Institut Dr. Flad - Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt - CTA, UTA, PTA

 
 
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« 15. Stuttgarter Chemietage - zurück zur Übersicht

Samstag, 01.10.2011, 10:00 Uhr
Vortrag am Institut Dr. Flad, Großer Hörsaal

Prof. Dr. Christoph Friedrich
Institut für Geschichte der Pharmazie, Philipps-Universität Marburg

Apotheker als Wegbereiter der Chemie

Den Auftakt des Festkolloquiums zum 60-jährigen Institutsjubiläum bildete Professor Dr. Christoph Friedrich mit dem Vortrag "Apotheker als Wegbereiter der Chemie". Denn: Die Verbindung zwischen Chemie und Pharmazie ist für das Verständnis des Instituts Dr. Flad - als staatlich anerkanntes Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt - ein wichtiger Baustein. Schließlich ist die Chemie im Laufe der Jahrhunderte aus der Pharmazie hervorgegangen. Professor Dr. Christoph Friedrich vom Institut für Geschichte der Pharmazie an der Philipps-Universität Marburg spannte den historischen Bogen und deckte wichtige Zusammenhänge auf - nicht nur im Hinblick auf die Forschung, sondern auch auf die Lehre.

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Für viele der geladenen Gäste war es interessant zu erfahren, dass wichtige Köpfe aus Forschung und Apothekenpraxis immer wieder "nebenher" auch private Lehrinstitute betrieben, in denen Schüler praktisch ausgebildet wurden. Trommsdorf beispielsweise betrieb "neben" Apotheke und Hochschulamt ein Institut mit 300 Schülern (sic!), in denen Apothekergehilfen, aber auch Praktiker aus - wie man heute sagen würden - verarbeitenden chemischen Gewerben unterrichtet wurden (Fabrikanten, Färber, Gerber). In diesem Sinne befindet sich das Institut Dr. Flad als Lehranstalt mit der Verbindung aus Chemie und Pharmazie in einer langen Tradition, die seit mehreren Jahrhunderten besteht.

größer Auch J.F.A. Göttling betrieb ein solches Lehrinstitut - einer breiten Öffentlichkeit besser bekannt als jener Mann, der Goethe die Idee und Inspiration zu seinem Roman "Die Wahlverwandschaften" lieferte. Göttling gehörte zu den Pionieren der Chemie, indem er noch vor Justus von Liebig oder Fresenius eine systematische qualitative Analyse entwickelte: 1790 publizierte er ein schmuckloses (weil ohne Abbildungen), über 200 Seiten starkes Büchlein im Mini-Format, das Schule machen sollte: "Vollständiges chemisches Probir-Cabinet zum Handgebrauche für Scheidekünstler, Aerzte, Mineralogen, Metallurgen, Technologen, Fabrikanten, Oekonomen und Naturliebhaber." Dieses Anleitungsbuch gilt heute als das erste Hochschullehrbuch für Analytische Chemie. Dazu muss man wissen, dass Göttling eigentlich bei einem Apotheker in die Lehre gegangen war und im Weimar der Goethezeit als Hofapotheker gearbeitet hat.

Die Synthese zwischen Pharmazie und Chemie oder besser: deren Metamorphose ist eine historische Entwicklung, die von Professor Dr. Christoph Friedrich akribisch nachgewiesen und belegt wurde: Es begann bei praktischen Apothekern, die chemisch arbeiteten. Diese Linie lässt sich in den Anfängen schon seit der Metallgewinnung in der Antike über die Alchemie im Mittelalter bis hin zu Apothekern im 18 Jahrhundert ziehen, die zum Beispiel die Gewinnung des Rohrzuckers, die Säuren oder den Sauerstoff entdeckten. Ab dieser Zeit folgte eine Phase, in der Apotheker als Professoren der Pharmazie und Chemie tätig waren und geht bis heute, in der Hochschullehrer der Pharmazie Beiträge zur theoretischen und methodischen Entwicklung der Chemie leisten. So leistet(e) die Pharmazie einen wichtigen interdisziplinären Zusatzbeitrag als "Steigbügelhalter" der Chemie. Ein paar Jahrhunderte zuvor hat das Justus von Liebig in einem Brief an Trommsdorf wie folgt formuliert: "Sie haben durch unermüdliche Tätigkeit einem Stand, der früher verkannt worden ist, eine (…) wissenschaftliche Bedeutung gegeben."

So lautete das Resümee von Professor Dr. Christoph Friedrich: "Die Chemie erfuhr durch Apotheker einen entscheidenden, wenn nicht gar den wesentlichen Entwicklungsschub". Es waren Apotheker wie der "Sauerstoff-Entdecker" C. W. Scheele (1742-1786), die mit ihren experimentellen Forschungstätigkeiten die Voraussetzungen für die "Chemische Revolution" lieferten. Erstaunlicher Nebeneffekt: Die Leistung vieler Apotheker war für die Chemie oft so bedeutend, dass sie heute schlicht als "Chemiker" in Erinnerung geblieben sind.

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