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Florian Pfeiffer (Affalterbach) BOGY-Praktikum am Institut Dr. Flad 14. - 16. April 2003
Bei Ankunft im CHF kam mir nach kurzen Orientierungsschwierigkeiten ein Schüler des Instituts - erkennbar an dem klassischen weißen Chemikermantel - zu Hilfe und so traf ich kurz nach 9 Uhr im Institut ein.
Frau Frey, meine Kontaktperson im Institut, saß mit meinen 2 Mitpraktikanten schon im Gespräch am Tisch. Nach einer kurzen Begrüßung wurden wir sogleich über die Ausbildungsmöglichkeiten, Ausbildungsdauer und Inhalte unterrichtet. Das ist deshalb von Bedeutung, da man als "Fladianer" zwischen 3 Ausbildungszweigen von je 2 Jahren Dauer wählen kann. Das wären der klassische Chemisch-technische Assistent, der Umwelttechnische Assistent und der Pharmazeutisch-technische Assistent. Diese unterschiedlichen Ausbildungen erfordern demnach auch verschiedene Ausbildungsschwerpunkte, also andere Stundenpläne und andere Praktika. Das erste Jahr werden alle Schüler gleich unterrichtet, im zweiten Jahr spezialisiert man sich dann auf ein Thema.
Die Ausbildung kostet 630 € pro Semester und dauert 2 Jahre. Man hat auch die Möglichkeit neben dem staatlichen Abschlussexamen die Fachhochschulreife oder ein internationales Diplom für CTAs abzulegen. Es wird also eine umfangreiche Ausbildung komprimiert auf 2 Jahre angeboten.
Ebenso erfuhren wir noch einige Details zur Geschichte des Hauses, von der recht risikoreichen Gründung der Schule im Jahr 1951 bis zum heutigen Stand, wo 300 Schüler die Schule besuchen und die Schüler des 53. Abschlussjahrganges ihr Examen schreiben.
Nun aber kam der praktische Teil, nachdem wir die Versuche zur qualitativen Bestimmung von Stoffen durchgesprochen hatten wurden die Versuche im Labor umgesetzt. Es wurden Reaktionen durchgeführt, anhand derer man Bestandteile eines Stoffes identifizieren kann.
So konnten wir Carbonat, Nitrat (nach Umwandlung in Nitrit) und Chlorid mittels Beobachtungen an den Reaktionen direkt nachweisen. Diese Versuchsreihe nahm die restliche Zeit bis zum Mittagessen in Anspruch.
Als nächster Programmpunkt war der Besuch einer Unterrichtsstunde Stöchiometrie eingeplant, Dozentin war Frau Frey, die uns vorab mit den Übungsblättern versorgte, damit wir dem Unterricht formal folgen konnten. Stöchiometrie ist quasi die Mathematik in der Chemie, es werden Dinge wie Massen-, Volumen-, und Stoffmengenkonzentration oder Massen-, Volumen-, und Stoffmengenanteil ausgerechnet.
Nach dieser Stunde Theorie ging es wieder ins Labor zur qualitativen Analyse, nun wurde mittels Spektroskop die Flammenfärbung verschiedener Stoffe beobachtet, dabei ist je nach Inhalt des Stoffes eine andere Färbung im Lichtspektrum der Flamme zu sehen. So hat Natrium charakteristisch einen gelben Streifen in der Flamme.
Nach Durchführung der Basisversuche gab man jedem von uns ein unterschiedliches Stoffgemisch bestehend aus je 2 verschiedenen Verbindungen. Aufgabe war es das nun gleich aussehende weiße Pulver auf den Stoff hin zu untersuchen und zwar mit den von uns vorab durchgeführten Versuchen. Man hat also mit dem Stoff noch mal alle Versuche wiederholt und das diesmal ohne vorher zu wissen, wie die Reaktion ablaufen müsste, sondern durch eigene Beobachtung am korrekt aufgebauten und durchgeführten Versuch.
Am zweiten Tag kamen wir zur quantitativen Untersuchung eines Stoffes, also zur Mengenbestimmung. In diesem Zusammenhang lernten wir das Titrationsverfahren kennen.
Zuerst wurde der Korrekturfaktor der von uns Hergestellten Natronlauge berechnet. Dies ist nötig, da das Natriumhydroxid hydrophil ist und es dadurch je nach Luftfeuchtigkeit zu Abweichungen in der Konzentration kommt.
Mittels der hergestellten Natronlauge-Maßlösung und unter Verwendung von Phenolphtaleinlösung als Indikator wurde nun der Gehalt einer Salzsäure errechnet.
Grundsatz bei der Titration ist es immer mehrere Proben zu analysieren und daraus den Mittelwert zu ziehen, da dabei durch Messfehler nur eine unerhebliche Verfälschung der Messung entsteht.
Diese Messung wurde vom Laborleiter auch eingesammelt, korrigiert und bewertet. So wie dies bei den ordentlichen Schülern üblich ist.
Als Abschluss des 2. Tages wurde von uns Essigsäure untersucht, wie sie auch zur Herstellung eines Salates verwendet wird. Der Essigsäuregehalt wurde auf der Flasche mit 5% angegeben.
Nach Auswertung von 6 Proben und errechnen der Konzentration an Essigsäure kamen wir auf einen Gehalt an 4,8% Essigsäure. Zu beachten ist aber die Genauigkeit mit der wir mit dem Titrationsverfahren den Gehalt eines Stoffes feststellen können.
Am letzten Tag meines Praktikums wurde von uns die Wasserhärte des Stuttgarter Wassers bestimmt. Wir gingen wie gehabt mit dem Titrieren vor, haben diesmal aber statt Natronlauge eine andere Lösung namens Titriplex III verwendet. Bei dieser Lösung fiel demnach auch der Korrekturfaktor weg, da die Luftfeuchtigkeit hier keine Rolle spielt. Unsere Bestimmung ergab einen Wert von 14,54°d.
Der größte Versuch war zugleich auch mein letzter Versuch. Wir stellten Acetylsalicylsäure / Aspirin selbst her. Dieser Versuch war deshalb so umfangreich, da wir die von uns hergestellte Lösung erst erhitzen, abkühlen und filtrieren mussten. Dennoch waren am Schluss die "Aspirinkristalle" deutlich sichtbar. Anbei erfuhren wir noch einige interessante Details rund um das Bayer Produkt.
Bei unserem Abschlussgespräch wurden Meinungen ausgetauscht und alle noch ausstehenden Fragen beantwortet.
Die unkomplizierte Anmeldung zum Praktikum und die professionelle und interessante Durchführung hinterlassen einen durchweg positiven Eindruck.
Ich persönlich habe in den 3 Tagen Praktikum durchaus einen Einblick in das Schulleben gewinnen können, u. a. dadurch begünstigt, dass ich einen Schüler der diesjährigen Abschlussklasse kenne. Auf jeden Fall hat aber der praktische Teil des Praktikums die Schulchemie eines Gymnasiums in den Schatten gestellt. Sicher ist es aufgrund der mangelnden Ausstattung der Schulen nicht immer möglich Versuche praktisch durchzuführen, aber dadurch geht auch der Spaß an der Sache verloren. Ich habe deshalb einem Kollegen aus dem Chemie LK mitgeteilt, dass es am Institut Dr. Flad die Möglichkeit gibt, an Samstagen Experimente durchzuführen (siehe Experimentiersamstage am CHF).
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