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7. Stuttgarter Chemietage zurück zu den 7. Stuttgarter Chemietagen
Stuttgarter Nachrichten Extra Chemie-Nobelpreisträger Jean-Marie Lehn diskutierte mit Schülern über sein Forschungsgebiet "Was mich vor allem interessierte, war, wie er überhaupt dazu gekommen ist, sich mit der Chemie allgemein zu beschäftigen. Das wurde schnell klar: "Wenn ich mir überlege, was aus den kleinsten Teilchen gemacht werden kann, dann fasziniert mich das einfach", erklärte der französische Wissenschaftler. Detailliert und mit Hilfe von Dias zeigte er, woran er forscht. Sein Schwerpunkt sind "Supra-Moleküle", also komplizierte Verbindungen von Molekülen. Lehn rechnet damit, dass die Forschung in diesem Bereich wichtige Erkenntnisse für die Medizin bringen könnte. Möglicherweise helfen sie bei der Bekämpfung von Erbkrankheiten oder Aids. Aber auch auf dem Gebiet der Informationsverarbeitung können seiner Meinung nach die Molekülverbindungen in Zukunft wichtig werden. Immer wieder bewies Lehn eine optimistische Grundeinstellung zu wissenschaftlichen Errungenschaften und Entdeckungen. Daraus ergab sich eine heiße Diskussion darüber, ob die genetische Veränderung von Lebensmitteln sinnvoll ist. Jean-Marie Lehn sagte, er habe keinerlei Bedenken, genmanipuliertes Obst oder Gemüse zu essen. Schließlich wisse er genau, was verändert worden sei. Seiner Meinung nach ist das Risiko für die Menschen dabei auch nicht größer als bei der herkömmlichen Methode der Pflanzenzucht: der Kreuzung. Bei dem Gespräch zeigte der Professor, dass er nicht nur sein eigenes Fachgebiet perfekt beherrscht. Übrigens: Zur Chemie kam er, weil ihn immer schon bewegt hat, wie alles funktioniert, welche Möglichkeiten einfachste Substanzen bieten, wenn man dies nur wahrnehmen will. Eine Erkenntnis, die man sich ruhig zum Motto machen kann - nicht nur in Hinsicht auf die Chemie."
Andreas Märklin
Glück für die Chemie Seinen Standpunkt unterstrich Professor Lehn mit Argumenten, die von Lebenserfahrung zeugen. Jedes Wort ist ein Beleg seiner Begeisterung für die Chemie, der er eine große Zukunft voraussagt, allen Unkenrufen zum Trotz. Er hält es für unsinnig, den Fortschritt aufhalten zu wollen, indem man nicht mehr weiterforscht, um sich der Verantwortung zu entziehen. Dabei hält er es wie Dürrenmatt: "Was einmal zu Ende gedacht worden ist, kann nicht mehr zurückgenommen werden." Ein Glück dass Lehn sich hauptberuflich für die Chemie entschieden hat - schwankte er doch zwischen Chemie und Philosophie; letztere hat er aber nie völlig aus den Augen verloren.
Vera Lindemer |