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Visuelle Abenteuer - Unsichtbares sichtbar gemacht: Manfred Kage, Lehrgang 3
erschienen im Benzolring 1/1982

Manfred Kage Manfred Kages mikroskopische Zauberbilder "Video Science Art" war eine Ausstellung der Stuttgarter Keramikgalerie Kim betitelt, die jüngst gezeigt wurde. Zu sehen waren "Videomandalas, Kaleidografie, Kristallografie"-Begriffe, mit denen bestimmt nicht alle Besucher auf Anhieb etwas anzufangen wussten. Was sie erwartete, war ein Rausch von Farben und Formen, gebannt auf Großfotos und, sich kaleidoskophaft verändernd und neu ordnend, auf vier zusammen geschalteten Bildschirmen: Manfred P. Kages Mikroaufnahmen chemischer Stoffe und Kristalle, sichtbar gemacht und verfremdet mit den Methoden raffiniertester Technik.

Manfred P. Kage, Flad-Schüler vom Lehrgang 3, ist ein bekannter Mann. Sein "Institut für wissenschaftliche Fotografie und Kinematografie" kann sich vor Aufträgen naturwissenschaftlicher Verlage und der Industrie kaum retten. Denn seine Polarisations-Mikroaufnahmen sind viel mehr als wissenschaftliche Fotografie, es sind Kunstwerke, die auf den Betrachter eine eindrucksvolle Wirkung ausüben und die Phantasie erregen. "Ich möchte Kunst und Wissenschaft so weit wie möglich integrieren", erläutert Manfred Kage seine Vorstellung, und jedes Bild, jeder Film beweist diesen Anspruch, der sich ohne eine ursprüngliche Freude am Experiment, am Spiel nicht verwirklichen ließe.

Was Manfred Kage macht, hat natürlich mit Chemie zu tun - aber wie kommt ein Chemotechniker dazu, sich Weltruf als Fotograf und Filmemacher zu erringen? Eine normale Laufbahn ist das ja schließlich nicht.

Die Anfänge liegen weit zurück. Schon als Zwölfjähriger interessierte er sich für den Mikrokosmos; acht Jahre lang arbeitete er in der Arbeitsgemeinschaft Mikroskopie von Dr. Dieter Krause, Schriftleiter der Zeitschrift "Mikrokosmos", mit. Als er 1953 seine Ausbildung im Chemischen Institut Dr. Flad begann, konnte er bereits als Experte auf diesem Gebiet gelten. Nach anschließender fünfjähriger Tätigkeit bei Kalle in Wiesbaden, wo er ein Mikrolabor aufbaute, kehrte Manfred Kage 1960 nochmals für drei Jahre ans Institut Dr. Flad zurück: als Gastdozent für Mikroskopie.

Während seiner Wiesbadener Zeit hatte er Malerei studiert; aber dann wurde sein Ausdrucksmittel die Fotografie. Er entwickelte eine Linsenkombination, durch die er die farblosen Kristalle in den unwahrscheinlichsten Farben aufleuchten lässt. Visuelle Abenteuer: Unsichtbares sichtbar gemacht Durch Temperatureinwirkungen, Lösungsmittel und Luftströmungen beeinflusst er die kristallisierenden Substanzen unter seinem Mikroskop und macht so aus einer farblosen wissenschaftlichen Sachaufnahme ein Kunstwerk.

Inzwischen ist Manfred Kage weit über diese Anfänge hinausgekommen. Sein Domizil, das 700 Jahre alte Schloss Weißenstein im idyllischen Lautertal am Nordrand der Schwäbischen Alb, ist voll mit Elektronik. In einem supermodernen Videostudio komponiert er aus Licht und winzigen Bausteinen der Natur mit allen technischen Finessen wahre visuelle Sinfonien. Oder er setzt Musik in ein Spiel von Formen und Farben um, oder er videografiert Gebrauchsgegenstände zu Traumlandschaften, und, und, und ... Seine Kreativität und sein Können sind unerschöpflich; der Künstler Manfred Kage ist noch für manche Überraschung gut - und bei allem steht die Chemie Pate.

 

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