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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

Musik im Gespräch

Konzertreihe mit Roland Heuer

Musikalische Leichtigkeiten erheiterten den Theaterkeller
Die "Asperger Kammersolisten" zeigten sich von ihrer lustigsten Seite

Freitag, 10. Oktober 2008
Theaterkeller im Institut Dr. Flad

"Humor ist eines der besten Kleidungsstücke, die man in der Gesellschaft tragen kann" wusste weiland William Makepeace Thackeray. Und so hatte Wolfgang Flad als vollendeter Gastgeber diese Garderobenvorschrift für den geselligen Konzertabend im Theaterkeller mit "musikalischen Leichtigkeiten" der Asperger Kammersolisten gewählt. Der Untertitel " Was ein Streichquartett nach getaner Arbeit so spielt" lässt eine harmlose Plauderei aus dem Geigenkästchen vermuten, doch die Musiker, Roland Heuer, Ikuko Nishida-Heuer (Violine), Xaver Paul Thoma (Viola) und Joachim Hess (Violoncello), hatten nicht nur neckische Causerien einzustreuen, sondern eine facettenreich schillernde Bonbonière mit erlesenen Köstlichkeiten herumgereicht.

Den Auftakt machte dabei eine ganz außergewöhnliche, frühe Komposition Paul Hindemiths, welche heute noch ebenso frappierend für Erheiterung sorgt wie anlässlich der Uraufführung vor 85 Jahren bei den Donaueschinger Musiktagen und von ihrer erfrischenden Modernität nichts eingebüßt hat: "Minimax, Repertorium für Militärorchester". Schon der Titel wirkt komisch, er ist als Huldigung an das junge Fürstenpaar, dessen Spitznamen dafür herhalten musste, gedacht, paradox wirkt auch die Besetzungsangabe "Militärorchester", ist in Wahrheit doch ein Streichquartett ganz unverdächtig im Sinne der Haager Landkriegsordnung.

Kompositionstechnisch greift das sechsteilige Werk tief in die Klamottenkiste der musikgeschichtlichen Unmöglichkeiten, es überhöht vielerlei sinnentleerte, überholte Konventionen, parodiert und karikiert nicht nur vermittels Dissonanz und rhythmischer Inkongruenz, sondern spielt vor allem mit den Erwartungen des geschulten Publikums, welche alle gar nicht lehrbuchmäßig, damit aber umso mehr erheiternd, enttäuscht werden. Als glanzvolle Komödianten präsentierten sich die Asperger Kammersolisten, die nicht nur jeder Note ein süffisantes Schmunzeln zu entlocken vermochten, sondern auch mimisch-gestisch aufzutrumpfen wussten.

Vergleichbare Geselligkeiten waren auch im Hause Strauss beliebt, so komponierte der 17-jährige Richard seine "Variationen über: ‚'s Deandl is harb auf mi' für eine Aufführung im großväterlichen Pschorr-Keller. Auch hier spielt das Zitat und seine Versetzung in einen gänzlich unvermuteten Kontext eine entscheidende Rolle, auch wenn nichts oberflächlich erscheint, und das Humoristische nicht so offenbar hervortritt. Die Ausführenden boten eine stimmige Interpretation des anspruchsvoll konzipierten Stückes, dem schon deutliche Anklänge an Guntram, Rosenkavalier oder die späteren sinfonischen Dichtungen abzulauschen waren.

Verschiedenartige Stile zu parodieren ist auch das Anliegen der "Variationen über ‚O du lieber Augustin'" von Friedrich Zipp, welches den sehr gelehrten Untertitel "Metamorphosen eines Gassenhauers im Stil berühmter Komponisten" trägt. Handwerklich solide und mit Wiedererkennungswert finden sich ein üppiger Händel, ein klassisch schöner Beethoven, ein romantisch verklärter Schubert, ein liebreizender Chopin, ein empfindsamer Mendelssohn, ein pastoraler Reger, ein atonaler Schönberg und ein mikrokosmischer Bartók in der Ahnengalerie nebeneinandergereiht.

Mit ihrer detailgetreuen Portraitierung riefen die "lustigen Kellermusikanten" beim Publikum überschwängliche Begeisterung wie fröhliche Ausgelassenheit hervor und boten damit den gelungenen Abschluss eines unvergesslich unterhaltsamen Konzertes, das den Künstlern sichtlich ebensolche Freude bereitet hat wie den Zuhörern.

Martin R. Handschuh

 

10. Oktober 2008: "Musikalische Leichtigkeiten"

Bilder zum 10. Oktober 2008

Konzertreihe "Musik im Gespräch" im Theaterkeller des Instituts