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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

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Projektarbeiten am Institut Dr. Flad

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Theater-Projekt am Institut Dr. Flad

Bericht von der Uraufführung am 19. März 2013 im Theaterhaus Stuttgart

Was bewegt die Menschen?

Passend zu seinem Titel hat das Theaterspiel zum Thema "Mobilität" die Premierengäste im Stuttgarter Theaterhaus zum Nachdenken bewegt. Unter der Leitung von Regisseur Andreas Frey ist am Institut Dr. Flad wieder ein Schülertheater der Extraklasse entstanden.

Von Christian Born

Bilder von der  Uraufführung am 19. März 2013 im Theaterhaus Stuttgart
Bilder von der Uraufführung am 19. März 2013 im Theaterhaus Stuttgart

Mit ihrem selbst geschriebenen Stück gingen die Schüler des Instituts der Frage nach, was Mobilität bedeutet und legten mit "Was die Menschen bewegt" in den Titel schon gleich eine Antwort hinein: Mobilität bezeichnet zum einen die Beweglichkeit (von lat. "mobilitas") des Menschen, zum anderen seinen motivationalen Antrieb: seine Ziele, Wünsche oder Leidenschaften.

Das Stück begibt sich auf die Suche nach den Beweggründen und Abgründen der menschlichen Existenz. Seinen Ausgangspunkt nimmt es in der "großen Wissen-Show" in Anspielung auf den bekannten Fernseh-Moderator Ranga Yogeshwar (alias Florian Mauthe). Gemeinsam mit Dr. Radnabe (Philipp Schmid) macht der Fernsehmann im Prolog des Stückes deutlich, dass es ihm nicht um Mobilität im Sinne von "Ortswechsel" geht. Um die Motive des Menschen aufzuspüren, startet Dr. Radnabe eine Umfrage in der Stuttgarter Fußgängerzone. Sein Ziel ist, Einblicke in die Seelen der Menschen zu erhalten. Zum Beispiel in die Existenz von "Rudolf K." (Albrecht Vaihinger), dessen Leben als bewegungslose Alltags-Routine von einem Vorleser (André Neumann) entlarvt wird. Die Demaskierung vollzieht sich gestisch vor den Augen des Zuschauers: Während Rudolf K. auf der Bühne gespielt wird, wird sein Leben für den Zuschauer durch Leinwand-Projektionen in einer Art Parallel-Universum als Farce entlarvt. In nichtssagenden Bildern entsteht ein Kaleidoskop des Stillstands, das dem Zuschauer einen Blick hinter die physische Handlung erlaubt. Es sind Kunstgriffe und Verfremdungseffekte wie diese, die diese Aufführung wohltuend von herkömmlichem Schultheater unterscheiden. Auch der Ort der Aufführung, das Stuttgarter Theaterhaus, verstärkt den guten Eindruck bei den Zuschauern. Regisseur Andreas Frey vom DEIN Theater inszeniert hier für das Institut Dr. Flad zum wiederholten Male ein Schülertheater mit Anspruch. Michaela Knepper (Kostüme/Maske) und Anette Haas (Requisite) haben die Schüler für die Premiere perfekt ausstaffiert. Und die Schüler danken es ihnen, indem Sie sich auf der Bühne in ihren selbst geschriebenen Rollen richtig austoben. In einer Inselszene mit Aladin (Michael Kerker), dem Kaiser von China (Naja Kwame), Ikarus (David Marek) und Dädalus (Philipp Schmid) führen die Schüler den Zuschauern auf unterhaltsame Weise vor, wie rasch der Mensch in seinem Drang nach Mobilität an Grenzen stößt, wenn ihm die Freiheit dazu fehlt. Überhaupt werden symbolträchtige Anspielungen auf philosophische Bilder und historische Persönlichkeiten verwendet, von Platons Höhlengleichnis bis hin zu Graf Zeppelin, dessen Geschichte von Kesia Flösch erzählt wird. Das Thema wird aber genauso im Alltag untersucht, ein Schulmädchen (Anna Süpple) beschreibt ihren obersten Beweggrund lapidar damit, dass sie "aufstehen muss". Eine Schlüsselszene des Stückes ist die "Zugfahrt", in der die Protagonisten wie Gebetsmühlen wiederholen: "Ich bin eine Bewegte" (Jennifer Guttroff, Sarah Stuhr). Das Stück rät dem Zuschauer damit, aktiv zu werden, sein Schicksal selbst gestaltend in die Hand zu nehmen. Dass man es dabei aber auch übertreiben kann, wird in der Szene mit der alten Dame (Nicole Löffler) und dem jungen Mädchen (Franziska von Bomhard) gezeigt, das immer in Bewegung ist und viele Existenzen lebt - aber keine richtig. Ja, was ist überhaupt richtig? Und was ist real? Auch dieser Frage widmet sich das Stück, indem es in der Szene "Kopfkino" räumliche Mobilität mit virtueller Realität vermischt. "Bewegung und Zeit sind wie bei Einstein relativ", sagt Jennifer Handrich ironisch, und surreale Bühnen-Utensilien verwandeln das Podium in einen visuellen LSD-Trip. Der Moderator holt die Zuhörer wieder in die reale Welt zurück, verbunden mit der Botschaft, dass wir Menschen uns bei unseren Bewegungen besser an Fakten halten sollten, um nicht vom rechten Weg abzukommen.

Mit dem Rap "I like to Move it" klang das Stück aus und riss die Zuschauer von den Sitzen, darunter auch Schüler und Lehrkräfte der befreundeten Schulen aus Singen und Ellwangen. Die Schauspieler ließen sich feiern und wurden von Schulleiter Wolfgang Flad mit den lobenden Worten bedacht: "Uns hat diese großartige Premiere schon sehr bewegt und wird uns in der nächsten Zeit sicherlich noch beschäftigen.". Jürgen Flad, sowie Michaela Knepper, Annette Haas und Andreas Frey vom DEIN Theater wurden inklusive Technik und der für das Programmheft verantwortlichen Elina Rul auf die Bühne gerufen. Die Schüler bedankten sich für die Hilfe bei der Regie, der Requisite, der Technik, den Film- und Fotoaufnahmen, kurz: für die große Unterstützung durch das Institut und die Theaterleute, die nunmehr schon zum zehnten Mal das Institut Dr. Flad professionell begleiten. Wolfgang Flad dankte Andreas Frey ausführlich für sein Engagement, überreichte ihm die Goldene Institutsnadel und verwies auf seine Philosophie: "Entweder man macht es richtig und arbeitet mit Profis - oder man lässt es bleiben."