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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

Earth Day 2015
"Cradle to Cradle"
Nie wieder Müll. Heute Abfall morgen Nährstoff.
Intelligent produzieren, verbrauchen, nutzen, zurückgeben, wiederverwenden.

Vortragsveranstaltung mit Ken Alston

Donnerstag, 23. April 2015, 11 bis 12:30 Uhr, im Institut Dr. Flad

Earth Day 2015
"Cradle to Cradle" - Revolution im Wirtschaftskreislauf - eine Welt ohne Abfall

In einer Veranstaltung zum Earth Day 2015 sprach am Institut Dr. Flad der renommierte amerikanische Chemiker und Betriebswirt Ken Alston über das Jahresmotto des Earth Days 2015 "’Cradle to Cradle’ Nie wieder Müll, Heute Abfall, morgen Nährstoff".

Der Earth Day findet alljährlich im April in über 190 Ländern der Erde statt. Sein Motto "Global denken, lokal handeln" soll verdeutlichen, dass die Umsetzung der Ziele aus der Agenda 21 des UN-Erdgipfels von Rio de Janeiro 1992 vor Ort erfolgen soll. Dabei geht es vor allem um die lokale Verwirklichung einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Lebensgestaltung.

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Seit Jahren ist das Institut Dr. Flad die Earth Day-Koordinierungsstelle in Stuttgart und organisiert im April jedes Jahres Veranstaltungen unter Beteiligung von hochkarätigen Referenten und engagierten Organisationen. Das Institut steht dabei in einer Reihe mit weltweit bekannten Persönlichkeiten und Institutionen wie z. B. dem ehemaligen amerikanischen Vizepräsidenten Al Gore oder dem Schauspieler Leonardo DiCaprio und Stiftungen wie der Clinton Foundation und der Bertelsmann Stiftung.

In diesem Jahr steht der Earth Day unter dem Thema "’Cradle to Cradle’ (Von der Wiege zur Wiege) - Revolution im Wirtschaftskreislauf - Eine Welt ohne Abfall". Damit soll deutlich gemacht werden, dass es um intelligente Produktion, Verbrauchen, Nutzung, Rückgabe und Wiederverwertung geht. Dinge, die wir täglich benutzen, sollen so beschaffen sein, dass aus ihnen nie Müll wird. Das Konzept sieht vor, von Anfang an in kompletten Produktionskreisläufen zu denken und auf diese Weise gar keinen Müll mehr entstehen zu lassen. Produkte sollen so hergestellt werden, dass das Ende des Produkts vom Beginn der Produktion her mitgedacht wird. Entwickelt wurde das Konzept von dem amerikanischen Architekten William Mc Donough und dem deutschen Chemiker Dr. Michael Braungart. Sie haben zusammen 2 Bücher verfasst, in denen das Konzept entwickelt wurde, das erste mit dem Titel "Cradle to Cradle, Remaking the Way we make things" und das zweite"The Upcycle: Beyond Sustainability -Designing for Abundance". In beiden Büchern wird die umfassende Botschaft entworfen, dass wir Materialien, Systeme, Firmen, Produkte, Gebäude und Gesellschaften entwickeln, die sich fortwährend verbessern.

Für die Veranstaltung im Institut Dr. Flad ist es gelungen, Ken Alston als Referent zu gewinnen. Er ist als gelernter Chemiker und Betriebswirt prädestiniert, in verschiedenen Wirtschaftszweigen bei der Umsetzung des "Cradle to Cradle"- Systems mitzuarbeiten. Er hat dies auch in einer Reihe von Firmen in England und den USA getan. Zur Zeit ist Ken Alston Vorstandsvorsitzender (CEO) und Präsident von Consulting & Educational Services bei Mc Donough Braungart Design Chemistry (MBDC) in Charlottesville, Virginia. Diese Firma wurde von William Mc Donough und Michael Braungart 1995 gegründet und spielt seither eine führende Rolle bei der Entwicklung und Anwendung des "Cradle to Cradle"-Systems.

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In seiner Begrüßung wies Schulleiter Wolfgang Flad darauf hin, dass die Beschäftigung mit Stoffkreisläufen im Institut Dr. Flad nichts Neues ist. Bereits 1992 veranstaltete man hier einen Wettbewerb zum umweltfreundlichen Chemieunterricht, in dem es um den Kreislauf der Substanzen unter dem Leitgedanken der 3 V (Vermeiden, Vermindern, Verwerten) ging. Daraus entstand dann im Institut das neue organische Praktikum, in dem es auch um die Entwicklung von Stoffkreisläufen geht.

Die anwesende Vertreterin des Deutsch-Amerikanischen Zentrums in Stuttgart, Frau Domberg, bedankte sich in ihrem Grußwort bei Wolfgang Flad für die langjährige Zusammenarbeit. Der Präsident von Earth Day International in Frankfurt, Thomas Dannemann, wies anerkennend darauf hin, dass die Veranstaltung zum Earth Day bereits seit 1997 im Institut Dr. Flad stattfindet und erläuterte die Bedeutung des diesjährigen Mottos.

Alston begann seinen Vortrag in englischer Sprache mit der provokanten Frage, wohin all die Dinge gelangen, wenn sie weggeworfen werden. Es ging ihm dabei um die Antwort auf die Frage, was "Wegwerfen" bedeutet. Die Antwort war klar: es wird nichts weggeworfen oder entsorgt, weil alles auf der Erde zurückbleibt. Das "Cradle to Cradle"- Syxtem will dafür ein Bewusstsein schaffen, wobei klar ist, dass es vom Bewusstsein bis zur Verhaltensänderung ein weiter Weg ist. Es reicht dabei nicht aus, sich an gesetzliche Regelungen zu halten, weil Gesetze und Vorschriften nur ein Indiz dafür sind, dass etwas regulierungsbedürftig ist, bzw. als fehlerhaft erkannt worden ist.. So ist zum Beispiel die Zahl der Gesetze zum Umgang mit der natürlichen Ressource Wasser in den USA von knapp 10 im Jahr 1920 auf rund 200 im Jahr 2015 gestiegen. Offensichtlich bestand hier eine Notwendigkeit für das Eingreifen des Gesetzgebers. Ähnliche Steigerungsraten gibt es zum Umgang mit chemischen Schadstoffen oder zum Bereich Energie. Trotz der zahlreichen Regulierungen ist das weltweit propagierte Ziel der Nachhaltigkeit im Umgang mit Ressourcen nur bedingt ins allgemeine Bewusstsein gelangt.

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Aber: Nachhaltigkeit ist nicht genug

Nachhaltig zu wirtschaften ist sicher ein gutes und vernünftiges Ziel, obwohl wir davon noch weit entfernt sind. Das bloße Achten auf Nachhaltigkeit entspricht letztlich einem "Cradle to Grave"-Konzept,. Wichtiger ist aber der "Cradle to Cradle"-Ansatz.

Bedeutsamer, so Alston, als die Frage nach der Nachhaltigkeit ist die Frage, was mit den Gütern nach dem Gebrauch geschieht. Die meisten Güter werden ja nicht verbraucht, sondern gebraucht.

Alston machte dies am Beispiel der Zahnpasta und des I-Phones deutlich. Zahnpasta wird verbraucht, das I-Phone dagegen wird gebraucht und damit stellt sich die Frage, was mit einem solchen Gerät am Ende seiner Lebenszeit geschieht. Gebrauchszyklen werden heute noch zu wenig beachtet.

Das Ziel heißt heute zu oft, weniger schädlich zu handeln. Zum Beispiel sei es beim Energieverbrauch nicht genug, den Verbrauch von fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Das genügt letztlich aber nicht. Alston formulierte es so: "Being less bad ist not enough".

Können wir nur schlechtes Verhalten verbessern oder können wir ein ganz anderes Verhalten entwickeln? Schaffen wir es, intelligente Produktionssysteme nach dem Vorbild der Natur zu entwickeln? Alston führte aus, dass Naturkreisläufe das Modell werden müssen, an dem wir uns orientieren, denn im biologischen Zyklus der Natur gibt es keine Abfälle. Dasselbe muss für technische Zyklen gemacht werden.

Es darf nicht mehr nur um Effizienz gehen (Doing things the right way), sondern der Schwerpunkt muss auf Effektivität (Doing the right things) liegen.

Bestandsaufnahme ist immer der erste Schritt. Es folgt die Beurteilung und schließlich die Optimierung der Abläufe.

Der "Cradle to Cradle"-Ansatz versucht seit 2002 genau dies zu erreichen.
Die Leitsätze sind "Waste equals food, Use current solar income, Respect diversity".
Verschärft wurde der Ansatz 2013 mit dem Buch "The Upcycle". Dort heißt es: "Everything is food, Use clean energy, Celebrate diversity".

Bündeln lässt sich der Cradle to Cradle-Ansatz in 5 Aussagen:

  • "Materials as Nutritients"- (Materialien sind Nährstoffe)
  • "Material Reutilization" (Materialien müssen wieder verwendet werden)
  • "Clean Energy (Saubere Energiegewinnung)
  • "Clean Water" (Sauberes Wasser)
  • "Social Fairness" (Soziale Gerechtigkeit)

Die große Frage ist natürlich immer, wie sich diese Leitsätze in die Praxis umsetzen lassen. Alston zeigte am einigen Beispielen, wie "Cradle to Cradle"-Produktion funktionen kann. Bei der Herstellung von Textilien im herkömmlichen "Cradle to Grave"-System ging es von der Produktion der Rohstoffe über die Fasern- und Gewebeherstellung.zum Verkauf und Verbrauch. Anschließend folgt die Entsorgung als problematischer Müll. Alston bezeichnet dies als "Take-Make-Waste"-Verfahren.

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Nach dem Cradle to Cradle"-Verfahren geht es um einen dauerhaften "Take-Make-Reuse-Make-Reuse-Make...-Kreislauf. Dort kommt nach dem Gebrauchsende die Wiederaufbereitung der Textilien hinzu, die z.B. zu Mulch oder Kompost verarbeitet werden und so wieder als Ressource für die Produktion der Rohstoffe verwendet werden können.

In einer abschließenden Fragerunde räumte Alston ein, dass die meisten Anreize für ökologische Veränderungen, d.h. auch für das "Cradle to Cradle"-Konzept, im ökonomischen Bereich liegen. Das Wissen um die Probleme führt dann am schnellsten zu Verhaltensänderungen, wenn die neuen Verfahren ökonomische Vorteile bieten, sei es, dass man durch sie billiger produzieren kann oder dass man höherwertige Materialien verwenden kann. Nach seiner Meinung bietet "Cradle to Cradle" deutliche ökonomische Vorteile. Firmen könnten zum Beispiel Kunden gewinnen, wenn sie komplett auf das Verfahren umstellen und diese Umstellung auch kommunizieren. So etwas würde nicht nur die potentielle Kundschaft beeindrucken, sondern auch die Belegschaft in besonderer Weise motivieren. Er räumte allerdings ein, dass es zum Bewusstseins- und Verhaltenswandel ein weiter Weg ist. Aber genau diesen Weg gelte es beharrlich zu gehen.. "Cradle to Cradle" ist dabei ein wichtiger Meilenstein.

Dr. Siegfried Kümmerle

Vortrag in englischer Sprache

"Changing the Way We Make Things: The 'Cradle to Cradle' Revolution"
Ken Alston Der Referent Ken Alston ist CEO und Präsident von Consulting & Educational Services bei McDonough Braungart Design Chemistry (MBDC) in Charlottesville, Virginia, einem von dem Amerikaner William McDonough und dem Deutschen Dr. Michael Braungart 1995 gegründeten Unternehmen, das eine Pionierrolle bei der Entwicklung und Anwendung des "Cradle-to-Cradle"-Systems im Wirtschaftskreislauf spielt. Als gelernter Chemiker und Betriebswirt half Alston Unternehmen unterschiedlicher Branchen, z.B. Dow Chemical, Procter & Gambler und FedEx, bei der praktischen Umstellung auf das "Cradle-to-Cradle"-System.

 

Veranstaltungspartner

Earth Day International Deutsches Komitee e.V. Institut Dr. Flad Deutsch-Amerikanisches-Zentrum / Byrnes-Institut e.V. US Generalkonsulat Frankfurt

EARTH DAY 2014 Earth Day Stuttgart am 23. April 2015       www.earthday.de

Earth Day-Jahres-Motto 2015:
"Cradle to Cradle"
Nie wieder Müll. Heute Abfall, morgen Nährstoff.

Veranstaltung im Institut Dr. Flad
am Donnerstag, 23. April 2015
, 11 bis 12:30 Uhr

"Cradle to Cradle" - Revolution im Wirtschaftskreislauf - eine Welt ohne Abfall

Fabriken, deren "Abwässer" Trinkwasser-Qualität haben, Produkte, die an den Händler zurückgegeben werden können, um zu einem fabrikneuen Möbel, Laptop oder Fernseher zu werden. Kleidung, die kompostierbar ist oder zur Nahrung für Pflanzen und Tiere wird. "Cradle to Cradle" will das möglich machen. Die Lösung klingt so einfach: schon vorher an nachher denken. Der bekannte amerikanische Architekt William McDonough und der deutsche Chemiker Professor Dr. Michael Baumgart haben das Cradle to Cradle®-Design-Konzept ("Von der Wiege bis zur Wiege") entwickelt. Zentrale Idee ist, "Nie mehr Müll!" - von Anfang an in kompletten Produktkreisläufen zu denken und auf diese Art erst gar keinen Müll im herkömmlichen Sinn entstehen zu lassen. Produkte sollen so hergestellt werden, dass von Beginn an ihr Ende mitgedacht wird. Sämtliche Güter bewegen sich in technischen oder biologischen Kreisläufen.

Wie kann dieses Konzept unser Wirtschaftssystem revolutionieren? Mit Innovation, Positivität, Qualität und Kreativität sind bereits mehrere hundert Produkte auf der Welt nach diesem Prinzip entwickelt worden. In welchen Sektoren hat die "Cradle to Cradle"-Transformation bereits erfolgreich angefangen und welche öko-effektiven Chancen für heute und morgen bietet die Anwendung des "Cradle to Cradle"-Konzepts? Welche wirtschaftlichen Einfluss-Faktoren wirken sich auf den Unternehmenserfolg von Morgen aus? Angefangen von der Reduzierung der Kosten für die "reine Müllentsorgung" bis hin zur dauerhaften Wertschöpfung durch die Transformation von Sekundärrohstoffen: indem Rohstoffe anstatt, dass sie vernichtet werden in den Produktionskreislauf zurückfließen. Dadurch öffnen sich ganz neue Chancen für die Entwicklung neuer Absatzmärkte, Produkte und Verfahren.

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