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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

Arzneipflanzen und andere interessante Gewächse im Botanischen Garten Hohenheim

Vortrag von Franz X. Fraschio am 21. Mai 2015 für PTA 18

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Zur Vorbereitung unseres Besuchs im Botanischen Garten Hohenheim nahm Herr Fraschio uns am 21.05.15 durch seinen Vortrag auf eine kleine aufschlussreiche Reise durch die Pflanzenwelt in Hohenheim mit.

Gegründet wurde der Botanische Garten von 1772 bis 1793 vom Baden-Württembergischen Herzog Carl Eugen, als dessen eigener Schlossgarten. Seit 1820 wird der Garten für schulische Zwecke genutzt. Dazu gehören auch riesige Versuchsfelder mit Getreideanbau, die für die Agrar-Wissenschaften genutzt werden.

Der Einstieg in die Pflanzenwelt gelang Herrn Fraschio mit der berühmten Damaszener Rose 'Trigintipetala', die dementsprechend auch direkt am Eingang des Gartens blüht. Aus ihren Blütenblättern wird das Rosenöl gewonnen, welches in Aromatherapie und Kosmetik Verwendung findet.

Weiter ging es mit einem sogenannten lebenden Fossil, dem Ginkgobaum. Nicht nur bei uns erfreut er sich äußerster Popularität, sondern vor allem auch in China und Japan. Dort dient er als Tempelbaum und schon seit Langem in der Medizin. Genutzt wird der Extrakt des Baumes wobei mehrere Inhaltsstoffe zusammen wirken. Bekannte Anwendungsgebiete findet man bei Mikrozirkulationsstörungen, da er durchblutungsfördernd wirkt. Auch bei Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen wird Ginkgoextrakt eingesetzt.

Eine Eigenart des Ginkgos ist, dass sich die Früchte der weiblichen Bäume auf dem Boden langsam zersetzen und Buttersäure entsteht, wodurch bevorzugt die männliche Version gepflanzt wird.

Den Riesen-Bärenklau, auch Herkulesstaude genannt, nahmen wir anschließend in Augenschein. Die aus dem Kaukasus stammende Pflanze wird über 4 Meter groß und ist auch als Zierpflanze bekannt. Allerdings hat sie eine phototoxische Wirkung, wodurch sie üble Hautausschläge und Verbrennungen hervorrufen kann.

Die Passionsblume war die nächste Station in dem Vortrag. Man kann zwischen der blauen und der fleischfarbenen Passionsblume unterscheiden, wobei hier in unserem Klima nur die blaue gedeiht. Der fleischfarbenen begegnet man in wärmeren Gebieten. Auch diese Pflanze ist eine Zierpflanze, die ihren Ursprung in Südamerika hat. Anwendung in der Pharmazie findet sie als Sedativum oder bei Unruhe und Stress. Häufig wird sie in Kombination mit Hopfen und Baldrian verabreicht.

Über weitere interessante Heilpflanzen wie den Eukalyptus, die Sennespflanze, den Faulbaum und den Mönchspfeffer gelangten wir zu der Weide. In der Rinde junger Zweige findet man Salicin. Dieses wird im Körper zu Saligenin und dann zu Salicylsäure verarbeitet. Aus Salicylsäure wird synthetisch Acetylsalicylsäure (ASS) hergestellt. ASS findet man seit 1899 als Aspirin von Bayer im Handel und ist ein sehr erfolgreiches Arzneimittel. Auch gibt es viele Anwendungsgebiete von ASS, z.B. wirkt es fiebersenkend, entzündungshemmend, schmerzlindernd und sogar blutverdünnend.

Weiter ging es zu der Arzneipflanze 2010, dem Efeu. Dieser besitzt zwei verschiedenartige Blätter, und zwar das große, alte Pflanzenblatt, es ist ganzrandig und das kleine Blatt nahe den Blüten, das gelappt ist. Verwendet werden nur die gelappten Blätter. Anwendung findet der Efeu vor allem bei Katarrhen der Atemwege und bei chronisch entzündlichen Bronchialerkrankungen.

Auch die Mistel ist eine besondere Pflanze, denn sie wächst ohne Erde auf Bäumen. Im Botanischen Garten Hohenheim findet sie sich auf der Silberweide. Es lassen sich drei verschiedene Mistelarten benennen. Laubmistel, Tannenmistel und Kiefernmistel. In der anthroposophischen Medizin wird die Mistel in der Krebstherapie angewendet, vor allem wird das Immunsystem gestärkt. Die Misteltherapie wirkt sich direkt auf die Lebensqualität der Krebspatienten aus. Sie fühlen sich leistungsfähiger, können besser schlafen, nehmen wieder zu und sind weniger anfällig für Infektionen. Auch können Misteln tumorbedingte Schmerzen lindern.

Im Botanischen Garten finden sich zudem einige Arten der Zaubernuss (Hamamelis), meistens nur Zierpflanzen. Verwendet werden Blätter und Rinde, z.B. bei Hämorriden oder Venenentzündungen. Hinzu kommt die stark blutstillende Wirkung.

Ganz ähnlich gilt die Rosskastanie als venenentzündungshemmend. Obwohl der Name einen glauben macht, die Rosskastanie gehöre zur Familie der Buchengewächse wie die Edelkastanie, wird sie tatsächlich zu den Seifenbaumgewächsen gezählt und ist seit ca. 400 Jahren in unserer Region wieder eingebürgert. In der Pharmazie werden vor allem die Samen in Trockenextrakten verwendet und hauptsächlich bei Venenleiden angewandt.

Arzneipflanze 2001 war die Arnika. Es gibt insgesamt über 30 verschiedene Arten jedoch wächst bei uns nur die Bergarnika. Sie wirkt antiphlogistisch, schmerzlindernd, ödemhemmend. Ferner wird die Arnika bei Venenproblemen eingesetzt. Jedoch sollte man Arnikapräparate nur äußerlich anwenden, da anderenfalls toxische Wirkungen auftreten können.

Die nun folgenden Pflanzen gehören zu den giftigsten Pflanzen der Flora. Als erstes wurde uns die Eibe vorgestellt. An dieser Pflanze ist außer dem roten Samenmantel alles giftig! Früher wurde diese Pflanze fast ausgerottet. Ihr kostbares Holz beispielsweise wurde im Mittelalter zu Bögen verarbeitet. Aufgrund dessen ist sie heute nur noch selten zu finden und deswegen besonders wertvoll. Der chemisch interessante Inhaltsstoff Taxol wurde 1988 zum ersten Mal partialsynthetisiert. Auch medizinisch ist die Wirkung der Eibe relevant, da sie die Mitose hemmt und damit die Zellteilung. Dies eröffnet heutzutage ein großes Anwendungsgebiet in der Brust- und Eierstockkrebstherapie.

Die zweite sehr giftige Pflanze ist der Gefleckte Schierling. Leider gibt es bei dieser Pflanze auch Verwechslungen. Um diese zu umgehen sind folgende Merkmale des Schierlings zu berücksichtigen: Der Schierling hat rot gefleckte Stängel und verrät sich durch einen Geruch nach Mäusen. Das Gift, das Alkaloid Coniin, kann eine Atemlähmung bei vollem Bewusstsein und somit den Tod herbeiführen. Besonders giftig sind die unreifen Früchte. Schon zu Zeiten Sokrates, welcher zum Tode verurteilt einen Schierlingsbecher trinken musste, wusste man um das Gift der Pflanze!

Als dritte sehr giftige Pflanze folgte der Stechapfel. Heutzutage ist er in der Medizin ohne Bedeutung. Früher jedoch wurde er für Asthmazigaretten eingesetzt. Die Samen des Stechapfels sind eine Rauschdroge.

Auch das giftige Bilsenkraut erfreut sich heute längst keiner medizinischen Bedeutung mehr. Früher wurde es als Mordgift und als Hexensalbe eingesetzt. Seine Wirkung ist lähmend.

Der Fingerhut war unser letzter giftiger Kandidat. Wieder in zwei Arten vorhanden, unterscheidet man zwischen dem Roten und dem Wolligen Fingerhut. Beide werden bei Herzschwäche eingesetzt - heutzutage aber immer weniger. Nachteilig ist seine geringe therapeutische Breite. Der Wollige Fingerhut hingegen blüht braun gelb und zeigt eine bessere Verträglichkeit.

Gleichermaßen findet der Weißdorn, bei uns in zwei Arten vertreten, bei Herzkrankheiten Anwendung Verwendet werden Blatt und Blüte. Weißdorn findet man auch noch heute gerne in Herzmedikamenten wieder, da er eine große therapeutische Breite besitzt.

Neben der Damaszenerrose hat eine weitere Rosenart ihren Platz im Botanischen Garten gefunden, die Apothekerrose. Sie ist seit dem 14. Jahrhundert eine Kulturform der Wildrose (Essigrose) und war früher eine wichtige Arzneipflanze. Als Droge verwendet man die Rosenblätter, welche beruhigend, stärkend und harmonisierend wirken.

Verschiedene Lindenarten betrachteten wir genauer. Sommer- und Winterlinde kann man in der Pharmazie/Medizin verwenden, jedoch nicht die Silberlinde, deren Blattunterseite weiß-grau ist. Angewendet werden die Blüten und Hochblätter vor allem in Tees bei Erkältungen und Husten. Auch hat die Linde eine schweißtreibende Wirkung.

Bei dem Hopfen werden nur die weiblichen Pflanzen verwendet, da sich nur in den weiblichen Zapfen gelbe Drüsen befinden, die den entscheidenden Wirkstoff enthalten. Hopfen wirkt schlaffördernd und beruhigend.

Eine sehr wichtige, sogar lebensrettende Pflanze ist die Mariendistel, die bei Knollenblätterpilz-Vergiftungen als letzte Rettung eingenommen werden kann. Wirken kann der Mariendistelextrakt aber nur innerhalb der ersten sechs bis sieben Stunden nach der Vergiftung. Dabei ist es im Grunde gar nicht schwer der Vergiftung zu entgehen, da die Lamellen der Knollenblätterpilze immer rein weiß bleiben, wohingegen die Lamellen zum Beispiel des Champignons rosa oder braun werden.

Den Abschluss des Vortrags bildete die Weinrebe, die überall um Stuttgart in den Weinbergen zu finden ist. Sie ist eine Fundgrube für Chemiker, da Wein so viele verschiedene Stoffe enthält.

Für die kleine Reise durch die große, vielfältige und interessante Pflanzenwelt bedanken wir uns herzlich bei Herrn Fraschio und freuen uns jetzt schon auf den Besuch im Botanischen Garten.

Ann-Sophie Loebich und Laura Stiegeler PTA 18

 

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