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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.
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Theater-Projekte am Institut Dr. Flad

Im Jahr 2004 wurde das Projekt "Theater" am Institut Dr. Flad ins Leben gerufen. Seither haben viele begeisterte SchülerInnen sehenswerte Theaterstücke auf die Beine gestellt.

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Bilder von der Aufführung
Bericht
Programmheft
Theater-Projekt am Institut Dr. Flad

 

Bericht zur Uraufführung am 3. April 2017

Orte für Worte
Ein Theaterspiel zum Thema Kommunikation

Bilder von der Uraufführung am 3. April 2017 Monatelang hatten 15 Schüler/innen recherchiert, inszeniert und intensiv geprobt.
Anfang April war es dann endlich soweit: Vor vollbesetzten Rängen fand im Theaterhaus Stuttgart die Premiere des Stückes „Orte für Worte“ statt. Unter der Leitung von Regisseur Andreas Frey vom „Dein Theater“ stand dieses 14. Theaterprojekt des Institutes ganz im Zeichen des Themenkomplexes Kommunikation.

Communicare-teilen, gemeinsam machen: Der Mensch ist als soziales Wesen auf Kommunikation angewiesen. Ohne sie kann keine Entfaltung gelingen. Die Kommunikation selbst kann dabei auf mannigfache Art und Weise stattfinden.
Das bewiesen die Teilnehmer des Theaterprojektes gleich zu Beginn ihrer Aufführung.

Das Institut Dr. Flad ist ein Ort der Vielfalt, nicht nur in sprachlicher Hinsicht. Unterschiedliche Herkunftsländer, unterschiedliche Kulturen prägen die jungen Darsteller, wie in ihrer kurzen Vorstellungsrunde deutlich wurde.

Doch so groß die Unterschiede auch sein mögen: Mittels Kommunikation wächst man als Gruppe schnell zusammen, wie die Darbietung von Mark Twains legendärer „Abhandlung“ über das „Hottentottenland“ bewies. Zunächst wurde dieser vergnügliche Text über die Abgründe speziell der deutschen Sprache in eben dieser gemeinsam von der Schauspieler-Truppe dargeboten. Dann die Überraschung: Hottentottenland wurde auch auf Italienisch, Irakisch, Kurdisch, Polnisch, Russisch und Serbokroatisch vorgetragen, sodass die Zuschauer auf sehr amüsante Art die Herkunftsländer der Teilnehmer erfuhren. Sprachliche Kommunikation einerseits als Transportmittel für Humor, für befreiendes Lachen, andererseits als eine Möglichkeit, Grenzen bzw. Schranken durch ein gemeinsames Tun zu überwinden.

Communicare-teilen gemeinsam machen; das Gegenüber teilhaben lassen am eigenen Leben, sich aber auch für das interessieren, was anderen wichtig ist, sich austauschen, eine Beziehung herstellen. Dass dies durchaus funktioniert, zeigten die Schüler auf sehr eindrucksvolle Weise. Fortan verbindet man mit jedem von ihnen eine sehr spezielle Fertigkeit bzw. ein sehr persönliches Interesse, sei es Sport, Musik, arabische Lyrik etc. Einer der Höhepunkte des Stückes war sicherlich die satirisch angehauchte Szene „Kochen mit Pellegrini“. Dabei wurden die Zuschauer über die Herstellung einer klassischen Pizza belehrt. Der Lacherfolg war garantiert.

Wie wichtig reibungslos funktionierende Kommunikation ist, demonstrierten die jungen Schauspieler an den Beispielen Feuerwehr, Polizei und Rathaus.
Im Vorfeld der Aufführung hatten sie sich mit deren spezifischen Kommunikationsstrukturen beschäftigt und Interviews dazu geführt. Andere „Orte für Worte“ wie das Lindenmuseum, das Haus der Geschichte oder das Landgericht wurden ebenfalls vorgestellt.

Die Kommunikation des Militärs nimmt eine Sonderrolle ein. Sie beruht in der Regel auf Befehl und Gehorsam. Doch wenn jeder die Kommandos nur isoliert für sich selbst ausführt, ohne auf die Gruppe als Ganzes zu achten, kann dies schnell zum Chaos führen. Miteinander statt Gegeneinander ist gefordert. Der Mensch ist ein Gesellschaftswesen, er ist auf andere angewiesen, sei es nur, dass man eine gemeinsame „Marschrichtung“ abspricht, statt dass alle "auf der Stelle treten".

Kommunikation kann mitunter überraschend gut funktionieren. Die Szene "Passanten" bewies dies. Die Projektteilnehmer hatten wildfremde Menschen auf der Straße angesprochen und sie gebeten, sich spontan fotografieren zu lassen. Welch ein Spaß!

Dass gesungene Botschaften sehr berührend sein können, demonstrierte Sina Kaufhold mit ihrer Interpretation von "Over the Rainbow". Gelungene nonverbale Kommunikation, nämlich mittels Tanz, wurde den Zuschauern ebenfalls dargeboten. Mit Unterstützung der "New York City Dance School" hatten die Darsteller eine Tanzeinlage einstudiert.

Doch kann Kommunikation auch misslingen: Man(n) will nur seine Ruhe, ist mundfaul, Frau will wissen, was er tut, denkt und legt ihm Worte in den Mund, die er so nie gesagt hat. Schnell ist der reinste Krach im Gange.

Wenn Sender und Empfänger von Nachrichten nicht die gleiche "Wellenlänge" haben, funktioniert Kommunikation schlecht oder gar nicht. Die Szenen "Rundfunk" und "Halleyscher Komet" waren hierfür Paradebeispiele.

Schließlich der Klassiker: der Mann, der sich von seinem Nachbarn einen Hammer ausleihen möchte. Ein harmloser, alltäglicher Vorgang, der aber wegen einer Fehlinterpretation des Verhaltens des imaginären Nachbarn eskaliert. Ja, Kommunikation bietet tatsächlich "Anlass zum Unglücklichsein" (Paul Watzlawick).

Den Abschluss der Aufführung bildete eine "chemische" Interpretation von G. E. Lessings "Ringparabel". Aus drei Ringen werden drei Kolben.

Wie gesagt: Kommunikation kann auf sehr unterschiedliche Weise stattfinden, sei es in Form von Information, Verstehen, Miteinander, Gegeneinander, Schweigen, Lachen.…

Was aber nicht geht, haben die Schüler während ihrer langen Probezeit gelernt: Man kann nicht "nicht kommunizieren".

Das Theater(spielen) ist ein Herzensanliegen von Schulleiter Wolfgang Flad. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass Schülern, die eine Ausbildung zum CTA, PTA oder UTA absolvieren, über Monate hinweg die Gelegenheit geboten wird, ihre Schauspieltalente unter Anleitung von Profis zu entdecken und auszuleben. Die Zuschauer der Premierenfeier bedankten sich für die gelungene Vorstellung mit tosendem Beifall.

Abschließend richtete Regisseur Andreas Frey einen eindringlichen Appell an das junge Publikum: Redet miteinander, tauscht euch aus, interessiert euch für gesellschaftspolitische Fragen. Diese Art der Kommunikation bereichert mehr als das stupide Starren auf das Handy.

Die Kommunikation zwischen Zuschauern und Schauspielschülern des Institutes findet ihre 15! Fortsetzung. Nächstes Schuljahr steht das Thema Ordnung-Unordnung auf dem Programm. Freuen wir uns also jetzt schon auf die nächste Premiere im Theaterhaus Stuttgart.

Angela Schmitt-Bucher