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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

"Apotheker ohne Grenzen - Hilfe, die ankommt."

Vortrag von Dr. Reinhard Behm, Apotheker ohne Grenzen Deutschland e.V., für PTA 15

3. Juni 2013

Apotheker ohne Grenzen - Hilfe, die ankommt.

Am 3. Juni besuchte Dr. Reinhard Behm, ein aktiver Mitarbeiter der Organisation Apotheker ohne Grenzen, den PTA-Lehrgang 15 am Institut Dr. Flad, um die Arbeit der Organisation vorzustellen.

Nachdem Dr. Reinhard Behm Chemie an der Universität in Rostock studierte und dort auch promovierte, arbeitete er einige Jahre in der Fleischforschung.
Anschließend studierte und unterrichtete er Physiologie.
Nach der Wende 1989 siedelte er in den Südwesten Deutschlands über und arbeitete am Pharmazeutischen Institut in Heidelberg, wo er wiederum vorwiegend in der Forschung tätig war (vor allem auf dem Gebiet Hypertension und dem Salz-/Wasserhaushalt des Körpers).
Bevor er schlussendlich bei "Apotheker ohne Grenzen" ein ehrenamtlicher und sehr aktiver Mitarbeiter wurde, arbeitete er unter anderem bei einer Tochterfirma der großen Pharmafirma Pfizer.

Bei dem Vortrag jedoch ging es vor allem um die Organisation "Apotheker ohne Grenzen".

Diese wurde im Jahr 2000 gegründet und zählt mittlerweile etwa 1.000 Mitglieder.
Es ist eine gemeinnützige und regierungsunabhängige Organisation, die sich aus Mitgliedsbeiträgen und Spendengeldern finanziert.
Das Hauptaugenmerk ihrer Arbeit liegt auf den Notfalleinsätzen nach Naturkatastrophen und auf langfristigen Entwicklungsprojekten.
Als aktuelle Beispiele sind hier unter anderen Pakistan (Erdbeben im Oktober 2005) und Sri Lanka (Tsunami um Weihnachten 2004) zu nennen.

Auch, wenn "Apotheker ohne Grenzen" meist nicht mit den Ersthelfern in die Krisengebiete kommt - in den ersten Momenten nach einer Naturkatastrophe werden vor allem Ärzte benötigt - leistet die Organisation wertvolle und nachhaltige Hilfe im Bezug auf die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung und auf die Schulung der Einheimischen.

So werden die Mitarbeiter in den Krankenhäusern und Gesundheitsposten vor Ort mit materieller, aber vor allem mit praktischer Hilfe unterstützt. Medikamentenspenden werden verteilt, das Personal geschult und die Bevölkerung mit Hilfe von Seminaren zum Beispiel auf die Wichtigkeit von Hygiene hingewiesen. All das geschieht in Kooperation mit Organisationen aus aller Welt (Caritas, "Action contre la Faim", "Ärzte ohne Grenzen" etc.).

In Pakistan stand nach dem Erdbeben am 8. Oktober 2005 die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln und essentiellen Hilfsgütern im Vordergrund.
Dort, in Manserha, wurde intensiv mit den Organisationen "Mercy Corps", "Action contre la Faim" und den ortsansässigen pädiatrischen Einrichtungen zusammen gearbeitet.
"Apotheker ohne Grenzen" war hier vor allem für die Besorgung der Arzneimittel und die Unterstützung der pakistanischen Einrichtungen zur Arzneimittellogistik zuständig.

Moldawien gilt als eines der ärmsten Länder Europas. Obwohl die Bevölkerung im Allgemeinen eine sehr gute Bildung besitzt, ist die wirtschaftliche Lage seit der Unabhängigkeit des Landes dramatisch.
Der Schwerpunkt der Projekte in Moldawien liegt auf der medizinischen Versorgung von Neugeborenen und Kindern. "Apotheker ohne Grenzen" betreut in einigen Städten die Kinderkrankenhäuser und beliefert sie mit medizinischen Geräten, Medikamenten und grundlegenden Ausrüstungsgegenständen.
Außerdem unterstützt "Apotheker ohne Grenzen" die PTA-Schule in der Hauptstadt Chisinau mit Geräten, Reagenzien und Lehrmaterial.

Hier zeigt sich wieder der Grundsatz der Organisation "Apotheker ohne Grenzen": "Hilfe zur Selbsthilfe" - nicht kurzfristige Hilfe, sondern Schulung und Ausstattung der Bevölkerung auf lange Sicht.

Auch in Nepal ist "Apotheker ohne Grenzen" vor Ort. Das von einem langen Bürgerkrieg gezeichnete Land gilt als eines der ärmsten Länder weltweit. Zwar wurde die Monarchie durch Rebellen im Jahre 2007 beendet - doch der Schaden an Wirtschafts- und Gesundheitssystem ist verheerend. Seit Jahren wurde nicht in das Gesundheitssystem investiert, so dass das Niveau der medizinischen Versorgung sehr niedrig ist.
"Apotheker ohne Grenzen" setzt sich dort vor allem dafür ein, dass die Mitarbeiter der "Gesundheitsposten", die es im ganzen Land gibt, geschult und mit dem Nötigsten versorgt werden. Außerdem müssen grundsätzliche Hygienestandards und einfache, aber wichtige Dinge wie z.B. die korrekte Lagerung und Verteilung der Medikamente von Grund auf in Workshops vermittelt werden.

In den letzten Jahren konnten in den meisten Einsatzgebieten deutliche Verbesserungen im Bezug auf die medizinische Versorgung verzeichnet werden.
Und durch umfangreiche Bildungs- und Weiterbildungsprogramme wird dem einheimischen Personal genügend Hilfe an die Hand gegeben, so dass auch die zukünftige Gesundheitsversorgung gewährleistet werden kann.

Wir bedanken uns herzlich bei Dr. Reinhard Behm, der mit seinem interessanten und ausführlichen Vortrag ein umfassendes Bild der Arbeit bei "Apotheker ohne Grenzen" gegeben hat.

Sandra Schweikert