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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.
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Theater-Projekte am Institut Dr. Flad

Im Jahr 2004 wurde das Projekt "Theater" am Institut Dr. Flad ins Leben gerufen. Seither haben viele begeisterte SchülerInnen sehenswerte Theaterstücke auf die Beine gestellt.

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Theater-Projekt am Institut Dr. Flad

Bericht von der Uraufführung am 20. April 2015 im Theaterhaus Stuttgart

Mut zur Angst

Ein Theaterstück zum Thema Angst? Dazu gehört Mut. Die SchülerInnen des Instituts Dr. Flad hatten ihn und führten unter der Leitung von Andreas Frey vom Dein Theater ein beängstigend gutes Stück im Theaterhaus in Stuttgart auf - selbst geschrieben und mit hohem persönlichen Einsatz gespielt.

Bilder von der  Uraufführung am 20. April 2015 im Theaterhaus Stuttgart
Bilder von der Uraufführung am 20. April 2015 im Theaterhaus Stuttgart

Jeder Schauspieler kennt es: das Lampenfieber. Aber normalerweise zeigt es keiner. Bei dem Stück "Mut zur Angst" jedoch ist alles anders. Hier werden viele Prinzipien des täglichen Lebens systematisch auf den Kopf gestellt: Die Schauspieler betreten die Bühne, doch statt ihr Lampenfieber geschickt zu überspielen, spielen sie unverhohlen damit. Thom Bo betritt als Redner die Bühne und sagt - nichts! Auch Giula Amato und Pierrick Haun betreten die Bretter, die die Welt bedeuten - und treten nach einigem Zittern und Zaudern unverrichteter Dinge wieder ab. Die Zuschauer stutzen und lachen. So etwas hat man im Theater bislang nicht gesehen. Ein Chor setzt ein und löst die Szene auf: Mit Zeilen wie "Wieso schaff' ich es nicht?" und "Das Lampenfieber bringt mich um!" unterstützen die SchülerInnen aus der Liederwerkstatt die Protagonisten des Stücks. Erstmals nämlich treten das Schülertheater und die Liederwerkstatt des Instituts gemeinsam auf. Beide haben eine wichtige Gemeinsamkeit: Sie haben ihre Stücke zum Thema Angst selbst geschrieben: Szenen, Texte, Musik, alles wurde von den Schülern selbst ausgedacht und im Theaterhaus uraufgeführt.

Ein Moderator (Norbert Eilts) bereitet das Publikum schonend auf die jeweiligen Szenen vor. Die Angst hat an diesem Abend viele Gesichter. Unter anderem das von Sebastian Wormser, der einen Neandertaler spielt und uns die Evolution unserer Urängste erklärt. Manchmal aber versteckt sich die Angst hinter Masken, wie bei dem Bären, der ihn frisst. So ist es mal ein offenes Spiel, mal ein Versteckspiel und mal ein groteskes Schauspiel mit der Angst. Alfred Müller etwa gibt verkleidet als Verkäufer des Produkts "No Worries" vor, ein Gegenmittel gegen Angst zu haben. Aber die Angst lässt sich dann doch nicht so einfach bekämpfen. Es wird klar: Die Angst ist der allgegenwärtige Begleiter unserer Existenz. Ob wir sie nun zeigen oder nicht, ob wir sie an uns heranlassen oder zu unterdrücken versuchen. "Mir geht es so super, das denkste wohl", singt der Chor der Liederwerkstatt, aber "Ich habe Sorgen und Ängste".

Hinter der Maske der Fröhlichkeit lauert oft die nackte Angst. Das Stück demaskiert Szene für Szene Sorgen und Ängste aller Art: Flugangst, Todesangst, Geldsorgen und Co. Doch obwohl die Angst dem Menschen auf Schritt und Tritt folgt, ist sie gleichwohl alles andere als seine beste Freundin, das müssen auch ein paar Schüler (Patrick Herold und Dennis Tomm) erfahren. Man spricht nicht gerne über seine Angst, schon gar nicht in der Öffentlichkeit. So ist es einer Tochter (Heidi Streiner) sehr peinlich, als ihre Mutter (Dilyana Hristova) laut für alle hörbar ihre Angst thematisiert. Aber ist es wirklich peinlich, Angst zu haben und über Angst zu sprechen? Die SchülerInnen machen die Probe aufs Exempel mitten in der Aufführung: Sie treten aus ihren Rollen heraus, betreten als sie selbst wieder Bühne und geben alle ausnahmslos, der Reihe nach, Sorgen und Ängste von sich preis. Damit zeigen Sie Ihrem Publikum mehr von ihrem Innersten als Schauspieler. Diese Ängste sind echt - nicht gespielt! Zeyneb Kirdar gibt den Schülern einen Einblick in den Alltag ihrer Heimatstadt Kirkuk (Irak), in der sie die Angst um ihre Familie und ihr Leben kennen gelernt hat.

Die Zuschauer beginnen an dieser Stelle zu ahnen, wie schwer es ist, seine Ängste zu offenbaren und gleichzeitig im Zaum zu halten - denn das Spiel mit der Angst, es muss ja weitergehen. Ein Höhepunkt des Stückes ist die Selbsthilfegruppe, die sich mit ihren Phobien gegenseitig so hochschaukelt, dass das Gegenteil der intendierten Therapie erzielt wird. Ein Teilnehmer (Marius Roscher) gibt vor, Angst vor Pausen zu haben - und die Pausenfüller der Zwangsneurotiker um ihn herum kulminieren zu komisch-phobischen Kettenreaktionen. Da ist Leben im Saal und man merkt, dass das Lachen uns von den Ängsten befreit, jedenfalls oft mehr als die Medizin. So versetzt ein Doktor (Luke Thurow) mit gnadenlosen Diagnosen seine Patientin (Gül Sekmen) in Angst und Schrecken. Ein Fahrlehrer (Colin Näser) kann seiner Fahrschülerin (Katharina Brenner) nicht die Prüfungsangst nehmen. Die Schauspieler und Autoren des Stücks legen dann auch noch Selbstironie an den Tag, als sie in der Laborszene den Institutsalltag mit auf die Schippe nehmen. Die Botschaft des Stückes kommt an: Es kommt drauf an, Ängste zu überwinden und mit der Angst zu leben. Die Angst als Schule des Lebens.

Am Ende der Vorstellung trat Regisseur Andreas Frey vom Dein Theater, Stuttgart mit sehr emotionalen Worten vor das Publikum: "Wir haben im Team, bei den Proben unsere Ängste offenbart, das war sehr persönlich", sagte er und lobte die Schüler für den Mut, mit dem sie sich auf das "Experiment Schülertheater" eingelassen haben. "Ihr habt eine Einheit gebildet, die hervorragende Ergebnisse zustande gebracht hat!" rief er den SchülerInnen zu und dankte ihnen für die tolle gemeinsame Zeit, die keiner der Mitwirkenden je vergessen wird. Die SchülerInnen bedankten sich bei Andreas Frey (Regie), Michaela Knepper (Maske, Requisiten) und Norbert Eilts (Sprechtraining) für die großartige Betreuung durch das Dein Theater und überreichten Andreas Frey einen Geschenkkorb mit einer Regieklappe.

Institutsleiter Wolfgang Flad lobte die hervorragende Co-Produktion zwischen dem Schülertheater und der Liederwerkstatt des Instituts und holte auch deren Leiter, Sergio Vessely, auf die Bühne. Zum Abschluss beglückwünschte Wolfgang Flad alle Mitwirkenden zu Ihrem Mut zur Angst und unterstrich dabei die Wichtigkeit der Persönlichkeitsbildung durch bildende Institutionen: "Wer aus der Schule so rausgeht, wie er reingekommen ist, der ist so trostlos dran wie ein Patient, der ein Krankenhaus unverändert verlässt."