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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

Vortrag von Peter Spiegel: "Global Impact - Der neue Weg zur globalen Verantwortung"

2. Mai 2011 im Institut Dr. Flad

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Am ersten Schultag nach den Osterferien stellte der Referent Peter Spiegel interessante Handlungsanleitungen vor, wie den immensen Herausforderungen einer globalisierten Welt begegnet werden kann. Peter Spiegel besuchte das Institut Dr. Flad bereits zum zweiten Mal. Als Leiter des Genesis Institute for Social Business and Impact Strategies und früherer Generalsekretär des Club of Budapest beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit der Thematik, wie weltweit Frieden, Wohlstand und Freiheit erreicht werden können. In bewusster Anlehnung an den nach dem Zweiten Weltkrieg in Stuttgart verkündeten Marshall Plan riefen u.a. Peter Spiegel und Franz Josef Radermacher in der "Stuttgarter Erklärung" vom Oktober 2003 zu einem neuen "GIobal Marshall Plan" auf. Politisches Handeln muss sich weltweit an Gemeinwohlinteressen orientieren, anstatt sich von mächtigen, an Gewinnmaximierung orientierten Lobbyisten unter Druck setzen zu lassen.

"Es gibt nichts Gutes, außer man tut es": Zurecht leitete Schulleiter Wolfgang Flad den Vortrag von Peter Spiegel mit einem Zitat von Erich Kästner ein. Denn wie ein roter Faden durchzogen das Referat gelungene Beispiele nachhaltigen wirtschaftlichen Handelns. Der Schlüssel hierzu liegt im Social Business. Der Ökonom Muhammad Yunus aus Bangladesch ist Vordenker dieser Art des Wirtschaftens. Er wurde 2006 für seine wegweisenden Ideen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Yunus definiert Social Business folgendermaßen: "Social Business" bezeichnet Unternehmen, deren alleiniger Gründungs- und Unternehmenszweck die Lösung eines gesellschaftlichen Problems ist, sei es in den Bereichen Armutsüberwindung, Zugang zu sauberem Wasser, zu gesunder Ernährung, zu nachhaltiger Energie, zu grundlegenden Gesundheitsdienstleistungen oder zu grundlegender Bildung. Dies bedeutet: Diese Art von Unternehmen ist nicht auf Profitmaximierung ausgerichtet, sondern allein auf "Social Profit", also gesellschaftlichen Nutzen. (Zitat entnommen aus: Franz Josef Radermacher, Marianne Obermüller, Peter Spiegel: "GIobal lmpact", München, 2009, S.118)

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Der Friedensnobelpreisträger gilt als Erfinder des Mikrofinanzwesens. Sein Heimatland Bangladesch ist eine der ärmsten Nationen. Die meisten Bewohner haben aufgrund fehlender Sicherheiten keine Möglichkeit, einen regulären Bankkredit zu bekommen. Hier setzt die von Yunus gegründete Grameen Bank an. Diese Bank vergibt ohne den Nachweis von Sicherheiten Kleinkredite. Für viele Kunden, überwiegend Frauen, ist dies die erste Chance überhaupt, um der Armutsspirale zu entkommen. Und diese Chance wird genutzt: Die Familien von acht Millionen Kreditnehmern haben durchschnittlich je fünf Mitglieder. Also profitieren an die vierzig Millionen Menschen von diesen Krediten, die zudem zu 99% zurückgezahlt werden. Es findet ein Wachstum von "unten" statt, da eine eigenständige Wertschöpfung erfolgt. Die Wucherer gehen leer aus. Das Gefühl, Almosenempfänger zu sein, schwindet mit dem Aufbau einer Existenz.

Als zweites überzeugendes Social Business Projekt stellte Peter Spiegel das "SoIar Home System" vor. Herkömmliche Energie ist für die ärmsten der Armen in Bangladesch unerschwinglich; sie müssen sich vorsintflutlich mit Kerzen und offenem Kerosin begnügen. Eine echte Alternative hierzu sind Solaranlagen. Durch einfache, aber effiziente Technik hat sich die Anlage nach zwei bis drei Jahren amortisiert und liefert fortan kostenlos Strom. Bis 2015 werden voraussichtlich mehr als fünf Millionen Solaranlagen installiert sein.

Dass auch für global agierende Konzerne Social Business interessant sein kann, zeigt das dritte vorgestellte Beispiel. Der Joghurthersteller Danone wollte Muhammad Yunus eine Million Euro spenden. Yunus lehnte dankend ab. Sinnvoller erschien ihm die Gründung eines gemeinsamen Unternehmens, das Joghurt produziert, welcher den Bedürfnissen von Mangelernährten gerecht wird. Danone profitiert von diesem Joint Venture in mehrfacher Hinsicht: Das Image verbessert sich, gleichzeitig wird der gigantische asiatische Markt mit innovativen Produkten erschlossen.

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Der indische Ökonom C.K. Prahalad geht davon aus, dass die Global Players, die weltweit agierenden Konzerne, radikal umdenken müssen. Bedienten sie bisher die Nachfrage wohlhabender Länder, gilt es zukünftig, sich auf die Nachfrage der Menschen einzustellen, die nur eine geringe Kaufkraft haben. Das heißt, die Produkte müssen kostengünstig sein, eine lange Lebensdauer haben und möglichst wartungsfrei sein.

"Viele Ideen sind obersimpel, sie müssen allerdings in die Tat umgesetzt werden", so Peter Spiegel. Das hat ein indischer Augenarzt vorgemacht. Allein in Indien leben ca. 15 Millionen Menschen, die am grauen Star erkrankt sind. Die meisten von ihnen könnten sich eine herkömmliche Operation nicht leisten. Der Arzt begab sich deshalb auf einen innovativen Weg. Durch die Delegation der Operationsvorbereitung und der Nachsorge an Helfer in den Dörfern können sich die Fachärzte auf ihr eigentliches Geschäft, den Eingriff am Auge, konzentrieren. Den Aravind-Kliniken gelang es, auch durch technische Erneuerungen, die Kosten einer Staroperation um 95% zu senken und das bei einer Qualität, die Weltruhm genießt.

Anschließend an das Referat hatten die Schüler Gelegenheit, Fragen an Peter Spiegel zu stellen. Auch Schulleiter Wolfgang Flad gab ein Statement ab: "Gute Ideen sind das eine, sie in die Tat umzusetzen das andere. Leider scheitert man dabei allzu häufig an den Bedenkenträgern, den Bürokraten." Hoffentlich haben etliche Schüler keine Bedenken, sich im Rahmen einer Projektarbeit intensiv mit den angesprochenen Themen zu befassen. Sie sind herzlich dazu eingeladen!

Angela Schmitt-Bucher

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