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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

Musik im Gespräch
Konzertreihe mit Roland Heuer

"Musikalische Leckerbissen für kulturelle Feinschmecker"
Das zweite Gesprächskonzert im Theaterkeller stieß auf überwältigende Resonanz

Rezension von Martin R. Handschuh

Kultur hat Tradition im Institut Dr. Flad. Schon seit über 20 Jahren dient der Theaterkeller als Podium für ausgesuchte Künstler, doch nun fand zum zweiten Male ein Konzert der besonderen Art in den umgestalteten Räumlichkeiten statt: Mit Roland Heuer und seinen Asperger Kammersolisten ist es Wolfgang Flad gelungen, eine Gesprächskonzertreihe zu etablieren, die in ihrer Art gewiss als außergewöhnlich gelten darf und dem kulturellen Anspruch der auserlesenen Gäste zweifellos gerecht wird. Und dies ist, auch den erläuternden Teil betreffend, vor allem dem Charme und Sachverstand des Begründers und künstlerischen Leiters der Reihe "Musik im Gespräch" zu verdanken, der jetzt im Mai "musikalische Leckerbissen für kulturelle Feinschmecker" auf den imaginären Speisezettel gesetzt hatte, und, dies sei schon vorausbemerkt, gewiss nicht als Schaumschläger agierte, sondern als Meisterkoch die verwöhnten Gaumen zu kitzeln vermochte. Viele Köche verderben den Brei - sagt der Volksmund, der hier indes ad absurdum geführt wurde, hatten doch Heuers Mitstreiter, Ikuko Nishida-Heuer (Violine), Friederike Baltin, Axel Breuch (Viola), Jan Pas und Joachim Hess (Violoncello), nicht unerheblichen Anteil am Gelingen des Sternemenus.

Im Focus standen dabei zwei Werke, die ihre Schöpfer auf dem Gipfelpunkt künstlerischer Reife zeigen: Zum einen Wolfgang Amadeus Mozarts Streichquintett C-Dur KV 515 , zum anderen das Vorspiel zu Richard Strauss' letzter und leider sehr selten aufgeführter Oper "Capriccio".

Unser « Maître de cuisine » ergeht sich nicht nur im Präsentieren der Ingredienzien, in der Themen- und Motivzergliederung, nein, spannt den großen Bogen zu Hintergrund und Entstehungsgeschichte der Meisterwerke, garniert den Vortrag mit sorgsam ausgewählten wie dargebotenen Musikbeispielen, pardon, Hors d' oevres, die Lust machen auf mehr, gemäß dem Grundsatz "docere et delectare".

Und alle Erwartungen sollten erfüllt werden. Schon das Quintett eine Offenbarung Mozartschen Gestus, das, elegant, beseelt, tiefsinnig und ausdrucksstark interpretiert, ein Höhepunkt dieser Gattung vorstellt.

Das im Jahre 1787 entstandene Werk spiegelt eben die Kunstfertigkeit seines Schöpfers auf allen Gebieten: Mozart, der Sinfoniker hie, Mozart, der Opernkomponist da. Und freilich der geniale Kammermusiker, der all sein Können aufbietet, vereinigt in dieser, und das ist wörtlich zu nehmen, Quint-Essenz. Kein Wunder also, dass sich hier Motive des zuvor in Prag frenetisch umjubelten "Figaro" zusammen mit denen des gerade entstehenden "Don Giovanni" ein muntres Stelldichein geben.

Die Asperger Kammersolisten zeigten sich souverän in der Ausführung, schon zu Beginn drängen sie stürmisch vorwärts, angetrieben vom kraftvoll zupackendem Dreiklangs-Motor im Cello, um sodann mit äußerster Präzision ein filigranes Flechtwerk aufzubauen. Gerade an solchen leisen, feinsinnigen Passagen, wie sie auch in Menuett und Andante vorzüglich gelangen, wird die Meisterschaft der Musizierenden evident. Dies auch dank der akustischen Verhältnisse im Institutskeller, die leider bei größerer Besetzung in den Fortestellen sich nachteilig auswirkt, den sonst sehr direkten, konzentrierten Klang ein wenig verschleiert. Im zweiten Satz entspinnt sich ein wahrhaft sinnlich-becircend ausgeführter Dialog, akkurat und mit Liebreiz, dem man eine fast schon erotische Dimension zuzuschreiben geneigt ist. Er lebt von der Anpassungsfähigkeit des Einzelnen, vom in sich stimmigen, ausgewogenen Gesamtbild, das die Kammersolisten zu malen wissen. Meisterhaft auch das Finale, das sich hier besonders heiter wie ausgelassen zeigte, von bestechender Virtuosität, die selbst in den behendedsten Läufen immer mit gehöriger Bedeutsamkeit gefüllt ist, mit zwei fulminanten Schlussakkorden ausklingt. Zweifelsohne ein großer Wurf, der den engagierten Interpreten darin gelang, dieses Zeugnis vollendeter Tonschöpfung werkgetreu und authentisch zu vermitteln.

Nicht weniger reizvoll erschien das folgende Streichsextett, das zu Beginn von "Capriccio", der letzten Oper Richard Strauss', erklingt. Der letzte Romantiker offenbart hier ein Füllhorn seines reichen Schaffens, mengt dem konservatistisch geprägten Spätstil Nuancen früherer, expressionistischer Phasen bei, lässt Klangwelten entstehen, die "klingen so alt und sind doch so neu". Man sieht sich gleich an den Schauplatz des Geschehens versetzt, den Salon eines Pariser Rokokoschlosses, wie ihn etwa Rochus Gliese 1942 als Bühnenbild für die Münchner Uraufführung entworfen hat, sobald die erste Violine mit dem bezaubernden Thema anhebt. Diese erscheint im weiteren Verlauf ganz vielgestaltig, birgt es doch liebendes Sehnen und dramatisches Potential in sich, dem die Ausführenden stets das notwendige Gewicht beigemessen hatten. Die anfangs vorherrschende strukturelle Klarheit wandelt sich ins Komplexe, die Streicher weben an einem dichten, ornamental verzierten Klangteppich, das Ausgangsmotiv hebt sich schwebend darüber ab, wirkt bis zu letzt irisierend, melismatisch und voller Verzückung zugleich, bevor es sich schließlich im Raum verliert. Dort brandet heftigster Beifall auf, nach mehreren Vorhängen muss ein Teil des letztgenannten Werkes wiederholt werden.

Es soll noch eine zweite Zugabe folgen, wieder Mozart, Adagio und Allegro f-moll "für ein Orgelwerk in einer Uhr" KV 594, das ebenfalls hervorragend und gefühlvoll wiedergegeben, nicht an den Zauber des späten Strauss heranzureichen vermochte. Doch nun zurück zum Leitmotiv des Abends, den "Leckerbissen". Diese wurden sodann, nach geistiger Erbauung, im ursprünglichen kulinarischen Sinne von der engagierten Studentenschaft des Instituts kredenzt, wobei der eindrucksreiche Abend in besonders ansprechender Atmosphäre ausklingen konnte. Eines jedoch scheint klar: Die Asperger Kammersolisten haben sich mit ihrer reifen ästhetischen und interpretatorischen Leistung in die Herzen der Zuhörer gespielt.

Martin R. Handschuh

 

7. Mai 2004: "Leckerbissen für kulturelle Feinschmecker"

Bilder zum 7. Mai 2004

Konzertreihe "Musik im Gespräch" im Theaterkeller des Instituts