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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.
 

Bedřich Smetana

Aus meinem Leben

Asperger Kammersolisten
Roland Heuer, Violine
Ikuko Nishida-Heuer, Violine
Axel Breuch, Viola
Joachim Hess, Violoncello

Freitag, 19. Mai 2017, 19.00 Uhr
Theaterkeller im Institut Dr. Flad

Klingende Lebensbilder in hochromantischem Stil

Ovationen für Smetanas musikalische Autobiographie im Theaterkeller

größer "Ihr führt ins Leben uns hinein, / ihr laßt den Armen schuldig werden, / dann überlaßt ihr ihn der Pein;/ denn alle Schuld rächt sich auf Erden", lautet die zweite Strophe des Liedes, das Wilhelm Meister während seiner Lehrjahre aus der Kammer eines Wirtshauses vernimmt.

Die Stimmung dieser wehmütigen Klage des Harfners, ja die Anklage gegen die Mächte des Himmels, ist Friedrich Smetana ebensowenig fremd, wie die schmerzvolle Erinnerung an eigene Schuld, die ihn in die Situation gebracht hat, in der er 1876 mit der Komposition seines ersten Streichquartetts begann: die vollständige Ertaubung, gepaart mit einem sich steigernden Tinnitus als Folge seiner Syphilis-Erkrankung.

Der äußere Anlass, Bilanz zu ziehen, sich sein bisheriges Leben zu vergegenwärtigen, Rechenschaft abzulegen, mündet in diesem Falle in einen kompositorischen Impuls, dessen großartige Schöpfung eine der wenigen unverholenen, in Noten gesetzten Selbstbiographien der Musikgeschichte darstellt.

größer Um dieses gewiss nicht unproblematische Werk haben sich die "Asperger Kammersolisten", Roland Heuer, Ikuko Nishida-Heuer (Violine), Axel Breuch (Viola) und Joachim Hess (Violoncello) besonders verdient gemacht. Vor allem der Umstand, dass bei einer klingenden Biographie das Wort eine besondere Rolle spielt, namentlich wenn der Schöpfer dazu ausführliche Anmerkungen hinterlassen hat, verlangt eine behutsame Annäherung. Jede explizit ausgesprochene (und dann kompositorisch umgesetzte) Programmatik leitet die Phantasie des Hörers in gewisse Bahnen - auch für die Interpreten eine Medaille mit zwei Seiten.

Glänzend dabei die Einführung von Roland Heuer, in der als Auftakt nicht nur das berühmteste Werk des Meisters, die "Moldau", in einer Suite en miniature dargestellt, sondern sowohl die Hintergründe der Entstehung des Streichquartetts e-Moll als auch dessen kompositorische Textur unter die Lupe genommen wurden.

Bemerkenswert ist dabei, dass der gereifte und erfolgreiche Meister - er ist bereits 52 Jahre alt - sich zur Verwirklichung seines höchstpersönlichen Anliegens einer Gattung bedient, die ihm völlig fremd ist. So verwundert es auch wenig, wenn das symphonische und musikdramatische Denken die Anlage des Werkes bestimmen. Der volle, fein balancierte Streicherklang, farbenreich wohltönend, dabei sehr abwägend ausdifferenziert, mit fabelhaften Solo-Passagen bot hochromantischen Genuss vortrefflicher Güte.

Wenn schon im ersten, der Jugendzeit gewidmeten, Satz der leitmotivische Warnruf des bevorstehenden Schicksals anhebt, spürt man die bedrückende Befangenheit dieser Retrospektive, die die Musiker auf dezente Weise ebenso vermitteln wie das nur scheinbar unbeschwerte tänzerische Zusammensein der höheren Gesellschaft im folgenden "Quasi Polka".

größer Die mit treffsicherem Gespür für theatralisch wirksame Darstellung dargebotene Romanze zeigte gekonnt ein facettenreiches Sentiment, die der Komponist jedoch von allzu großer Tiefsinnigkeit, die letztlich wohl auch nicht zu Gebote gestanden hätte, unbelastet beließ.

Diese Kräfte mussten aufgespart werden für das "Vivace", das Gipfelsturm und Ruhm des Meisters als Nationalkomponist zu Beginn setzen, ein "Heldenleben", freilich in kleinerer Münze, in das mit dem viergestrichenen "e" der Dolchstoß des Tinnitus dringt. Leise Hoffnungsschimmer weichen Resignation und Schicksalsergebenheit, die voller Kümmernis um die Fortsetzung des Schaffensprozesses in einem drastischen Signum münden, drei Pizzicati, die fast schon nicht mehr klingen...

Das große Verdienst der "Asperger Kammersolisten", dieser weniger bekannten Komposition in so treffsicherer wie hellsichtiger Manier die Ehre gegeben, einen gekonnt illustrierten Bilderbogen eines Künstlerlebens präsentiert zu haben, wurde mit gewohnt großem Beifall bedacht.

Die als Zugabe gespielte Polka aus dem Jahre 1859, die Smetana seiner Ehefrau zugeeignet hatte, und welche böhmisches Musikantentum im besten Sinne aufscheinen ließ, fordert jedoch zu der Frage heraus, ob der Komponist nicht in diesem Werke sich selbst und der Musik näher gewesen ist, als in seinem klingenden Lebenslauf.

Martin R. Handschuh

 

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Konzertreihe "Musik im Gespräch" im Theaterkeller des Instituts