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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

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Bier, Babyöl, Essigessenz

Prof. Dr. Alfred Flint

Institut für Chemie, Didaktik der Chemie, Universität Rostock

Freitag, 4. Oktober 2013, 15.15 Uhr
Vortrag am Institut Dr. Flad, Großer Hörsaal

Prof. Dr. Alfred Flint: Bier, Babyöl, Essigessenz Prof. Dr. Alfred Flint: Bier, Babyöl, Essigessenz Prof. Dr. Alfred Flint: Bier, Babyöl, Essigessenz

Prof. Dr. Alfred Flint
Bier, Babyöl, Essigessenz

Als Leiter der Abteilung Didaktik der Chemie an der Universität Rostock hat sich Prof. Flint mit der Frage beschäftigt, wie der Schulstoff der Chemie die Schüler am besten erreicht und wie langfristig das schlechte Image der Chemie bei Schülern überwunden werden kann. Dabei kann er auf eigene Unterrichtserfahrung zurückgreifen und beobachtet aber auch täglich, welche Vorurteile in der Bevölkerung chemischen Produkten gegenüber vorhanden sind und wie Biologie und Chemie gegeneinander ausgespielt werden. Sein Einstieg in seinen Vortrag erfolgte mit einer Werbeanalyse, die diese Vorurteile ausgiebig bedient.

Deshalb hat er für seine Arbeit den Grundsatz aufgestellt, die Schüler müssen anhand von Alltagsprodukten, die sie in jedem Supermarkt kaufen können, an einem roten Faden durch die Chemie geführt werden und sie müssen vom Anschaulichen zum Abstrakten kommen. Das verlangt möglichst häufig Schülerexperimente mit möglichst billigen und ungefährlichen Ausgangsstoffen.

Prof. Dr. Alfred Flint: Bier, Babyöl, Essigessenz Prof. Dr. Alfred Flint: Bier, Babyöl, Essigessenz

Aufgrund der geringen Experimentiermöglichkeiten mit Kohlenwasserstoffen plädiert er auch dafür, mit den Alkoholen anstatt mit den Alkanen die Unterrichtsreihe Einführung in die organische Chemie zu beginnen. Beim Einstieg über den Trinkalkohol mit der Möglichkeit, bei alkoholhaltigem Bier im Gegensatz zum alkoholfreien Bier den Alkohol abzudestillieren, ist Interesse der Schüler geweckt. Im Weiteren kann die Brennbarkeit von Alkohol und damit die daraus hervorgehende Gefahr durch Anzünden eines Erfrischungstuchs leicht und eindrücklich veranschaulicht werden. Auch kann das Ethanol-Wassergemisch thematisiert werden. Die unterschiedliche Löslichkeiten von Zitronensäure und von Babyöl in Abhängigkeit von der Alkoholkonzentration können im Experiment beobachtet und dann erklärt werden.

Bei der Besprechung der Alkane rät er im Zusammenhang mit Erdöl und Erdgas das Thema Fracking zu problematisieren und in einem Versuch die Grundlagen der schlagenden Wetter zu demonstrieren. Darüber hinaus brachte er auch einen Versuch mit, bei dem Gas in Aktivkohle gespeichert wurde, was durch eine Verringerung des Gasvolumens deutlich erkennbar wurde. Die Brennbarkeit des durch Desorption wiedergewonnen Gases wurde eindrucksvoll durch Entzündung an einem Teelicht gezeigt, indem man das Gas auf einer geneigten Metallrinne zur Flamme absteigen lässt.

Prof. Dr. Alfred Flint: Bier, Babyöl, Essigessenz Prof. Dr. Alfred Flint: Bier, Babyöl, Essigessenz

Bei den Mehrfachbindungen brachte er Versuche zum Thema Cracken von Hexan und Pentan mit, in dem er Holzöl zusammen mit einem metallenen Topfschwamm als Katalysator im Reagenzglas erhitzte. Die Brennbarkeit des Crackproduktes im Gegensatz zur schweren Entflammbarkeit des Holzöls wurde ebenfalls demonstriert.

Bei den Halogenalkanen stellte er zunächst einerseits Chlor mittels Kaliumpermanganat und Salzsäure, zum anderen Ethin aus Wasser und Calciumcarbid her. Im flüssigen Medium ließ er dann die beiden Stoffe reagieren und erzeugte damit eine Flamme unter Wasser.

Um zu den Salzen der Carbonsäuren zu kommen, stellte er Sicherheitsbrennpaste her. Hier schlug er auch vor, wieder vom herkömmlichen Lehrplan abzuweichen, und aus einer Stearinkerze und Rohrfrei Seife herzustellen.

Den Veresterungsprozess verdeutlichte er mittels Zitronensäure und Kühlerfrostschutz und produzierte damit lange Polyesterfäden, die allerdings aufgrund ihrer Wasserlöslichkeit nicht kleidungstauglich sind.

Seine Doktorandin Frau K. Anscheit demonstrierte die Versuchsreihe mit großer Ruhe und Geduld und es wurde uns in Aussicht gestellt, dass wir die Versuchsreihe im Internet finden, sobald ihre bereits abgegebene Dissertation mit gutem Ergebnis durch die Prüfungskommission gegangen ist. Wir wünschen ihr damit viel Erfolg.

Christine Weber

 
größer - Foto Prof. Dr. Alfred Flint
Bier, Babyöl, Essigessenz. Foto Prof. Dr. Alfred Flint

Eine alltagsorientierte Unterrichtseinheit zur Einführung in die Organische Chemie

Auf Basis der Konzeption "Chemie fürs Leben" wird eine Unterrichtseinheit vorgestellt, nach der man in die Organische Chemie in der Sekundarstufe I unter Berücksichtigung eines hohen Lebenswelt- und Alltagsbezug einführen kann. Dabei erfolgt der Einstieg nicht auf dem klassischen Weg über die Alkane, Alkene und Alkine, sondern über den "Trinkalkohol" und die Stoffklasse der Alkohole. Dadurch ergeben sich, abgesehen von dem Lebensweltbezug, gerade zu Beginn der Einheit auch deutlich mehr Gelegenheiten für (Schüler-)Experimente, von denen einige demonstriert werden.

Workshop mit Prof. Dr. Alfred Flint: Chemie fürs Leben Lesen Sie dazu auch:
Samstag, 5. Oktober 2013, 10.00 Uhr
Workshop mit Prof. Dr. Alfred Flint:
Chemie fürs Leben
 
Prof. Dr. Alfred Flint

Prof. Dr. Alfred Flint

Leiter der Abteilung Didaktik der Chemie an der Universität Rostock. Wesentliches Anliegen seiner Forschungsarbeiten ist die Entwicklung von Unterrichtseinheiten für die Sekundarstufen I und II unter dem Aspekt "Chemie fürs Leben".

 

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