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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

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Chemie ist nicht nur, wenn's raucht und stinkt

Chemie ist nicht nur, wenn's raucht und stinkt
Jahrmarkt der Chemie informiert auf dem Schlossplatz

Stuttgarter Zeitung vom 22.09.2003

Chemie ist praktisch überall drin und ein fester Bestandteil unseres Alltagslebens. Dies deutlich zu machen und dem Normalverbraucher die Angst zu nehmen vor einer Wissenschaft, die oft als Bedrohung empfunden wird, war am Samstag Ziel des Jahrmarkts der Chemie.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat das Jahr 2003 zum Jahr der Chemie erklärt. Und pünktlich zum Tag der offenen Tür der chemischen Industrie, an dem bundesweit mehr als 250 Unternehmen und 40 Hochschulen Einblicke in ihre Arbeit zuließen, hat das am Samstag auch in Stuttgart jeder über den Schlossplatz bummelnde Passant sehen, riechen und erfahren können. Denn dort haben die Universitäten Stuttgart, Hohenheim und das Institut Dr. Flad in Zusammenarbeit mit Chemie-Unternehmen aus der Region, Instituten des Landes und der Stadt zahlreichen Besuchern jeglichen Alters ein buntes Programm und viele interessante Experimente geboten.
An 14 Stationen gab es eine breite Palette an Wissenswertem rund um die Chemie im Alltag zu erfahren. Im Mittelpunkt: das rollende Chemielabor, ein 20 Tonnen schwerer Truck, der das ganze Jahr durch Deutschland tourt und sich vor Ort in ein voll funktionstüchtiges Chemielabor verwandelt, in dem verschiedenste Experimente durchgeführt werden können. Den Namen Justus hat der Truck in Erinnerung an den berühmten Chemiker Justus Liebig erhalten, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 200. Mal jährt. Dort präsentierte Professor Georg Schwedt aus Clausthal stündlich "chemische Experimente zur Belustigung und Belehrung", wobei die Belustigung im Vordergrund stand, die Belehrung ganz nebenbei gelang. Eröffnet hat die Veranstaltung Oberbürgermeister Wolfgang Schuster, der auch als Schirmherr des Jahrmarkts der Chemie fungierte und damit seinen Beitrag dazu leistete, das Image einer allgegenwärtigen, aber oft als "giftig" verschrieenen Wissenschaft aufzupolieren.

Auf die Dosis kommt es an
Dabei kommt es bei der Frage, was "gut" und was "giftig" ist, doch immer nur auf die Dosis an, so die Professoren Helmut Bertagnolli und Jens Christoffers von der Uni Stuttgart, die sich am Samstag neben vielen anderen mächtig ins Zeug gelegt haben, um "ihre" Wissenschaft dem Normalverbraucher nahe zu bringen. Denn nicht immer heißt "bio" automatisch gut und "chemisch" künstlich oder gar schlecht. Deutlich wurde das nicht nur am Informationsstand des Amts für Umweltschutz der Stadt. Wer sein Trinkwasser prüfen lassen oder wissen wollte, wie viel CO2 im Mineralwasser für angenehmes Prickeln sorgt, konnte sein Wasser mitbringen und es testen lassen oder sich Versuche aus dem Alltag eines Lebensmittelchemikers vorführen lassen.
Viele Fragen gab es zu beantworten auf dem Jahrmarkt der Chemie. Zum Beispiel: warum sind Smarties bunt? Kann man Lebensmittelfarbe schmecken? Oder: warum gelten 50 Milligramm Nitrat im Trinkwasser als Grenzwert, und ab wann wird's wirklich gesundheitsschädlich?

Wie kommt das Gen in die Tomate?
Auch die Ausrüstung der Feuerwehr hat viel mit dem Thema Chemie zu tun. So ermöglicht ein Mess- und Analysefahrzeug, das mit modernster Technik ausgerüstet ist, das schnelle Aufspüren toxischer Substanzen am Einsatzort, was wichtig ist für deren rasche Beseitigung. Denn nicht immer, wenn irgendetwas ausströmt und die Feuerwehr zu Hilfe gerufen wird, sind nur undichte Erdgasleitungen der Grund dafür. Dass bei der Lack- und Farbenherstellung die Chemie ebenso eine immense Rolle spielt wie bei der Lederbearbeitung, ist jedem klar, doch welche Rolle chemische Verbindungen in der Küche spielen, hat manche Hausfrau am Samstag auf dem Schlossplatz doch noch staunen lassen. Ebenso, dass Farben über Druck und Temperatur Auskunft geben können, womit an der Uni Hohenheim experimentiert wird. Und wer hätte gedacht, dass sich zum Beispiel die glibbrige Erbsubstanz von ganz normalen Tomaten mit Spülmittel, Salz, Eis und einem Mixer so einfach vor aller Augen sichtbar machen lässt?
Große Mühe gegeben haben sich die Veranstalter vor allem, um dem noch immer manchmal drögen Chemieunterricht in der Schule mit einfachen, aber spannenden Experimenten zu ergänzen. So soll das Heftchen "Chemie zum Mitmachen" schon Grundschülern die Angst vor einem der meistgehassten Unterrichtsfächer nehmen und dafür sorgen, dass Lern- und Experimentierfreude gefördert werden. Denn wirklich Feuer für die Chemie fangen kann nur, darüber sind sich die Experten einig, wer sich ans Experimentieren wagt. Erste Erfolge der Imageverbesserung zeigen sich schon: Nachdem 2001 nur 42 Studienanfänger in Stuttgart ihr Chemiestudium begonnen haben, liegen für das kommende Semester 180 Anmeldungen vor.