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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

"Ein Tag im Leben eines Chemikers"

Prof. Leo Gros

Fachbereich Chemie & Biologie an der Hochschule Fresenius
Gastvortrag am 17. April 2015 um 11 Uhr im Institut Dr. Flad

Ein Tag im Leben eines Chemikers
Vortrag von Prof. Leo Gros

Wie bunt und abwechslungsreich das Leben eines Chemikers sein kann, demonstrierte Prof. Leo Gros durch seinen Vortrag "Ein Tag im Leben eines Chemikers."

Auf sehr vergnügliche Art und Weise ließ er die Schüler den Ablauf eines Chemiker-Alltages miterleben und siehe da, am Ende waren die Schüler tatsächlich davon überzeugt, dass Moleküle tanzen können.

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Zunächst stellte Schulleiter Wolfgang Flad den Referenten als Multi-Talent vor. Mit großem Engagement widmet sich Prof. Gros dem Fachbereich Chemie und Biologie der Hochschule Fresenius in Idstein. Aus der Fresenius-Tradition war quasi die Gründergeneration der chemischen Industrie hervorgegangen. Nach wie vor wird dort, ähnlich wie am Institut Dr. Flad, hohen Wert auf die praktische Ausbildung gelegt. Neben der Chemie pflegt Prof. Gros noch zahlreiche Steckenpferde. Als ausgewiesener Weinexperte versteigert er edle Tropfen, kocht gern, beschäftigt sich intensiv mit Theologie... alles "Zutaten", die sich in seinem Vortrag wiederfanden.

 

Gleich zu Beginn seiner Ausführungen schärfte er seinen Zuhörern ein, ein guter Beobachter und offen für Fantasie zu sein. Hat Prof. Gros tatsächlich Ochsengalle probiert, so wie der Mediziner Sauerbruch? Hat er tatsächlich eine solche Kostprobe zu sich genommen? Mitnichten! Ein kleiner Trick hat die Zuschauer in die Irre geführt. Also, genau hinschauen!

Morgens in der Frühe wird der Chemiker aus dem Schlaf geweckt. Am Beispiel eines Digitalweckers erklärte der Referent die Funktionsweise von Flüssigkristallen, von Stoffen, die sich sowohl wie Festkörper als auch wie Flüssigkeiten verhalten können. Durch eine Art Standbild, Schüler fungierten als Modell, brachte Prof. Gros die Moleküle zum Tanzen. Das wilde Durcheinander wich einem geordneten Ganzen. Für manch einen Zuhörer war es sicherlich überraschend zu erfahren, dass von der Grundlagenforschung bis hin zur praktischen Anwendung der Flüssigkristalle, u.a. in Flachbildschirmen, sage und schreibe neunzig Jahre vergingen. Fantasie, gepaart mit Ausdauer, wird belohnt, wenn manchmal auch recht spät.

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Einfaches Denken, ja sogar falsches Denken kann auch zum Erfolg führen und wird u. Umständen sogar mit dem Nobelpreis gekrönt. Wie es dazu kommen kann, demonstrierte Prof. Gros an einem Apfel. Das Frühstück wird vielleicht durch die Braunfärbung des Obstes getrübt, die durch Polyphenoloxidase eintritt. Gibt man Zitronensaft auf die Schnittfläche, wird die Verfärbung gehemmt. Der Arzt A. von Szent-Györgyi hatte ursprünglich die Absicht, aus diesen Erkenntnissen ein Medikament gegen eine Nierenerkrankung zu entwickeln; es stellte sich heraus, dass er eher unbeabsichtigt Vitamin C isoliert hatte.

Schaut Euch die Dinge einfach mal anders an als alle anderen, spornte Prof. Gros seine Zuhörerschaft an.

 

Fast kriminalistisch verlief die Beschäftigung mit dem Mittagsmahl: Die von Bunsen und Kirchhoff entwickelte Emissionsspektralanalyse kann nicht nur eine betrügerische Suppenköchin überführen, sondern ermöglicht auch die Analyse von Calcium-Ionen im Blutserum.

Der Tag neigt sich dem Ende entgegen und unser Chemiker nimmt ein gesundes Abendessen zu sich. Wer meint, einen marktschreierisch Knoblauch anpreisenden Spinner belächeln zu müssen, wird durch Leo Gros eines Besseren belehrt. Tatsächlich wirkt die im Knoblauch enthaltene Allylsulfensäure gefäßerweiternd. In der Krebstherapie hat die Knoblauch-Chemie ebenfalls ihre Berechtigung, da sie unerwünschte Nebenwirkungen bestimmter Medikamente abmildert.

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Umweltverschmutzung war schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Thema. Mit Permanganat konnte damals bereits die Verschmutzung der Elbe nachgewiesen werden.

Schmutz spielte auch im nächsten Experiment eine Rolle. Nach getanem Tagwerk steigt der Chemiker in die Badewanne und wundert sich nicht über die schmutzig-grauen Ränder am Wannenrand. Für ihn liegt die Erklärung auf der Hand. Palmitinsäure und Calciumnitrat liefern die Erklärung. Je nach Kalkgehalt des Wassers fällt die Ausflockung stärker oder schwächer aus.

 

Mit Silly Putty, einer Art Knete, leitete Prof. Gros seinen Vortrag ein, mit ihr beschließt er ihn auch. Sehen, was andere (noch) nicht sehen, kreativ sein , Ideen ihren Lauf lassen, Moleküle tanzen sehen, üben, üben, üben, jeden Tag eine gute Frage stellen und unbedingt die Sudelbücher von Georg Lichtenberg lesen! Mit diesen Aufforderungen endete ein spannender, vergnüglicher, anregender Experimental-Vortrag, der, wie ein Schüler gestand, über manchen "Durchhänger" während der Ausbildung hinweghelfen kann!

Reinschauen lohnt sich: www.cities-eu.org

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Angela Schmitt-Bucher

Prof. Leo Gros  

Begleiten Sie einen Chemiker vom Aufwachen bis zum Abend! Sehen Sie die Welt mit seinen Augen!
Einzelphänomene, Theorien, Anwendungen, Alltagsbeobachtungen, modernste Arzneimittelforschung, Umweltanalytik ... das alles und mehr steckt in diesem einen Tag.

Am Ende haben Sie Antworten auf Fragen wie diese:

  • Wie und wann fing die Entwicklung unserer schönen flachen Bildschirme an?
  • Antitranspirantien, Quellwasseranalyse, das Ansetzen von Eisen-Stammlösungen - wo steckt da der gemeinsame Nenner aus dem ersten Semester Quali?
  • Kann eine falsche Hypothese am Ende zum Nobelpreis führen?
  • Was haben die Überführung einer unappetitlichen Küchenarbeit, Feuerwerk, die Entdeckung von Rubidium und Cäsium und die Analyse auf Calcium-Ionen im Blut miteinander zu tun?
  • Führt vom Marktschreier über Flusswasserverschmutzung und Knoblauchpillenwerbung bis zur Krebsforschung eine schlüssige "chemische Gedankenlinie"?
  • Sind wir Chemiker bessere oder nur andere Badewannen-Saubermacher? Warum ist das eine komplexe Aufgabe und warum hat das mit dem Verbot zu tun, Tetracyclinantiobiotika mit Milchprodukten einzunehmen?