methan und Lachgas in der Atmosphäre in den letzten 20 Jahren und stellte auch eine Beziehung zwischen Gasanstieg und Anstieg der Durchschnittstemperatur auf der Nordhalbkugel in den letzten Jahren her.

Den Anstieg der Treibhausgase führte Latif auf die ansteigenden, energiebedingten anthropogenen CO2-Emissionen seit 1990, sowie auf die Zerstörung der Regenwälder zurück. Die hohen CO2-Emissionen bilden hier das "größte" Problem, da sie ¾ der gesamten Treibhausgas-Emissionen bilden.

So erläuterte Prof. Dr. Latif, welche klimatischen Veränderungen bereits zu verzeichnen sind und welche Folgen diese Veränderungen zeigen. Er nannte die globale Temperaturzunahme seit 1900 um +0,7°C, wobei hier 0,5°C auf menschliches Handeln zurückzuführen sind. Das führte zum Rückgang des Arktiseises, wodurch auch verschiedene Tierarten in ihrem Lebensraum bedroht sind. Zudem erwähnte er das Schmelzen des Grönlandeises, wodurch der Meeresspiegel steigt.

Latif wies jedoch auch darauf hin, dass durch die thermische Ausdehnung des Wassers der Meeresspiegel zusätzlich steigt und dass auch bedacht werden muss, dass die Temperatur nie konstant ansteigen werde, sondern dass immer natürliche Schwankungen zu erwarten seien.

Dann sprach Latif das große Problem der Meeresversauerung an, welches dadurch entstand, dass zwischen 1800 und1994 50% des anthropogenen CO2 vom Meer aufgenommen wurden. Durch den natürlichen Kohlenstoffdioxidkreislauf werden 25% des CO2 aus der Luft, lokal unterschiedlich stark, aufgenommen. Im Ökosystem Meer herrscht jedoch wenig Toleranz und so findet die Versauerung durch Emissionen, Erwärmung und Verschmutzung weiter statt.

Nach diesen aufgezeigten großen Klima- und Umweltproblemen kam Prof. Dr. Latif zuletzt auf Zukunftsprojektionen zu sprechen. Er erläuterte den "worst case", der bis 2100 einen globalen mittleren Temperaturanstieg von 3,5 Grad Celsius und einen Meeresspiegelanstieg von einem Meter innerhalb derselben Zeit bedeuten würde. Außerdem würde die Versauerung des Meeres dazu führen, dass Korallen, Schalentiere und Mikoorganismen des Meeres, und damit der Anfang der Nahrungskette für höhere Tiere, aussterben würden. Mit Latif kam das Publikum zum Ergebnis, dass es diesen "worst case" zu verhindern gilt und dass dringend weitere Umweltschutzmaßnahmen nötig sind! Ein wichtiges Treffen hierfür ist für ihn, und eigentlich für uns alle, die UN-Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember 09.

Christine Weber

 

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