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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

Weihnachtsfeier im Institut

17. Dezember 2015

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Am 17. Dezember fand im Institut Dr. Flad die diesjährige Weihnachtsfeier statt. Martina Rahija (LG 65), die derzeit den Schülerbibelkreis leitet und die diesen Abend organisiert hatte, begrüßte die SchülerInnen und Lehrkräfte im Großen Hörsaal. Nach einer kurzen Einleitung las Anna Fochler aus dem Lukas-Evangelium die Weihnachtsgeschichte vor.

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Anschließend spielte Torben Müller ein Stück auf dem Saxophon bevor von allen gemeinsam die Lieder "Wir sagen euch an den lieben Advent", "Alle Jahre wieder" und "Stille Nacht" gesungen wurden. Danach hielt Josua Junker (LG 66) eine Ansprache, die verschiedene Aspekte der Weihnachtsgeschichte behandelte. Die abschließenden Worte waren dem Schulleiter Wolfgang Flad vorbehalten.

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Bevor es dann zum gemütlichen Teil des Abends überging, erzeugte Herr Flad noch mit einer Polymer-Reaktion Kunstschnee und sorgte so für eine weiße Weihnacht. Im unteren Labor waren die Tische reich mit allerlei Naschwerk gedeckt und es wurde zur Jahreszeit passend Glühwein gereicht. Die Weihnachtsfeier war sowohl aus Sicht der Schüler als auch des Kollegiums ein voller Erfolg.

Josua Junker, LG 66

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Ansprache von Josua Junker (LG 66):

Sehr geehrter Herr Flad, geschätztes Kollegium, liebe Mitschüler,

wir haben uns heute hier zusammen gefunden um gemeinsam eine Weihnachtsfeier abzuhalten. Für jeden von uns hat Weihnachten eine andere Bedeutung. Die christlich erzogenen Mitglieder unseres Instituts sind damit aufgewachsen, aber auch die Mitglieder anderer Glaubensrichtungen werden wohl schon einmal von Weihnachten gehört haben.

Es ist unmöglich sich den kommerziellen Auswüchsen dieses Festes zu entziehen, wenn schon ab Oktober Weihnachtsmänner in den Regalen stehen und sich Geschäftemacher auf die umsatzreichste Zeit des Jahres freuen. Der Kern von Weihnachten droht im Meer von Merchandising-Artikeln und Christmas-Specials unterzugehen.

Manchmal frage ich mich, wie dieses Fest wohl auf Außenstehende wirkt. Objektiv betrachtet: Einen immergrünen Baum zu schmücken um die Geburt eines Kindes in einer Scheune zu feiern, das der Sohn Gottes, der Heiland und Bringer des Friedens ist...mag dem ein oder anderen, wie so viele andere Traditionen seltsam erscheinen.

Auch wenn er Gottes Sohn ist - im Moment seiner Geburt ist er nur ein hilfloses Menschenkind. Wie kann dieses kleine Wesen denn Frieden in diese kriegerische Welt bringen? Wo man hinblickt, sieht man Konflikte. Auf der Krim, Syrien, Jemen um nur einige zu nennen. Mit den Attentaten von Paris, vor erst einem Monat, hat das Morden auch Europa erreicht und in Deutschland brennen Flüchtlingsheime. Kann uns die Botschaft Jesu angesichts dieses Grauens trösten? Ich denke ja.

Die fundamentale Wahrheit, die der Weihnachtsgeschichte innewohnt, kann jeder verstehen. Jesus steigt nicht wie der nordische Gott Thor in voller Rüstung vom Himmel um die Feinde des Friedens zu zerschmettern. Die Botschaft seiner Geburt ist einfach: Jeder war einmal hilflos. Jeder war einmal auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen. Nur man selbst kann den Frieden in die Welt bringen.

Die Menschheit ist auf Zusammenarbeit programmiert. Sie kann gar nicht anders.

Hier an der Chemischen Hochschule Flad wird uns nicht nur die namensgebende Chemie gelehrt. Herr Flad legt großen Wert darauf, dass neben einer fachlichen Ausbildung, auch unser Geist geschult wird. Die Chemie lässt sich mit Formeln und Mathematik erklären, doch es gibt auch noch einen anderen Bereich in unserem Leben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die wir einmal in der Lage dazu sein werden zwischenmenschliche Beziehungen in Formeln zu fassen. Sie ist ein weit größeres Mysterium und das sage ich mit allem Respekt vor den Naturwissenschaften.

Es ist in beiden Gebieten die Erfahrung, die uns weiterbringt.

Wir haben heute Abend bereits die Weihnachtsgeschichte im Original gehört. Es mag für so manchen hier das erste Mal gewesen sein, ungeachtet des kulturellen Hintergrunds. Aber es geht auch nicht darum was man liest, sondern wie man liest und dass man liest. Egal ob man die Bibel liest oder den Koran, ob man eher Bücher mag oder das direkte Gespräch sucht. Jede Erfahrung ermöglicht es uns den anderen etwas besser zu verstehen. Jeder, den man trifft - jeder - weiß irgendetwas besser als man selbst.

Oft fragen sich die Menschen: Was nutzt es mir? Was hab ich denn davon verständnisvoll und tolerant zu sein? Auch wenn dieser Gedanke zuerst egoistisch scheint, heißt das nicht, dass er unbegründet ist. Er ist eben menschlich, allzu menschlich. Aber ist Hass und Ablehnung nicht auch furchtbar anstrengend? War man nicht selbst einmal vom Wohlwollen anderer abhängig? Ist man nicht glücklicher, wenn man den anderen so akzeptiert, wie er ist? Glück ist es, was wir alle erstreben. Unabhängig von Hautfarbe oder Religion, von Erfahrungen und Erwartungen. Manche glauben das Glück im Jenseits finden zu können, andere bauen lieber auf Erfahrungswerte und beschäftigen sich mit dem Diesseits. Wer kann sich schon sicher sein, dass dieses ominöse Jenseits überhaupt existiert? Nur weil der Gedanke vom ewigen Leben tröstlich ist, sehr tröstlich sogar, macht es ihn leider nicht - wahr.

Ich glaube ich spreche für alle hier, wenn ich zugebe, dass ich bisher leider - oder glücklicherweise, da bin ich mir nicht sicher - nur das Diesseits kenne. Also scheint es vernünftig, sich erstmal darauf zu konzentrieren. Ob hinterher ein Gott über uns richtet oder nicht, sollte uns nicht in unserem Handeln beeinflussen. Man wäre nicht besser oder weiser als ein Kind, das nur die Schläge des Vaters fürchtet. Kinder können noch nicht erkennen, wie komplex das Zusammenleben der Menschen ist. Wie komplex es letztendlich ist, kann keiner erfassen. Kindern lässt sich nur Handwerkszeug vermitteln, in der Hoffnung, dass sie der Wahrheit näher kommen als man selbst.

Die Weihnachtsgeschichte wird seit mehr als tausend Jahren erzählt. Der Weihnachtsbaum dagegen entstammt einer weitaus älteren Tradition. Er war den Menschen auf der kalten Hälfte der Erde ein Zeichen. Auch im dunkelsten Winter bleibt er grün. Es ist kein Zufall, dass Weihnachten am Tag der Wintersonnenwende gefeiert wird. Die Menschen, die hier Jahrtausende vor uns gelebt haben, erkannten diese Gesetzmäßigkeit, schon lange bevor das Christentum nach Europa kam. Seither hat der technische Fortschritt unser Leben in einer Weise verändert, wie es sich diese Menschen nicht einmal erahnen konnten.

Aber sie waren nicht dumm. Selbst ohne eine Vorstellung von für uns so selbstverständlichen Sachen, konnten sie komplexe Phänomene und natürliche Gesetzmäßigkeiten erkennen, und vor allem, dieses Wissen an nachfolgende Generationen weitergeben.

Und das zeichnet den Menschen seit jeher aus. Internet ist großartig, aber die Schrift und damit auch die Mathematik waren die eigentlichen Meilensteine in der Entwicklung des Menschen.

Zu Beginn sind wir hilflos, wie Jesus es war. Wir sind auf die Vermittlung von Wissen angewiesen. Müssten wir jedes Mal aufs Neue herausfinden, dass nahe am Abgrund laufen tödlich sein kann - Unsere Spezies wäre nie über das Stadium der Lemminge hinaus gekommen.

Jede Generation generiert neue Erkenntnisse. Viele Forscher haben ihre Erkenntnisse mit dem Leben bezahlt. Auch Jesus bezahlte am Ende mit seinem Leben. Doch er starb nicht an Strahlenvergiftung. Er starb für eine Erkenntnis. Die Erkenntnis, dass es eine Kraft gibt, größer als man selbst. Ob man nun an ihn glaubt oder nicht. Würde jeder für seine Überzeugungen am Kreuz sterben? Gewiss nicht. Muss man glücklicherweise hier bei uns immer seltener. Aber es ist gut zu wissen, dass es Menschen, wie Jesus gibt.

" Ideale sind wie Sterne. Man kann sie nicht erreichen, aber man kann sich an ihnen orientieren." Das ist es was die Weihnachtgeschichte für jeden sein kann. Ein kleiner Wegweiser in einer immer komplexer werdenden Welt.

Wir haben heute einen Zugriff auf Informationen, wie es unvorstellbar schien. Wenn die Erfindung des Buchdrucks die Menschen damals umgehauen hat, was hätten sie wohl zu Wikipedia oder Twitter gesagt? Umso wichtiger ist es, dass wir ein stabiles Fundament haben, auf dem wir Erfahrungen zu Erkenntnissen umbauen können.

Ob einem das Schicksal Sandstein oder Marmor zur Verfügung gestellt hat, können wir nicht beeinflussen. Aber wie ich verwerte, was mir gegeben ist, beeinflusst alles.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine frohe Weihnachtszeit und noch einen schönen Abend.