Home • Kontakt • FAQ • Anmeldung • Anfahrt • Impressum • 

Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

"Hinterm Tellerrand geht's weiter - weltbewusst essen und leben"

9. Internationaler Projekttag der deutschen UNESCO-Projektschulen

am 26. April 2012

UNESCO-Projektschulen Das Jahresthema 2012 "Ernährung" der UN-Dekade BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung) wurde auch im Ernährungskundeunterricht intensiv bearbeitet. In Kürze findet am 26. April 2012 der 9. Internationale Projekttag der UNESCO-Projektschulen zum Thema "Hinter dem Tellerrand geht es weiter, weltbewusst essen und leben" statt.

Frau Katharina Heidt (PTA 14 B) beantwortet die im Rahmen des Ernährungskundeunterrichts ausgegebenen Aufgabestellungen, bezogen auf den Film "WE FEED THE WORLD" (Erwin Wagenhofer 2005), folgendermaßen:

Um seinen Lebensstandard zu halten, muss der Landwirt einen deutlich größeren Hof als sein Vorgänger bewirtschaften. Erläutern Sie die Ursachen und Hintergründe.
Früher konnte ein Bauer von 12 Hektar leben, derzeit muss er um den gleichen Lebensstandard zu halten, die 6-fache Fläche bewirtschaften, beziehungsweise entsprechend mehr Vieh halten. Eine immer kleinere Zahl landwirtschaftlicher Betriebe bewirtschaften immer größere Flächen, um genug verdienen zu können. Die Erlöse des Landwirtes bei konventionellen landwirtschaftlichen Produkten sind gesunken. Der Landwirt gibt zu bedenken: "Streusplitt ist teurer als Weizen", weil viele Verbraucher preisgünstige Lebensmittel kaufen möchten.

Die relativ niedrigen Getreidepreise in den Industrieländern führen zu einem verschwenderischen Umgang mit Nahrungsmitteln. Welche Brotmenge (Brot ist noch in Ordnung!) wird in einer Großstadt wie Wien täglich vernichtet?
In Wien (1,7 Millionen Einwohner) werden im Jahr 2 Millionen Kilo überschüssiges Brot auf den Müll gefahren. Das entspricht einer täglichen Menge, die benötigt würde, um eine ganze Stadt wie Graz (knapp 300000 Einwohner) zu versorgen.

Die Schweiz ist bekanntlich eines der reichsten Länder Europas. Woher stammt nach Aussage von Jean Ziegler - Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen – ein Großteil des in der Schweiz verwendeten Korns? Worin liegt die Problematik?
Das in der Schweiz verwendete Korn stammt aus Indien. In Indien leben ca. 2 Millionen unterernährte Menschen, da die landwirtschaftliche Anbaufläche zur Eigenversorgung knapp ist. Das Problem besteht auch darin, dass in Indien dadurch viele Menschen hungern müssen, weil das Korn für sie nicht zur Verfügung steht.

Dienen die landwirtschaftlichen Flächen in Österreich (bzw. Deutschland) ausschließlich dem Anbau von Nahrungsmitteln?
Ein Teil des Anbaus von Mais und Weizen wird als Brennstoff zur Stromerzeugung gebraucht. Zum Zweck der Verfeuerung und sonstiger Energiegewinnung wird verstärkt Mais angebaut.

Zunehmend wird der Fischkutterfang durch große industrielle Fischfangflotten abgelöst. Welche Ursachen sind hierfür verantwortlich? Wie wirkt sich diese Veränderung auf die Fischqualität und die natürlichen Ressourcen aus?
Die Interessenverbände der industriellen Fischerei möchten durch den Einsatz größerer Fischfangflotten möglichst viel Ware und dadurch Gewinn erzielen. Sie zwingen die kleinen Fischer, ein Logbuch zu führen, um zu wissen, wie viel sie verdienen und wie viel Fisch pro Jahr gefangen wird. Die Netze der Fischfangflotten sind über 10 Stunden im Wasser und fischen sehr tief. Außerdem sind sie länger auf See, meist über einen Zeitraum von 15-30 Tagen. Wenn die Fische hochgeholt werden, platzen die Augen aufgrund des nachlassenden Druckes beim schnellen Aufstieg aus der Tiefe. Die kleineren Fischkutter fischen täglich, aber nicht so intensiv, auch sind die Netze nicht länger als 2 Stunden im Wasser. Dadurch ist die Qualität des Fanges viel besser. Traditioneller Fischkutterfang ist weniger gewinnorientiert als der industrieller Fischfangflotten. Hohe Auflagen der EU an die Fischerei erschweren allerdings die Anpassung der traditionellen Fischkutter an diese umfassenden Vorschriften (Kosten für Umrüstung etc.). Die Fischerei durch Kutter ist umweltverträglicher und ressourcenschonender.

In der Region Almeria (Spanien) sind riesige Bodenflächen mit Gewächshäusern versiegelt worden. In welchem Ausmaß bestimmen die Bodenverhältnisse die Qualität der Produkte (Tomaten)?
In Almeria sind 25 000 Hektar Land mit Gewächshäusern bebaut. Dort wachsen riesige Tomatenstauden auf Steinwolle, ein normaler Boden würde Krankheiten hervorrufen. Da in den Gewächshäusern Nährsubstrate ohne Erde verwendet werden, besteht kein direkter Kontakt zum Boden. Sie werden mit Nährstoffen und recyceltem Wasser versorgt, das in der Gegend schon knapp wird. Die Tomaten werden dann auf dem europäischen Markt verkauft.

Warum können Landwirtschaftssubventionen für EU-Produkte Lebensgrundlagen und Arbeitsplätze in der afrikanischen Landwirtschaft zerstören?
In Dakar, in Westafrika werden europäisches Obst und Gemüse angebaut und um 1/3 günstiger verkauft als die einheimischen Produkte. Im Senegal werden Arbeitsplätze in der Landwirtschaft zerstört, da die durch Subventionen begünstigten EU-Produkte trotz Einfuhrkosten billiger sind und somit die heimischen afrikanischen Produkte weniger nachgefragt werden. Die Kleinbauern in Dakar haben keine Chance gegen diese Konkurrenz, können keinen Gewinn erzielen, ihre Kosten nicht abdecken und ihre Produkte nicht verkaufen. Sie müssen ins Ausland gehen um Geld zu verdienen und zu überleben.

Was versteht man unter Hybridsaatgut? Welche Konsequenzen beinhaltet die großräumige Verwendung dieses Saatguts u.a. für die Landwirte?
Die Hybridsorten sind in ihrer äußeren Erscheinung in Farbe, Form oder Größe sehr einheitlich und bringen höhere Erträge. Das macht sie beliebt. Allerdings kann von diesen Pflanzen für die weitere Vermehrung kein brauchbares Saatgut gewonnen werden. Dieses ist nur im Verkauf erhältlich. Wer sich für Hybridsorten entscheidet, muss jedes Jahr neues Saatgut kaufen. In Rumänien sind die Bauern dabei ihren Anbau auf Hybridsaatgut umzustellen. Durch diese Entwicklung werden die Bauern von internationalen Konzernen abhängig.

Was hat unsere moderne Massentierhaltung (z.B. Hühnerhaltung) mit dem Verschwinden des Regenwaldes zu tun?
Um die Menge an Sojaanbaufeldern zu vergrößern, werden Teile des Regenwaldes abgeholzt. Durch die Abholzung des Amazonasregenwaldes verschlechtert sich der Lebensstandard für die Ureinwohner sehr. Die verbrauchten und verschmutzten Landflächen bedingen vielfach Hunger, Armut und letztendlich Arbeitslosigkeit und sie verunreinigen darüber hinaus das Wasser. Der Boden ist für Soja eigentlich nicht geeignet, darum müssen Dünger und Spritzmittel verwendet werden. Die Sojaernte wird für die Viehmast in Europa benötigt. Das Tierfutter wird zum Beispiel in Österreich verwendet, um in großen Aufzucht- und Mastbetrieben schlachtfähige Hühner aufzuziehen. Dank der billigen Sojabohnen kann der Fleischpreis in Europa niedrig gehalten werden.

Erläutern Sie die Besonderheiten der Massentierhaltung am Beispiel eines industriellen Hühnermastbetriebes. Worin liegen die Ursachen begründet?
In Hühnermastbetrieben werden immens viele Tiere gehalten. Diese werden schnell gemästet um möglichst viel Gewinn zu erzielen. Der Lebenszyklus der Küken bis zur industriellen Schlachtung beträgt ca. 8 Wochen. Die Einkunft pro Tier beträgt nur ca. 20 Cent. Daher sind nur sehr hohe Tierzahlen rentabel. Durch die Massenproduktion werden rund 50.000 Tiere täglich geschlachtet. Die Ursachen liegen zum größten Teil auch beim Verbraucher, da dieser viel Fleisch essen, aber möglichst wenig dafür bezahlen möchte. Solange der Verbraucher nicht bereit ist mehr zu bezahlen, wird sich an der Massentierhaltung nichts ändern. Dadurch wird dem Verbraucher ein billiges Produkt bereitgestellt, das unter Umständen mit Antibiotika verseucht ist um Krankheiten bei den Hühnern gering zu halten.

Katharina Heidt, PTA 14 B

 

We feed the world, ein Film von Erwin Wagenhofer.

Da bei Wikipedia eine ausführliche Zusammenfassung dieses Films vorliegt, möchte ich nur ein paar persönliche Gedanken dazu beitragen.

Der Film "We feed the world" widmet sich der Frage, wo und wie heute Lebensmittel produziert werden. Gerade in unserer Welt, in der alles zu jeder Zeit und zu unschlagbar günstigen Preisen einzukaufen ist, muss man sich die Frage stellen: wie ist dies möglich und warum? In diesem Film werden in einfachen aber eindrucksvollen Bildern die zwei Seiten einer "Lebensmittelindustrie" beleuchtet. Es gibt Gewinner und Verlierer, es gibt billige und teure, es gibt gesunde und ungesunde Lebensmittel und es gibt die Würde der Menschen und Tiere, die in diesem System die Hauptdarsteller sind. Der Film dokumentiert und kommentiert. Die Zusammenhänge zu verstehen, um Schlüsse und Konsequenzen zu ziehen, bleibt uns überlassen. Muss es immer die schöne, optisch makellose, aber gentechnisch erzeugte Aubergine sein? Müssen Lebensmittel in solchen Massen produziert werden, dass wir diese nicht mehr verbrauchen können und somit vernichten müssen? Müssen Arbeiter in dieser Industrie unter menschenunwürdigen Bedingungen vegetieren? Muss jeden Tag Fleisch auf dem Tisch sein? Wir bekommen vor Augen geführt, was Massentierhaltung bedeutet. Am Beispiel einer Geflügelmastanlage wird alles detailliert beschrieben: Vom Ei zum geschlachteten Hähnchen. Das Tier ist nicht mehr Tier, es ist eine Sache, ein lebender Fleischklumpen, ohne Seele und Willen, passend gemacht für eine maschinelle Bearbeitung, einzig und allein in diese Welt gesetzt, um zu fressen und auf unserem Teller zu enden. Voll gepumpt mit Hormonen und Antibiotika, die ein schnelles Wachstum und "gesundes Leben" garantieren, landet es schließlich in einer schnellen und effizienten Tötungsmaschinerie, die diese Kreaturen angeblich schmerzfrei, ohne zu leiden, vom Leben zum Tod befördert. Für Gefühle ist es nun zu spät und hier drängt sich mir die Frage auf, ob es für diese Tiere überhaupt ein Leben vor dem Tod gegeben hat?

"We are the world" sagt ein erfolgreicher Popsong und im Hinblick auf unsere Zukunft und die unserer Kinder, sollten wir dieser Verantwortung gerecht werden.

Lena Hollenbach, PTA 14 A

 
9. Internationaler Projekttag der deutschen UNESCO-Projektschulen Mehr zum
9. Internationaler Projekttag der deutschen UNESCO-Projektschulen
"Hinterm Tellerrand geht's weiter - weltbewusst essen und leben"