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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

Exkursion zum Heizkraftwerk Altbach/Deizisau

Am Donnerstag, den 22.11.2012 besuchte der Lehrgang 63 des Institutes Dr. Flad begleitet von Frau Sastre Chueca das Heizkraftwerk der EnBW in Altbach. Dieses ist eines der modernsten Steinkohlekraftwerke in Europa und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region des mittleren Neckars. Es besteht insgesamt aus zwei Heizkraftwerken,einem Kombiblock und vier Gasturbinen und erreicht so eine elektrische Gesamtleistung von etwa 1300 Megawatt.

Am Gelände angekommen, wurden wir von einer Mitarbeiterin des Kraftwerks in Empfang genommen und durch das Informationszentrum geführt. In drei separaten Bereichen wurde uns die Geschichte der Stromgewinnung im Allgemeinen, die Arbeit der EnBW im Speziellen und der Aufbau des Heizkraftwerks erklärt.

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Zusammenfassend kann man sagen, dass an diesem Standort bereits 1899 die "Kraftcentrale Altbach" von Heinrich Mayer gebaut und somit die Neckarwerke gegründet wurden. Der Vorläufer des heutigen Kraftwerkes entstand nach dem zweiten Weltkrieg, da im Zuge der Industrialisierung der Energiebedarf in der Region anstieg. Dieser wurde nach und nach ausgebaut und erneuert. Das Kraftwerk wird mit Stein- und Braunkohle betrieben, welche aufgrund der geographischen Lage vorrangig mit Zügen angeliefert wird. Im Laufe der Jahre wurde nicht nur die Energieeffizienz des Kraftwerks gesteigert, sondern auch großer Wert auf Umweltverträglichkeit und Emissionsminderung gelegt. Eine Besonderheit am Standort sind die beiden Hybridkühltürme, welche weltweit erstmals hier eingebaut wurden und im Gegensatz zu Naturzug-Nasskühltürmen kaum sichtbare Dampfsäulen bilden.

Unser nächster Besuch galt einem Vorführraum in dem uns der Aufbau und die grundlegenden Abläufe eines Kraftwerks erläutert wurden. Auf die folgenden drei Themen wurde besonderer Wert gelegt: Nutzungsgrad, Emissionsminderung und der Aufbau der Hybridkühltürme.

So erfuhren wir, dass dieses Kraftwerk vorausschauend nicht nur mit Kohle, sondern auch teilweise mit Erdgas und Erdöl betrieben werden kann. Bei geringem Energiebedarf kann es auf ein Minimum an Leistung herunter gefahren werden, ohne abgeschaltet werden zu müssen. So kann sehr schnell auf eventuelle Bedarfsspitzen reagiert werden. Für eine effizientere Verwertung der eingesetzten Primärenergien produzieren die beiden Blöcke im Kraft-Wärme-Kopplungsmodus gleichzeitig Strom und Fernwärme.

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Zum Thema Emissionsminderung lässt sich sagen, dass mit Hilfe moderner Brennertechnologien die Bildung von Stickoxiden und Kohlenmonoxid im Laufe der Jahre stark reduziert wurde. Weiter werden Anlagen zur Entstickung, Entstaubung und Entschwefelung des Dampferzeugers nachgeschaltet. Die entstehenden Nebenprodukte, wie Flugasche, REA-Gips und Kesselsand sind kein Abfall sondern werden zur Weiterverarbeitung an entsprechende Abnehmer verkauft.

Die Besonderheit der Hybridkühltürme liegt in ihrem Aufbau. Zunächst wird das Kühlwasser über Rippenrohre geleitet und abgekühlt, um anschließend als Sprühregen in das Kühlturmbecken herabzurieseln, wodurch es zusätzlich weiter abgekühlt wird. Mit Hilfe von 15 Ventilatoren wird Kühlluft durch den Nassteil gedrückt. Weiter oben drücken 15 weitere Ventilatoren trockene, warme Luft durch den Trockenteil und unterbinden so die Bildung von Nebelschwaden. Das geschieht immer von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Bei Nacht werden die oberen Ventilatoren abgeschaltet, um den elektrischen Energiebedarf des Kraftwerks zu senken und so den Wirkungsgrad zu erhöhen.

Mit Kopfhörern und Helmen ausgestattet, durften wir im Anschluss alles, was wir in der Theorie gehört hatten, nun auch in der Praxis erleben. Besonders interessant für uns, als angehende CTAs, war natürlich die Führung durch die Labore des Kraftwerkes, in welchen einige ehemalige Fladianer arbeiten. In Altbach/Deizisau befinden sich nicht die kraftwerksinternen Labore, sondern auch das Zentrallabor der EnBw Kraftwerke AG. Dort wird nicht nur Kraftwerkschemie betrieben, sondern auch Ölanalytik, organische Analytik, Spurenelement- sowie Schwermetallanalytik und Katalysatormanagement.

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Das Ende der Führung bildete eine Besichtigung des zentralen Leitstandes, also das Herzstückes der gesamten Anlage, durch welches die beiden Kraftwerksblöcke und die Turbinen gesteuert werden.

Abschließend kann man sagen, dass es eine informative und spannende Exkursion in das Heizkraftwerk in Altbach war, wodurch jeder von uns einen weiten Einblick und viel Wissenswertes zum Thema Stromerzeugung für seine persönliche und berufliche Zukunft erhalten konnte.

Antonia Karina
Tobias Treter
LG 63