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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.
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Theater-Projekte am Institut Dr. Flad

Im Jahr 2004 wurde das Projekt "Theater" am Institut Dr. Flad ins Leben gerufen. Seither haben viele begeisterte SchülerInnen sehenswerte Theaterstücke auf die Beine gestellt.

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Theater-Projekt am Institut Dr. Flad

Bericht von der Uraufführung am 7. April 2014 im Theaterhaus Stuttgart

Eine ganz neue Geschichte der Zeit

Das Theaterstück "Das Rätsel des Universums - die Zeit" wurde von 16 Schülerinnen und Schülern des Instituts Dr. Flad selbst entwickelt und am 7. April im Theaterhaus in Stuttgart aufgeführt. Unter der Leitung von Regisseur Andreas Frey (Dein Theater, Stuttgart) ist ein beeindruckendes Spiel mit der Zeit entstanden.

Pünktlich um 15 Uhr senkt sich das Licht im Stuttgarter Theaterhaus. Sphärische Musik setzt ein und das laute Ticken einer Uhr. Jeder im Saal erwartet jetzt den Beginn des Stücks. Doch das Unglaubliche geschieht: das Stück ist schon zu ende.

Die Schauspieler betreten die Bühne, um sich zu verbeugen und danach die Bühne zu verlassen. Das erste Klatschen gerät kurzerhand zum Schlussapplaus. Schon mit diesem ersten Kunstgriff macht das Ensemble klar: Dieses Theaterstück spielt mit der Zeit. So wird die Zeit im Stück mal eben auf den Kopf gestellt, gedehnt, gerafft, vor- und zurückgespult. Die Bühne wird zur Zeitmaschine.

Der Hausmeister, gespielt von Yasin Hira, fegt Hinterlassenschaften des Theaterpublikums zusammen, um sie in einer blauen Tonne zu entsorgen. Nebenbei grübelt er über die Inhalte des Stückes nach, das der Zuschauer ja erst noch sehen wird. "Was ist die Zeit? Was mache ich in 50 Jahren? Oder wenn ich tot bin? Was steht in tausend Jahren hier?" Er kommt nicht dazu, seine Gedanken zu Ende zu denken, denn während er reflektiert, kommen zufällig zwei Zeitreisende vorbei: Tick (Jennifer Höra) und Tack (Erdogan Kasisari). Sie benutzen ihre kleine Zeitmaschine, um sich das Stück zusammen mit dem Hausmeister (noch) einmal anzusehen.

Sie spulen zunächst die Zeit zurück, was dazu führt, dass die Protagonisten wieder die Bühne betreten und dabei rückwärts einmarschieren, bis der Hausmeister verlangt: "Machst du mal Stop?". Die Zeitreisen stoppen und unterbrechen das Stück, sinnbildlich für die ironischen Brechungen und Verfremdungs-Effekte der szenischen Theaterinszenierung.

Der Moderator (Uwe Weinand) das Publikum: "Haben Sie sich schon oft gefragt, wie man die Zeit am besten nutzen kann?" Die Spannung im Saal steigt. Die Antwort gibt der "Graue Mann" in Gestalt von Julia Gaus. Er rechnet einer Fladianerin (Ramona Weiß) ganz genau vor, wie viel Unterrichtszeit, unterrichtsfreie Zeit, Wochenendzeit usw. sie hat. Mit seiner "Zeitbilanz" gibt er ihr insgesamt den Tipp, mehr Zeit fürs Lernen verwenden. Und bevor das Publikum Zeit hat sich zu fragen, ob das mit dem Lernen wirklich als der Weisheit letzter Schluss gemeint ist, beschreibt das Stück die Relativität der Zeitempfindung: Ist eine Minute tatsächlich eine Minute? Der Zeitforscher Professor Unolapsis (Benjamin Kordes) sagt mit Einstein ganz klar: nein. Eine Minute ist dehnbar. Demnach hätte man zum Lernen vielleicht mehr Zeit, als man denkt. Doch das Stück beschleunigt derart das Tempo, dass der Zuschauer solchen Gedanken nicht nachhängen kann. Er wird einmal um die Welt durch alle Zeitzonen geschleudert, während das Stück von mit Hilfe der Zeitmaschine in alle zeitlichen Richtungen läuft. Eine Weltpremiere dürfte die Idee im Stuttgarter Theaterhaus gefeiert haben, ein Theaterstück wie eine DVD vor- und zurückzuspulen und mit verschiedenen Sprachen zu unterlegen. Die Zeitreisenden halten das Stück an, lassen es vorwärts und rückwärts laufen. Die Schauspieler Sarah Haseneder (als Mutter), Meike Wöhrer (als Tochter) und Veronika Breining (als Tante in Russland) spielen Szenen in Echtzeit via Zapping-Verfahren. Kurios. Das gibt den Schauspielern und Zuschauern die Möglichkeit, sich russische Sätze beim zweiten Mal auf Deutsch anzuhören. Vieles ist möglich angesichts bizarrer Szenen, in denen ein Vater (Alfred Müller) von seiner Tochter etwas Zeit geschenkt bekommt, die sie in ihrem Schuhkarton gesammelt hat. Oder in denen Burn Out als siechende Epidemie inszeniert wird, die unsere moderne Hektikgesellschaft wie ein Virus erfasst und die Nachrichtensprecherin (Erika Eggert) sowie die Korrespondentin (Melina Kraus) ereilt.

Wer aber hat nun Recht: Der cholerische Geschäftsmann (Benjamin Kordes), dem alles nicht schnell genug gehen kann - oder der sedierte Reggae-Hippie (Albrecht Vaihinger), den nichts aus der Ruhe (und in Fahrt) bringt? Schließlich sagt das Stück: "Wir warten doch alle auf denselben Bus." Vielleicht liegt auch hier wie so oft die Wahrheit in der Mitte.

Jedoch bleibt Vieles relativ, wie auch der schwäbische Tüftler und Zeitmaschinenerfinder (Isabel Mörk) konstatieren muss, als er bei der Aktivierung seiner Erfindung mitten im Kampf um Troja landet, wo die Menschen nicht nur sich selbst totschlagen, sondern auch die Zeit: "Deine Zeit ist abgelaufen" vermelden die Schicksalsgöttinnen (Stephanie Osswald & Co.).

So mahnt das Stück am Ende, mit der Zeit verantwortungsvoll umzugehen. Dies konnten die Zuschauer voll unterschreiben, denn sie wurden von den Schauspielern kurzweilig unterhalten und haben ihre Zeit sehr gut genutzt. Dies sprach Institutsleiter Wolfgang Flad in seiner bewusst zeitlich kurz gefassten Laudatio am Ende des Stücks offen aus. Er gratulierte zu einer sehr gelungenen Aufführung und dankte Michaela Knepper und Anette Haas, vom DEIN Theater. Regisseur Andreas Frey hat hier wieder ganze Arbeit geleistet. Er schilderte, wie die Zeit der Proben wie im Fluge verging und resümierte am Schluss: "Es mag auf den ersten Blick ungewöhnlich sein, dass ein Chemie-Institut ein Theaterprojekt inszeniert, aber auf den zweiten Blick sind viele Prozesse vergleichbar." Die Schüler lernen so, Ihre Themen zu vertreten, zu präsentieren und im Teamwork eine Leistung zu vollbringen, bei der man fürs Gelingen aufeinander angewiesen ist - wie in der modernen Arbeitswelt. So haben sie die Zeit hervorragend für ihre Zukunft angelegt.

Von Christian Born