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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.
Planmäßig misshandelt - Workshop "blue eyed - brown eyed" mit Nachwirkungen   (10/2002)

vergrößerte Abbildung Am 9. Oktober wurden uns die Auswirkungen von Rassismus und Diskriminierung anhand eines ungewöhnlichen Projektes nahegebracht: Die Teilnehmer des ganztägigen Workshops "blue eyed - brown eyed" wurden zunächst getrennt nach ihrer Augenfarbe. Es gab 11 sogenannte "Blueyes", die Blauäugigen, und 21 "Browneyes", Braunäugige.

Während wir Blauäugigen zu zehnt in ein winziges Zimmer gesperrt wurden - ein Blueyes wurde sofort total isoliert - "pflegten" die Browneyes bei Kaffee, Tee und Kuchen erfundene Vorurteile gegen die Blueyes.

Nach 1 1/2 Stunden wurden wir in das Zimmer zu den Browneyes geschickt und mussten uns dort zwischen sie auf Hocker setzen, ohne Blickkontakt zum Vordermann. Die drei ersten mussten sogar auf dem Boden sitzen.

vergrößerte Abbildung Von da an wurden wir mit Fragen bombardiert, die wir Blueyes - ganz egal wie - nie richtig beantworten konnten, was die zuvor gegen uns geäußerten Vorurteile natürlich nur bestätigte. Die Browneyes waren dazu angehalten worden, uns die ganze Zeit mit spöttischer, herablassender Miene und gerunzelter Stirn zu betrachten. Wir sollten Parolen von gelben Plakaten vorlesen, wobei wir unter dem Stress natürlich auch viele Fehler machten. Dies zog selbstverständlich sofort harsche Kritik nach sich, und verbale Demütigungen, z.B. Sätze wie: "Hab ich es euch nicht gesagt? Die Blueyes sind dumm, faul und unfähig!" waren die Regel.

Zum Abschluss des Projektes um 12 Uhr sollten die Mitglieder beider Gruppen die Gefühle, die sie während der Diskussionen hatten, in drei Worten schildern.

Dabei kamen folgende Begriffe auf:

Bei den Browneyes Bei den Blueyes
Schlecht wehrlos
Schuldig machtlos
Hilflos benachteiligt
Manipuliert schutzlos
Mächtig unwohl
Gut nervös
Zwiespältig gestresst
Bevorzugt und dadurch schlecht aggressiv
Unangenehm angespannt
Erleichtert, kein Blueye zu sein diskriminiert
Komisch das Gefühl sich "abblocken" zu müssen
Verunsichert geschockt
Überlegenheit, als etwas Falsches sprachlos

Keines dieser Gefühle war gespielt. Wir haben dies alles tatsächlich so empfunden, obwohl wir ja eigentlich wussten, dass das Ganze nur "gespielt" und Browneyes in Wirklichkeit unsere Freunde waren. Wir waren schockiert darüber, wie schnell man jemand fertig machen kann! Und wir haben uns Gedanken darüber gemacht: Für uns war es ein "Spiel" von 3-4 Stunden, für andere sieht so ihr ganzes Leben aus!

Vorurteile gegenüber Minderheiten, Ausländern, Farbigen etc. werden oft übernommen, ohne darüber nachzudenken - und in diesem Licht werden Angehörige dieser Gruppen dann auch betrachtet. Das bedeutet, dass alles, was die so Diskriminierten machen, nur die "Richtigkeit" des Vorurteils bestätigt. So entsteht ein Teufelskreis, aus dem keiner ausbrechen kann.

Wer diese Erfahrung nur aus der Theorie kennt, aber noch nie am eigenen Leib erlebt hat, kann dies gar nicht so nachvollziehen, wie wir es nach diesem Rollenspiel tatsächlich empfunden haben.

Nina Bosch, LG 53

 
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