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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

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Dr. Jürgen Bügler

Kriminaltechnologisches Institut am Landeskriminalamt München

Chemische Analytik in der Kriminaltechnik

Mittwoch, 12.01.2011
Vortrag am Institut Dr. Flad

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Crime time im Institut Dr. Flad: Dr. Jürgen Bügler, Chemiker am Kriminaltechnischen Institut des Landeskriminalamtes München, weihte die zahlreich erschienenen Zuhörer, darunter ein Absolvent des Lehrganges 3, in die Geheimnisse der chemischen Analytik ein.

Sein spannender Vortrag über spezifische kriminaltechnische Methoden bildete den Auftakt für die 15. Stuttgarter Chemietage, die sich im Internationalen Jahr der Chemie über das ganze Jahr verteilen.

Dr. Bügler ist als Laborleiter für den Fachbereich Urkunden und Papier zuständig. Durchschnittlich befassen sich er und seine Mitarbeiter mit ca. 20 Fällen pro Tag und müssen oft bestätigen, "dass der Anständige der Dumme ist", wie Schulleiter Wolfgang Flad in seiner Einführung zum Vortrag feststellte. Vermeintliche Schenkungen, Manipulation bei Konkursen, Steuerhinterziehung und viele weitere Delikte bedürfen der Aufklärung. Hierbei geht es weitaus weniger spektakulär zu als in vielen Krimis. Vielmehr arbeiten die bayrischen Fachleute interdisziplinär zusammen, um jährlich ca. 60 000 Spuren auszuwerten. Den rund 12,5 Millionen Einwohnern Bayerns stehen pro Jahr ca. 700.000 statistisch erfasste Straftaten gegenüber, von denen zwei Drittel aufgeklärt werden.

Im Anschluss an einen allgemeinen Überblick über den Aufbau der Polizei Bayerns stellte Dr. Bügler das Kriminaltechnologische Institut näher vor, insbesondere die Abteilungen Chemie, Physik, Biologie/Mikrospuren sowie Urkunden/Papier.

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Im Fachbereich Chemie sind zwölf Chemiker und 27 CTAs beschäftigt. Arbeitsschwerpunkte sind u.a. Rauschgiftdelikte und Arzneimittelanalysen. Was ist gesetzlich erlaubt, was ist illegal? Mittels chemischer Veränderungen werden Drogen "designed" und in Umlauf gebracht. Ecstasy und Crystal sind klassische Produkte der "Drogenküchen". Anleitungen zum Anbau von Marihuana (Wirkstoff THC) sowie andere "Tipps" zum Thema Drogen finden sich in Hülle und Fülle im Internet. Augenzwinkernd merkte Dr. Bügler jedoch an, dass die Polizei den Kriminellen oft schnell auf die Schliche kommt – der Strombedarf eines Haushaltes, der Marihuana anbaut, ist extrem hoch und liefert den Stromwerken bzw. den Ermittlern den Hinweis, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht.

Die Kollegen des Fachbereiches Physik befassen sich u.a. intensiv mit den Ursachen eines Brandes. Unfall oder Brandstiftung? Die chemische Analytik liefert meistens die Antwort.

Nicht mehr wegzudenken sind kriminaltechnische Methoden auch auf dem Gebiet der Biologie. Die Untersuchung von Textilfasern, die Analytik von Schmauchpartikeln oder die Feststellung der Liegezeit von Leichen: Ohne chemische Analysen sind Ermittlungen heute kaum mehr vorstellbar.

Im Mittelpunkt des interessanten Vortrages stand der Arbeitsschwerpunkt des Referenten.

Als Laborleiter des Fachbereiches Urkunden und Papier werden er und seine Mitarbeiter mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert:

  • Altersbestimmung von Dokumenten
  • Untersuchung von Arbeitsgeräten wie Drucker, Kopierer, Schreibmaschinen, Kulis, Füller ...
  • Analyse von Personal-und Kfz-Dokumenten
  • Aufbau und Erweiterung von Vergleichssammlungen

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Ca. 50.000 Dokumente müssen jährlich analysiert und rund 5.000 Gutachten erstellt werden. Dem Einfallsreichtum von Kriminellen sind scheinbar keine Grenzen gesetzt. Allerdings tatsächlich nur scheinbar: Am Beispiel eines gefälschten bulgarischen Führerscheines demonstrierte Dr. Bügler eindrucksvoll, wie man den Betrügern mittels chemischer Analytik auf die Schliche kommt. Sind geltend gemachte Rentenansprüche berechtigt? Ist das Ausbildungszertifikat echt? Wurde das Zeugnis nachträglich korrigiert? Die Optik hilft oft nicht weiter; kriminaltechnologische Methoden sind erforderlich. Anschreibspuren, unterschiedliche Farbstoffe, spezielle Lumineszenzeigenschaften – nichts bleibt dem Experten verborgen.

Crime time im Großen Hörsaal herrschte auch, als Dr. Bügler auf die Altersbestimmung von Dokumenten einging. Wie kann man feststellen, wann ein Dokument erstellt wurde? Als Basis für die Analysen dient die umfangreiche Stiftensammlung des Kriminaltechnologischen Institutes. Sie umfasst ca. 60.000 Schreibgeräte und ist somit die größte in Europa. Ständig wird sie aktualisiert, um den Straftätern dicht auf den Fersen zu bleiben.

Bei der Altersbestimmung spielen die Hauptkomponenten (Lösungsmittel, Bindemittel, Hilfsmittel ... ) eine gewichtige Rolle. Gaschromatographie, Massenspektrometrie, HPTLC sowie Thermodesorption kommen bei den Analysen zum Einsatz. Die Untersuchung von altersveränderlichen Parametern war auch bei dem Fall erforderlich, mit dem sich Dr. Bügler jüngst zu befassen hatte. Die Steuerfahndung musste herausfinden, zu welchem Zeitpunkt ein Dokument erstellt worden war. Das Ergebnis der Analyse war eindeutig: nachträgliche Manipulation! Lösungsmittel befinden sich sowohl im verwendeten Schreibgerät (Füller, Kuli) als auch im beschriebenen Papier. Je nach Konzentration im Papier oder im Stift ist das Dokument früher oder später verfasst worden.

Fazit am Schluss der "Krimistunde": Betrüger entwickeln immer wieder neue Verfahren – nur eigene, intensive Entwicklungsarbeit, weitere Forschung und ständige Aktualisierung seitens der Polizei können verhindern, dass am Ende allzu oft "der Anständige der Dumme ist".

Angela Schmitt-Bucher

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