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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

Dieter Baumann zu Besuch im Institut

23. November 2010

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"Laufende Gedanken"
Olympiasieger Dieter Baumann besucht das Institut Dr. Flad

größer 1997 wurde dem Institut Dr. Flad als erste baden-württembergische Bildungseinrichtung die Auszeichnung "Schule ohne Rassismus" verliehen. Kein Geringerer als Olympiasieger Dieter Baumann ist seither Schirmherr dieses Projektes. Nicht nur auf den Mittel-und Langstreckendistanzen beweist er Ausdauer. Seinem ersten Besuch im Jahr 1996 folgten weitere; u.a. leitete er einen Doping-Workshop.

Als Dieter Baumann 1992 in Barcelona Olympiasieger über 5 000 Meter wurde, waren etliche der vielen Schüler, die den Großen Hörsaal füllten, noch gar nicht geboren. Anlass für den Schulleiter Wolfgang Flad also, den Gast näher vorzustellen. Geboren wurde er 1965 in Blaustein; im Laufe seiner imposanten Karriere hat er über 40 deutsche Meistertitel über unterschiedliche Distanzen gewonnen. Die Krönung seiner sportlichen Laufbahn: der Olympiasieg in Barcelona sowie die Auszeichnung "Sportler des Jahres". 2003 beendete Dieter Baumann seine Profi-Karriere und arbeitet seither als Trainer, Berater, Motivator und Kolumnist. Des Weiteren ist er auf vielfältige Weise sozial engagiert. Seit geraumer Zeit kann man ihn auch auf den Brettern diverser Kabarett-Bühnen erleben, aktuell mit dem Programm "Körner-Currywurst-Kenia".

Obwohl er sportlich nur von afrikanischen Läufern besiegt wurde, sind ihm seine Erfolge nicht zu Kopf gestiegen. Ganz im Gegenteil: Auf Anhieb gewann Dieter Baumann die Sympathien seiner Zuhörer und Schulleiter Wolfgang Flad stellte zu Recht fest, er sei "oiner wie mir".

Baumann neustes Buch "Laufende Gedanken" enthält Kolumnen, die er regelmäßig sowohl für das Fachmagazin RUNNER´S WORLD als auch für die taz verfasst. Der eine Beitrag beschäftigt sich mit dem Laufen, der andere deckt inhaltlich völlig unterschiedliche Themen ab. Verletzungspech, Klimaschutz, Menschenrechte, sogar Aristoteles sind Gegenstand der taz-Kolumne. Die Betrachtungen des antiken Philosophen über "Die Lust und das Glück" können problemlos auf das Laufen übertragen werden. "Laufen kann jeder", so das Credo von Dieter Baumann. Nur müssen die guten Vorsätze auch in die Tat umgesetzt werden. Hierbei hilft ein Lauftagebuch, das akribisch geführt werden sollte und in dem auch durchaus tagespolitische Dinge (Stichwort Stoiber) auftauchen dürfen.

Anschließend machte unser Gast seiner Heimatstadt Tübingen quasi eine Liebeserklärung:Tübingen ist Grünen-Hochburg und Tübingen läuft das ganze Jahr. Im September steht der Stadtlauf auf dem Programm, im Juli der 100 Kilometer-Staffellauf, im Dezember der Nikolauslauf. Beim Staffellauf nehmen/nahmen unterschiedlichste Gruppen teil, u.a. die "Emmas", eine reine Frauengruppe, die es sogar verschmähte, den Quotenmann und Olympiasieger Baumann als "Mitläufer" zu akzeptieren. Trotzdem belegte die Mannschaft einen beachtlichen Platz, allerdings verwandelten sie sich beim folgenden Lauf in "lahme Enten ohne Erpel". Dass eine große Portion Humor einer Kolumne durchaus gut tut, bewies noch eine weitere Kostprobe aus dem neuen Buch mit dem Titel "Was heißt Ehrenpreis?" Voller Stolz erwirbt einer der weltbesten Läufer einen Bierkrug mit der Gravur "Ehrenpreis im Laufen, Turnverein zur Linde, 1896". Gibt es da einen Zusammenhang mit der Olympiade von 1896 in Athen? Welches Geheimnis steckt hinter der ominösen Inschrift? Jäh reißt ihn dann der Sohn aus allen Träumen. Dieser hat dank Internet-Recherche herausgefunden, dass das kostbare Glas ein ganz banales ist.

Köstlich ist auch die Kolumne, die Ereignisse in Peking schildert. Am letzten Olympiatag steht traditionell der Marathon-Lauf an. Allerdings hat die deutsche Mannschaft im Jahr 2008 ein Problem: Es gibt keinen talentierten Läufer. Also "bewerben" sich einschlägig bekannte Sportfunktionäre (Th. Bach), Fernsehgrößen (W. Hartmann, H. Schmidt) und Politiker (W. Herrmann) um den Posten. Comedy pur! Das Publikum war begeistert.

Ein großer Sportler zeichnet sich nicht nur durch Ehrgeiz, Motivation, Ausdauer u.ä. aus, sondern auch durch Fairness und Respekt gegenüber seinen sportlichen Konkurrenten. Das verdeutlichte Dieter Baumann am Beispiel des Mittel-und Langstreckenläufers Oniki. Auf der Laufbahn war der Kenianer einer seiner härtesten Widersacher. Privat aber verbindet die beiden eine enge Freundschaft.

Der Höhepunkt der Veranstaltung, die wie im Flug verging, war sicherlich die Präsentation eines Videos, das die Schlussphase des 5000 Meter-Laufes zeigte. Seit diesem Olympiasieg eilt Dieter Baumann der Ruf voraus, entweder der ewige Gewinner, der Bewegungsexperte ("Was, Sie laufen nicht, sondern fahren Taxi?") oder der Zahnpastamann zu sein.

Abschließend hatte das Publikum Gelegenheit, Fragen zu stellen:

  • Wie oft sollte man trainieren? (3 mal pro Woche)
  • Wie lange sollte man als Anfänger laufen? (10-15 Minuten)
  • Wie sollten Trainingseinheiten aufgeteilt werden? (in viele kleine)
  • Wie war das mit dem Doping? (unendliche Geschichte)

Gebannt und gespannt hörten sich die Zuhörer den Doping-Krimi an.

Reich beschenkt mit etlichen echten Kriminalromanen verabschiedete sich der Referent mit dem Versprechen, uns wieder zu besuchen. Wer weiß, vielleicht betreut der Olympiasieger demnächst eine Institut Dr. Flad-Staffel? Wir freuen uns darauf!


Angela Schmitt-Bucher

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