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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

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Fritz Haber - Clara Immerwahr. Was lehrt uns die Geschichte?

Prof. Dr. Gudrun Kammasch, Beuth Hochschule für Technik Berlin (THF Berlin)

Mittwoch, 30. September 2009, 14.00 Uhr
Vortrag am Institut Dr. Flad, Großer Hörsaal

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» Vortragsfolien (PDF, 1,3 MB)

Fritz Haber - Clara Immerwahr. Was lehrt uns die Geschichte?

Fritz Haber - Clara Immerwahr. Was lehrt uns die Geschichte?

Fritz Haber - Clara Immerwahr
Was lehrt uns die Geschichte?

"Der Gelehrte gehört im Kriege wie jedermann seinem Vaterland, im Frieden gehört er der Menschheit" (Fritz Haber). "Die große Schuld des Menschen sind nicht die Sünden, die er begeht - die Versuchung ist mächtig und seine Kraft gering - die große Schuld des Menschen ist, dass er in jedem Augenblick die Umkehr tun kann und nicht tut" (Martin Buber).

Dies sind nur zwei von vielen Zitaten mit denen Prof. Dr. Gudrun Kammasch am 30.09.2009, am zweiten Tag der 14. Stuttgarter Chemietage im Institut Dr. Flad die unterschiedlichen Meinungen zu den Giftgasforschungen von Fritz Haber während des ersten Weltkrieges vorstellte und zeigte, dass Wissenschaft und Forschung eng mit ethischem Denken zusammenhängen. Die Fehler der Vergangenheit dürfen nicht ignoriert werden. Wir sollten sie in Erinnerung behalten und sie nicht wiederholen, sondern aus ihnen lernen.

Prof. Dr. Gudrun Kammasch beginnt ihren Vortrag mit dem Tod von Clara Immerwahr, Habers ersten Frau. Sie erschoss sich 1915 im Garten ihrer Villa mit der Dienstwaffe ihres Mannes während dieser in Ypern erfolgreich einen Giftgaseinsatz leitete. Haber war davon wenig beeindruckt und fuhr am selben Tag zu weiteren Giftgaseinsätzen.
Mit dem Giftgaseinsatz in Ypern verstieß Haber gegen die Haager Konvention und galt nach dem Krieg als Kriegsverbrecher.

Prof. Dr. Gudrun Kammasch ging auf die unterschiedlichen Familienverhältnisse der Eheleute Haber ein. Während Haber selbst ohne Mutter aufgewachsen ist und durch seinen Vater wenig emotionalen Rückhalt hatte, wuchs Clara Immerwahr in einer warmherzigen Familie auf. Durch die ihr vermittelten Grundsätze war sie nicht gewillt, ihren Mann in seinem Handeln zu unterstützen. Es kam zu einem Spannungsfeld zwischen Kind (Hermann), Ehe und ihren fachlichen Neigungen.
Während Haber immer mehr Erfolg hatte, wurde seine Frau immer unzufriedener, bis sie sich schließlich selbst tötete.

Nach ihrem Tod heiratet Haber ein zweites mal. Nach dem Krieg wurde er Leiter der Reichskommission für Schädlingsbekämpfung. 1918 erhielt Haber den Nobelpreis für die Ammoniaksynthese, obwohl er als Kriegsverbrecher galt. Die anderen Preisträger blieben der Verleihung fern.

Nachdem die Nationalsozialisten den Arierparagraphen eingeführt hatten verlässt Haber 1933 das Kaiser-Wilhelm Institut, dass er seit 1911 leitete. Er starb 1934 in Basel auf dem Weg nach Cambridge.

Björn Plath und Erich-Dirk Göllner, LG 59

Fritz Haber - Clara Immerwahr
Was lehrt uns die Geschichte?

Frau Prof. Dr. Gudrun Kammasch von der Beuth Hochschule für Technik Berlin begann ihren Vortrag mit der Todesanzeige von Clara Immerwahr. Aus der Todesanzeige ist zu lesen, dass Clara Immerwahr am 2.5.1915 eines plötzlichen Todes starb und ihr Mann Fritz Haber zu dieser Zeit im 1. Weltkrieg an der Front mitwirkte. Immerwahr wollte damals eingeäschert werden, was für diese Zeit sehr freidenkerisch war. Frau Prof. Dr. Kammasch klärte die Zuhörer auf, dass Clara Immerwahr sich in Berlin erschoss, nachdem ihr Mann einen Tag zuvor zum Hauptmann befördert worden war. Somit deutete Frau Prof. Kammasch schon zu Beginn den Konflikt der beiden Eheleute an.

Haber war 1915 in Ypern an dem ersten Giftgasangriff mit Chlorgas in verantwortlicher Stellung beteiligt, bei dem 5000 Engländer und Franzosen starben. Bei diesem Stellungskrieg sollten die festgefahrenen Fronten durch Lost und Chlorgas, in Bewegung gesetzt werden, was einem Bruch der Haager Konventionen entsprach.

Haber war der Meinung "im Kriege gehört der Wissenschaftler dem Vaterland, im Frieden der Menschheit". Hier zeigt sich die Janusköpfigkeit des großen Chemikers und späteren Nobelpreisträgers. Seine Frau Clara ist zu einer ganz anderen Überzeugung gelangt. Sie mochte nicht lehren, was nicht ihrer eigenen Überzeugung entsprach. Die "Perversion der Wissenschaft", sah sie als "Zeichen der Barbarei" und die Disziplin korrumpierend, welche die Menschheit voranbringen soll. Immerwahr vertrat die Gedanken von Bertha von Suttner und anderen Kollegen, wie Staudinger, Born und Hahn, die nie zuvor mögliche Massenvernichtungen ablehnten. So wurde auch der pazifistische Gedanke der Frauen dieser Zeit betont, welcher Arbeit für Frieden trotz Selbstgefährdung bedeutete.

Dem folgend sprach Frau Prof. Dr. Kammasch über die Biografien von Immerwahr und Haber. Immerwahr wuchs in einer jüdischen, sehr liebevollen und warmherzigen Familie auf. Ihr Vater war Chemiker und sie selbst studierte Chemie und promovierte. Sie wurde als Breslaus erstes Fräulein Doktor bezeichnet.

Fritz Haber, ebenfalls jüdischer Abstammung, wuchs alleine bei seinem gefühlsarmen Vater, der ebenfalls Chemiker war, auf. Seine Mutter war bei seiner Geburt verstorben. Nach seinem Chemiestudium war er zunächst Assistent in Karlsruhe. Als Soldat und Jude konnte er nicht einen Offiziersrang erreichen. Nachdem er zum Christentum konvertierte, erhielt er den Rang eines Hauptmanns. 1898 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt und 1906 als ordentlicher Professor an das Kaiser-Wilhelm-Institut nach Berlin berufen. Seine Hauptarbeitsgebiete waren die Thermodynamik technischer Gasreaktionen und die synthetische Darstellung von Ammoniak zur Herstellung von Düngemitteln und Sprengstoff.

1901 heiratete er Clara Immerwahr, die ihm 1902 einen Sohn gebar. Doch schon nach kurzer Zeit führten sie eine unglückliche Ehe und vor allem Clara fühlte sich durch Habers Rastlosigkeit und ihm als einen "erdrückenden" Ehemann unzufrieden und zugrunde gerichtet. So äußerte sie mehrfach, "neben Fritz geht jede Natur zugrunde". Je erfolgreicher er seiner Karriere folgte, umso stärker litt seine Frau. Ihr war die berufliche Tätigkeit am Institut verwehrt und so konnte sie ihre Kenntnisse nur in Arbeiter-Bildungsvereinen weitergeben. Das Spannungsfeld zwischen Ehe, Kind und fachlichen Neigungen machte sie immer wieder auch zu einer kränkelnden Person, während ihr Mann zu dieser Zeit seine Glanzzeit in Karlsruhe erlebte und in einer engen Beziehung zur BASF stand.

Zu Beginn des 1. Weltkrieges machte er Versuche mit Phosgen und Chlorgas, was ihn dann auch zum Vater der Giftgasproduktion werden ließ. Diese Spannung zwischen der Tätigkeit ihres Mannes und ihrem eigenen Gewissen war für Clara Immerwahr nicht mehr auszuhalten und sie erschoss sich 1915 mit der Dienstwaffe ihres Mannes, während dieser im Krieg an der Front war.
Die Karriere Habers ging trotz allem weiter und 1918 bekam er sogar den Nobelpreis zugesprochen.

Was lehrt uns aber die Geschichte und wie können wir den Frieden im Geist der Menschen verankern?

Diese Frage darf bei der ganzen Begeisterung für die Naturwissenschaften niemals aus den Augen verloren werden und muss immer wieder Grundlage einer Diskussion sein.

Christine Weber

 

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