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Planmäßig misshandelt - Workshop "blue eyed - brown eyed" mit Nachwirkungen (10/2002)
Am 9. Oktober wurden uns die Auswirkungen von Rassismus und Diskriminierung anhand eines ungewöhnlichen Projektes nahegebracht:
Die Teilnehmer des ganztägigen Workshops "blue eyed - brown eyed" wurden zunächst getrennt nach ihrer Augenfarbe. Es gab 11 sogenannte "Blueyes", die Blauäugigen, und 21 "Browneyes", Braunäugige.
Während wir Blauäugigen zu zehnt in ein winziges Zimmer gesperrt wurden - ein Blueyes wurde sofort total isoliert - "pflegten" die Browneyes bei Kaffee, Tee und Kuchen erfundene Vorurteile gegen die Blueyes. Nach 1 1/2 Stunden wurden wir in das Zimmer zu den Browneyes geschickt und mussten uns dort zwischen sie auf Hocker setzen, ohne Blickkontakt zum Vordermann. Die drei ersten mussten sogar auf dem Boden sitzen.
Zum Abschluss des Projektes um 12 Uhr sollten die Mitglieder beider Gruppen die Gefühle, die sie während der Diskussionen hatten, in drei Worten schildern. Dabei kamen folgende Begriffe auf:
Keines dieser Gefühle war gespielt. Wir haben dies alles tatsächlich so empfunden, obwohl wir ja eigentlich wussten, dass das Ganze nur "gespielt" und Browneyes in Wirklichkeit unsere Freunde waren. Wir waren schockiert darüber, wie schnell man jemand fertig machen kann! Und wir haben uns Gedanken darüber gemacht: Für uns war es ein "Spiel" von 3-4 Stunden, für andere sieht so ihr ganzes Leben aus! Vorurteile gegenüber Minderheiten, Ausländern, Farbigen etc. werden oft übernommen, ohne darüber nachzudenken - und in diesem Licht werden Angehörige dieser Gruppen dann auch betrachtet. Das bedeutet, dass alles, was die so Diskriminierten machen, nur die "Richtigkeit" des Vorurteils bestätigt. So entsteht ein Teufelskreis, aus dem keiner ausbrechen kann. Wer diese Erfahrung nur aus der Theorie kennt, aber noch nie am eigenen Leib erlebt hat, kann dies gar nicht so nachvollziehen, wie wir es nach diesem Rollenspiel tatsächlich empfunden haben. Nina Bosch, LG 53
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