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Planmäßig misshandelt - Workshop "blue eyed - brown eyed" mit Nachwirkungen   (10/2002)

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Auf dem Korridor stehen wir voller Erwartung und Spannung. Die Unruhe und Nervosität in der Gruppe von 30 Leuten ist greifbar. Die Türe öffnet sich und ein Schwarzgekleideter, bösartig und zynisch blickend, stellt sich vor uns. In seinen Augen, an der Mimik und den Bewegungen erkennen wir seine überhebliche, beleidigende Art. Die Gespräche verstummen. Jetzt werden wir selektiert.

Unser Peiniger zeigt auf von ihm ausgewählte Personen und bedeutet ihnen, sich in die Liste der Blauäugigen oder Braunäugigen einzutragen. Unsicherheit und Nervosität steigt, einige verwechseln schon die Listen. Zu den Braunäugigen ist er freundlich und zuvorkommend, zu allen Blauäugigen äußerst streng und beleidigend in Worten und Mimik.

Die Braunäugigen sollen in den Saal gehen, die Blauäugigen in einen Abstellraum. Ich bin zu den Braunäugigen eingeteilt - wir "Auserwählten", "Wertvollen" setzen uns auf die bereitgestellten Stühle in zwei Reihen. Zwischen den Reihen gibt es Hocker für die "Minderwertigen". Innerhalb einer Stunde hetzt der "Peiniger" ununterbrochen gegen die Blueyed und erzeugt langsam auch bei uns Unsicherheit. Je länger er spricht, desto mehr Einfluss bekommt er.

Parolen: "Blueyed sind dumm, kindisch, haben keine Entscheidungskraft, übertragen Krankheiten sind unfähig usw.. Die Browneyed sind bedeutend, intelligent, fähig, mit allem fertig zu werden...

Die von den beiden Helfern in der Zwischenzeit verunsicherten Blueyed werden hereingerufen und dürfen sich auf die Hocker oder auf den Boden setzen. Im Saal werden sie ununterbrochen schikaniert, beleidigt und verunsichert. Manche Leute sind so irritiert, dass sie die einfachsten Fragen nicht beantworten können, sie schauen hoffnungslos auf den Boden.

Pause - Auswertung am Nachmittag.

Dieser Workshop hat noch einmal gezeigt, wie leicht es ist, Menschen zu manipulieren. In unserem täglichen Leben sind wir überall konfrontiert mit Diskriminierung, Mobbing, Rassismus. Nicht nur die "Unterdrücker" machen sich schuldig, auch diejenigen, die passiv zusehen, wie andere systematisch unterdrückt werden, tragen eine Mitschuld.

Was wir in unserer Gesellschaft brauchen, ist Toleranz und Solidarität.

R. Wiecki, LG 53

 

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