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Besuch bei Manfred P. Kage auf Schloss Weißenstein am 13. September 2003

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Um 9 Uhr starteten wir mit 25 Personen vom Institut aus in Richtung Schloss Weißenstein. Die Neugier, was uns bei Professor Manfred Kage erwarten würde, war groß und so schrumpfte die Fahrzeit von einer Stunde auf scheinbar wenige Minuten.
Zunächst war man von dem Anblick des Schlosses und des massiven Tores sehr beeindruckt. Das Schloss wurde erstmals 1241 urkundlich erwähnt und bereits 1643 findet man einen ersten Stich des Schlosses bei Merian. Nachdem Manfred Kage diesen "Rohdiamanten" im Jahr 1971 erwarb, obwohl er das Schloss nur vermitteln sollte, wurde dieser Stück für Stück "geschliffen", also in kostspieliger Weise renoviert. Den Ausschlag für den Kauf gab die wunderschöne Schlosskapelle, die leider noch nicht vollständig restauriert werden konnte, aber dennoch einen herrlichen Anblick bietet.

Um auf die Person von Manfred Kage etwas näher einzugehen, der uns außerordentlich freundlich und gleichsam mit offenen Armen empfing, muss man zuerst einmal wissen, dass er die vergleichbare Ausbildung absolvierte wie wir sie durchlaufen und zwar vor 50 Jahren (1953-55) am Institut Dr. Flad, also Lehrgang 3! Anschließend arbeitete er bei der Firma Kalle in Wiesbaden im Anwendungstechnischen Labor zur Entwicklung von Tapetenkleister. Auch dort kam er mit der Mikroskopie in Kontakt, die ihn auch schon zu Ausbildungszeiten und zuvor fasziniert hatte; diese sollte sein weiteres Leben prägen!

Nach Arbeitsschluss beschäftigte er sich immer noch im Firmenlabor ein oder zwei Stunden mit Mikroskopie und richtete sich dabei ein eigenes kleines Labor ein. Dieses "Hobby" machte er schließlich zu seinem Beruf. Er strebte die Selbständigkeit an und entwickelte revolutionäre Methoden der Farbmikroskopie von Kristallen; einzigartig in diesem Bereich.

Seine Aufnahmen, Arbeiten und Veröffentlichungen waren sehr gefragt und der Schritt zur Selbständigkeit getan. Bereits mit 12 Jahren bastelte Manfred Kage sein erstes eigenes Mikroskop mit Hilfe von Fahrradteilen, einem Damenspiegelchen, Teilen aus einem "Volksempfänger" (einem Radio) und Bestandteilen eines Trichinen-Mikroskopes der Wehrmacht. Sehr beeindruckend!

1999 heiratete er seine Frau in der eigenen Schlosskapelle. Sie unterrichtete zuvor jahrlang in Hamburg Planktonmikroskopie, und da sage einer noch, dass die Arbeit nicht verbinden kann! Diesen überaus interessanten Mikrokosmos bekamen wir auch noch zu sehen und zwar in natura unter dem Mikroskop und in einem selbst hergestellten Film. Beeindruckende und atemberaubend schöne Aufnahmen von Radiolarien. Die mitgereisten Schülerinnen und Schüler waren "baff", was sich nicht alles in einem einzigen Wassertropfen finden lässt. Der Vormittag war einfach genial, geprägt von Vorführungen und Demonstrationen. Nicht zu Toppen, dachten wir und doch kam es ganz anders.

Nach einer kurzen Mittagspause in der ehemaligen Schlossküche mit einem deftigen Vesper folgte nun ein Workshop, den bestimmt kein Teilnehmer so schnell vergessen wird; man vergaß da höchstens, dass die Zeit so schnell verging, so faszinierend und lehrreich war dieser Ausflug in die Welt der Kristallzüchtungen. Jeder züchtete seine eigenen Kristalle und es kam stets zu verschiedenen Anordnungen, Unikaten, die immer wieder an große Künstler der Neuzeit erinnerten. Aber die Natur ist ja bekanntlich die Meisterin aller Künste! Es wurden Mikrofotografien von unseren Präparaten gemacht, von der Tochter Kage bearbeitet und auf CD gebrannt, die wir teilweise nun im Internet präsentieren können.

Im Anschluss an diesen tollen Workshop gab es noch leckeren Kuchen in großen Mengen und heißen Kaffee - keine Selbstverständlichkeit, da wir doch die ganze Familie Kage den Tag über in Beschlag genommen hatten. Ein letztes Highlight (wahrscheinlich wegen "guter Führung") war der Blick in die vielen und reichhaltig ausgestatteten Arbeitszimmer und Laboratorien des Ehepaars Kage. Dann war der Zeitpunkt des Abschieds gekommen. Wir bedankten uns sehr bei der Familie Kage für einen unvergesslichen Einblick in eine uns völlig unbekannte Welt.

Wir können nur jedem empfehlen, sich zu einem Besuch auf Schloss Weißenstein anzumelden. Zum Schluss noch ein Dankeschön an Wolfgang Flad, der die Idee zu diesem Besuch hatte und den Ausflug mit Manfred Kage organisiert hatte.

Lars Weishaupt und
Ralf Weishaupt, LG 53

 

mehr Bilder des Besuchs bei Manfred P. Kage auf Schloss Weißenstein
Bericht aus dem Kage-Institut für wissenschaftliche Fotografie über den Besuch der Fladianer
Artikel der Stuttgarter Zeitung:
"Ein Alchemist auf der Suche nach den Krümeln des Lebens"
Website von M. P. Kage: www.institut-kage.de
In unserer Institutszeitschrift Benzolring erschien 1982 der Artikel Visuelle Abenteuer - Unsichtbares sichtbar gemacht: Manfred Kage, Lehrgang 3
Im GEO Magazin Nr.2/Februar 2003 erschien der Bericht "M. P. Kage - Der Zauberer von Schloss Weißenstein" (S. 106-118). Das Heft kann online über die GEO-Website nachbestellt werden (Preis: 5,80 €)