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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

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Musik im Gespräch

Konzertreihe mit Roland Heuer

"Im Fluge..."
Sommerkonzert im Theaterkeller

Freitag, 01. Juli 2011
Theaterkeller im Institut Dr. Flad

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"Wie fliehen schnell die Stunden fort ..."
Eine Vergnügungsreise zur Unterhaltungsmusik früherer Zeiten

"Es gibt keine leichte oder ernste Musik, es gibt nur gute oder schlechte Musik", bemerkte einst Leonard Bernstein zu der fast schon überwunden geglaubten Differenzierung zwischen E- und U-Musik und nahm damit allen beckmesserischen Sophisten den Wind aus den Segeln, die der vermeintlich "leichten" Muse jeglichen Kunstwert abzusprechen suchten. Für den Kritiker indes ist die Sache klar: mit behender Leichtigkeit vermag er über die Erhabenheit großer Meisterwerke, über deren Ethos und Pathos zu dozieren und sich einen überlegenen Erklärer dünken, wohingegen ihm bei der Besprechung unterhaltsamer Kompositionen gar nicht selten die Tinte im Federkiel vertrocknet, weil er sich des mitleidigen Lächelns des Publikums über seine - ob ihrer Blassheit und Langatmigkeit - den Vergleich mit dem Gegenstand der Betrachtung scheuenden Erörterungen sicher wähnt.

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Und tatsächlich bewahrheitet sich hier wieder einmal die Vermutung, dass sich das Wesen der Musik - so diese "gut" im eingangs zitierten Sinne ist - gerade durch das Hören erschließt und zu seinem Verständnis nicht auf dürftige Erläuterungen angewiesen ist.

Ein solch zauberhaftes Programm, geradezu idealtypisch für einen lauen Sommerabend, bot das Konzert der "Asperger Kammersolisten", in dem Roland Heuer, Ikuko Nishida-Heuer (Violine), Axel Breuch (Viola), Joachim Hess (Violoncello) und Stefan Koch-Roos (Gitarre und Kontrabass) das Publikum auf eine musikalische Vergnügungsreise durch Europa mitnahmen. "Im Fluge" verging dabei die Zeit, womit das Motto der Schnellpolka op. 230 von Josef Strauß, die den rasant-spritzigen take-off bildete, vollauf erfüllt wurde.

Beim Gedanken an ungarische Musik wird einem stets der Tanz in Erinnerung kommen (wenngleich auf Brahms u.a. hier nicht verwiesen sein soll), was ein Kennzeichen der dortigen Musiktradition ist, die sich eben aus jenem Genre entwickelt hat. Eine Schlüsselrolle nimmt hierbei Mark Rózsavölgyi (1789-1848) ein, dem die Weiterentwicklung des volkstümlichen Werbetanzes zum Csárdás gelang, was sich aus seinen "ersten ungarischen Gesellschaftstänzen" heraushören lässt. Mit feinem Charme entwickelten die "Asperger Kammersolisten" eine zarte Romanze, deren klanglicher Lokalkolorit die Weiten der Puszta vor dem inneren Auge aufziehen ließ.

größer Weit gereist war auch der spanische Komponist und Gitarrenvirtuose Fernando Sor, dessen Etüden sich als wahrhafte Delikatessen der Mehrstimmigkeit erweisen, deren Reiz noch durch die Beimengung eines Streichquartetts (Bearbeitung von Roland Dyens) gesteigert werden. Mit Stefan Koch-Roos stand ein hervorragender Solist zur Verfügung, der mit Inbrunst die feinen Nuancen der drei Übungsstücke auskostete und die weit geschwungenen Melodiebögen über den satten Streichergrund spannte, was zu einem ausgewogenen Klangbild verhalf. Die bittersüße Melancholie von Fritz Kreislers Alt-Wiener Tanzweisen erfüllte sodann den Theaterkeller, wobei Roland Heuers apartes Spiel den morbid-hoffnungsvollen Charakter von "Liebesfreud", "Liebesleid" und "Schön Rosmarin" besonders zur Geltung brachte.

Der böhmische Komponist Anton Rázek (1852-1929) legte es in seinen Variationen über Joseph Haydns Melodie der Kaiserhymne darauf an, behauptetermaßen herausstechende Merkmale unterschiedlicher Nationalstile (böhmisch, polnisch, italienisch, ungarisch) vorzuführen, wobei das komische Moment bei der Verarbeitung des majestätisch-solemnen Themas zu einer dramatisch aufgeladenen Stretta im übersteigerten Stil eines Verdi'schen Verismo für besondere Erheiterung sorgte.

Die ausgelassen fröhliche Gunst des Publikums hatte auch der Solist im Schlussstück des Programms gewonnen: mit dem berühmt-berüchtigten "Fandango" aus Luigi Boccherinis Streichquintett Nr.4, von den Musikern in fulminanter Rauschhaftigkeit zelebriert, präsentierte sich Institutsleiter Wolfgang Flad erstmals als Castagnetten-Virtuose, bewies auf dem Podium - mal zurückhaltend, mal impulsiv - das ihm eigene Taktgefühl und sorgte mit diesem musikalisch-darstellerisch gelungenen Auftritt für große Begeisterung im Kreise der Zuhörerschaft.

Als Zugabe wehte dann eine wunderbar lyrische Gitarren-Etüde Fernando Sors, einem sommerlichem Windhauch gleich, durch den Theaterkeller und ließ die Anwesenden in angenehm verzückter Stimmung den Abend verklingen.

Martin R. Handschuh

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Konzert am 01. Juli 2011

Konzertreihe "Musik im Gespräch" im Theaterkeller des Instituts