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Wettbewerb für Berufliche Schulen auf dem Schlossplatz präsentiert

Entschuldigungsmanager und Menschenrechte
beo - Wettbewerb für Berufliche Schulen auf dem Schlossplatz präsentiert

Stuttgarter Zeitung vom 29.04.2006

Über 90 Gruppen aus beruflichen Schulen in Baden-Württemberg haben ihre Projekte bei der Landesstiftung eingereicht. 22 wurden von der Jury ausgewählt. Seit fünf Jahren gibt es den beo-Wettbewerb - erstmals dürfen die Schüler auf dem Schlossplatz zeigen, was sie erarbeitet haben.

Vor sieben Jahren klagte das Kollegium des Berufsvorbereitungsjahrs, kurz BVJ, der Luise-Büchner-Schule Freudenstadt: "Wir gehen daran kaputt!" Damit meinten die Lehrer das schlechte Arbeitsklima, die Minderwertigkeitskomplexe der Schüler und die daraus folgenden mangelhaften Leistungen. "Wir wollten uns solidarisieren, mit den Schülern und untereinander", erklärt Ilona Gasser, Lehrerin des BVJ. Ihre Kolleginnen Birgit Gerweck und Petra Kubela entwickelten das Konzept "betriebliches Management in der Schule". Zu Beginn des Schuljahrs bewerben sich die Schüler auf verschiedene Posten im Klassenverbund, wie etwa den Entschuldigungs- oder Finanzmanager. An Stelle des Klassensprechers tritt der Betriebssprecher. Der "Jour fixe" bringt Lehrer und Schüler in einer Art Betriebsversammlung zusammen. Am Ende des Schuljahrs werden Arbeitszeugnisse erteilt. "Das Selbstbewusstsein wird immens gestärkt", sagt Gasser, "und sie üben Kompetenzen, die im Berufsleben wichtig sind."

"Rechte, sagst du, soll ich haben?", fragen sich Schüler des Berufskollegs des Instituts Dr. Flad aus Stuttgart in ihrem in Eigenregie umgesetzten Theaterstück. In kurzen Szenen thematisieren sie die Menschenrechte, verlangen eine Schule ohne Rassismus. Nicole Möß, die mit Mitschülern das Projekt vorstellt, betont: "Es war ein großer Zeitaufwand, aber hat uns allen viel für die Persönlichkeit gebracht."

Auch Andreas Mink, Beikoch-Azubi an der Hauswirtschaftlichen Schule Ost in Stuttgart, habe bei der Projektarbeit viel gelernt. Die Reaktionen von autistischen Menschen einschätzen zum Beispiel. Im betrieblichen Teil der Ausbildung im Christlichen Jugenddorf arbeitet er mit autistischen Jugendlichen. "Im Unterricht tauchten dann die Fragen auf", erzählt Lehrerin Beate Bönninger. Was ist Autismus? Warum sind die anders? Die angehenden Köche informierten sich und andere Klassen und entwarfen für ihre autistischen Kollegen ein Bilderkochbuch.

Auf die besten Beiträge des Wettbewerbs verteilt die Landesstiftung Baden-Württemberg Preisgelder im Wert von 145.000 Euro, die Gruppen stellen an diesem Samstag bis 16 Uhr ihre Projekte vor.

Weitere Informationen unter: www.wettbewerb-bs.de

 

Lesen Sie dazu auch im Benzolring online:
Institut Dr. Flad unter den Gewinnern von "beo", Wettbewerb für Berufliche Schulen