Institut Dr. Flad - Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt - CTA, UTA, PTA

 
 
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« 14. Stuttgarter Chemietage - zurück zur Übersicht

Donnerstag, 1. Oktober 2009, 11.30 Uhr
Vortrag am Institut Dr. Flad, Großer Hörsaal

Apl. Prof. Eberhard Ehlers
Institut für Pharmazeutische Chemie, Goethe-Universität Frankfurt

Die Natur als Vorbild - Isolierung von Arzneistoffen aus natürlichen Quellen

» Bilder zum Vortrag
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» Vortragsfolien (PDF, 2,5 MB)

Die Natur als Vorbild - Isolierung von Arzneistoffen aus natürlichen Quellen

Die Natur als Vorbild - Isolierung von Arzneistoffen aus natürlichen Quellen

"Zukunft Chemie", so lautet das Motto der 14. Stuttgarter Chemietage. Bevor Prof. Eberhard Ehlers erläuterte, weshalb die Bio- bzw. Gentechnik zukünftig noch mehr Bedeutung für die Entwicklung pharmazeutischer Wirkstoffe gewinnen wird, erinnerte Schulleiter Wolfgang Flad an die Gründung der Schule.

Am 1.Oktober 1951, vor genau 58 Jahren, gründete sein Vater, Dr. Manfred Flad, mit einem Startkapital von 300 DM das Institut Dr. Flad. Dreißig Schüler, viele vom Krieg gezeichnet, wurden mit dem Ziel unterrichtet, dass die Absolventen einen sicheren Arbeitsplatz in der aufstrebenden Chemiebranche finden.

Heute, knapp sechs Jahrzehnte später, werden neben Chemisch-technischen Assistenten auch Pharmazeutisch-technische Assistenten ausgebildet und seit Jahren ist der Schwerpunkt Biotechnologie fest am Institut etabliert. Man ist also für die Zukunft gerüstet.

Dass sowohl die Biotechnologie als auch die Gentechnologie noch größeren Stellenwert für die Pharmazie bekommen, davon ist Prof. Ehlers überzeugt. Die Biotechnologie ist die Wissenschaft von den Methoden und Verfahren, die zur technischen Nutzbarmachung biologischer Prozesse eingesetzt werden. Neben mikrobiologischen und biochemischen Methoden rücken zunehmend gentechnische wie Zellfusion, Genvervielfältigung, ...in den Mittelpunkt, zumal sie ökonomisch als auch ökologisch nachhaltige Verfahren sind. Für angehende CTA und PTA bietet dieser Zweig eine interessante berufliche Perspektive bzw. Alternative zu den bisherigen klassischen Tätigkeitsfeldern in der großtechnischen Produktion.

Zu Beginn seiner Ausführungen nahm Prof. Ehlers seine Zuhörer mit auf eine Reise in die Natur, denn diese fungiert als eine Art "Blaupause" für die modernen Verfahren. Die Natur dient als Ideengeber, die Gentechniker "kupfern" sie quasi ab. Die Zelle selbst wird als chemische Fabrik betrachtet, Wirkstoffe werden produziert.

Bereits Hildegard von Bingen (1098-1179) kannte die Wirksamkeit von über 500 verschiedenen Arzneipflanzen. Aber: keine Wirkung ohne Nebenwirkung! Am Beispiel von Morphin, Cocain und Belladonna erläuterte der Referent sowohl das Segensreiche der Stoffe als auch ihre Schattenseite wie Sucht, Fruchtschädigung....

Hier setzen die neuen Technologien gezielt an, indem sie eine "Korrektur" vornehmen: Gewünschte Leitsubstanzen werden isoliert, unerwünschte ausgesondert. Somit werden gentechnisch veränderte Zellen zu Produktionsstätten für Biopharmaka. Exemplarisch demonstrierte dies Prof. Ehlers an der Gewinnung von Humaninsulin.

Rund 6% der Weltbevölkerung, acht Millionen in der BRD, leiden an Diabetes. Das Insulin, das sie benötigen, stammt aus tierischen Zellen. Der Jahresbedarf eines Diabetikers entspricht ca. 36 geschlachteten Schweinen. Weltweit wird pro Jahr ein Bedarf von zehn Tonnen Insulin prognostiziert. Dass die chemische Totalsynthese viel zu teuer und zu aufwändig ist, liegt auf der Hand. Deshalb bietet sich der Einsatz der Gentechnik geradezu an. Die Natur selbst bildet das Vorbild für die gentechnische Herstellung von Humaninsulin. Ihre "Sprache" ist sehr einfach, sie besteht aus lediglich vier Buchstaben, dem genetischen Code.

Abschließend stellte der Referent die Chromatographie als eine der Schlüsseltechnologien bei der Herstellung von Humaninsulin vor.

Unabhängig davon, ob man selbst Befürworter oder Gegner der weißen, roten oder grünen Gentechnologie ist - aus der Sicht von Prof. Ehlers gehört ihr wegen materieller, zeitlicher und finanzieller Vorteile gegenüber herkömmlichen großtechnischen Verfahren die Zukunft.

Angela Schmitt-Bucher

 

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