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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

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Musik im Gespräch

Konzertreihe mit Roland Heuer

Antonín Dvořák in Amerika
Streichquartett F-Dur, opus 96

Freitag, 01. April 2011
Theaterkeller im Institut Dr. Flad

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Böhmische Dörfer aus der Neuen Welt
Eine gelungene Expedition der "Asperger Kammersolisten" zu Antonín Dvořák in Amerika

größer Kaum ein Topos hat die Geschichte des 19. Jahrhunderts so geprägt wie der des Nationalen: seine politische Dimension beschreibt die Entwicklung eines Bewusstseins, das in die Gründung neuer Staaten mündete, wobei die Grundlage dieses Prozesses auf der Erkenntnis kultureller Identität fußt. Abgrenzungskriterium war zuvörderst die Sprache, die sich auch auf die musikalische Stilistik der wortgebundenen Gattungen prägend auswirkte, jedoch im Bereich der absoluten Musik naturgemäß keinen Einfluss hatte. Für Antonín Dvořák, der in Böhmischen Landen geboren worden und mit der tschechischen wie der deutschen Sprache aufgewachsen war, spielten die Bestrebungen zur Heranbildung eines nationalen musikalischen Idioms, die vor allem auf dem Gebiet des Musiktheaters maßgeblich von Smetana beeinflusst waren, eine besondere Rolle. Doch im Gegensatz zu jenem, der auch politisch ein glühender Verfechter der Nationalidee war, lässt sich bei Dvorák in der Entwicklung seines stets in Veränderung begriffenen Personalstils die Aufgeschlossenheit für neue Einflüsse erkennen.

Schon kurze Zeit nachdem er 1892 die Leitung des "National Conservatory of Music" in New York - unter der Prämisse, einen eigenständigen amerikanischen Stil heranzubilden - übernommen hatte, war er aufgrund ethnologischer Studien davon überzeugt, dass dessen Grundlage in der Musik der Schwarzen und der Indianer bestehen müsse. Kompositorisch hat diese Erkenntnis -neben der weithin bekannten 9. Sinfonie "Aus der neuen Welt"- in dem Streichquartett F-Dur op. 96 Niederschlag gefunden, welches die Asperger Kammersolisten, Roland Heuer und Ikuko Nishida-Heuer (Violine), Axel Breuch (Viola) und Joachim Hess (Violoncello) ins Zentrum einer detaillierten Auseinandersetzung stellten.

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Entstanden ist dieses bedeutende Werk binnen kurzer Zeit im Sommer 1893 während eines Urlaubsaufenthaltes im Kreise seiner Familie in Spillville, einem tschechisch geprägten Dorf im mittleren Westen. In der ausführlichen Einführung Roland Heuers wurde das Publikum mit den Eigenheiten der Indianischen Musik, welche auf einem pentatonischen System beruht, bekanntgemacht, um so zu erkennen, dass alle Hauptthemen des Stückes auf einer fünftönigen Leiter beruhen, manche sogar nur leichte Abwandlungen original indianischer Melodien sind, der die Würze synkopischer Rhythmisierung nach dem Vorbild der Spirituals und Gospels beigemengt ist.

In gewohnt überlegter Ausgestaltung näherten sich die "Asperger Kammersolisten" auf ihrer Expedition in den mannigfaltigen Kosmos der Dvorák’schen (neuen) Klangwelt mit Hingabe den vielen Einzelheiten und Eigenheiten, die ein besonders vielschichtiges, farbreiches - wie tiefes Bild in der Erinnerung hinterlassen sollte.

Energiereich und atmosphärisch spannungsvoll beginnt der Eingangssatz, dessen Hauptthema dank der pointiert ausgeführten rhythmischen Variation die ihm gebührende Vormachtstellung einnimmt und durch das gleichwohl bezaubernde zweite Thema hervorragend kontrastiert wird.

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Das Lyrische gerät erst im Lento zum Hauptmoment - allerdings mit dramatischer Komponente -, wenn die beiden Geigen in irisierendem Zwiegesang zu höchsten Gefühlsaufwallungen der Sehnsucht finden, um den Satz schließlich in abgedunkelter Stimmung verebben zu lassen. Ein eindrückliches Zeugnis von Naturerleben als Inspirationsquelle bietet der Beginn des 3. Satzes mit seinem auf Vogelstimmen basierenden Motiv, das nachfolgend in vielgestaltig, vor allem kontrapunktisch variiert wird.

In seiner rhythmischen Prägnanz gemahnt das Finale an den Beginn, wie dort, so herrscht auch hier eine vorwärtsdrängende, überschwängliche Stimmung vor, deren Ausufern lediglich durch die formalen Eigenheiten des Rondos verhindert wird. Hier zeigte sich nochmals das große Gespür der Musiker für fein abgestufte dramatische Wirkung, für die lebhafte Vermittlung des Kerngehalts des gesamten Werkes, welches sich nämlich nicht auf Zitat oder Nachahmung "amerikanischer" Themen beschränkt, sondern diese als Anregung verwendet für eine Verarbeitung im Stile des viel gerühmten böhmischen Musikantentums, und dies auf höchstem Niveau.

Hätte es hierfür nach dem warmherzigen wie langanhaltenden Beifall noch eines Beweises bedurft, so lieferten ihn die "Asperger Kammersolisten" mit der gleichfalls ausgefeilten Interpretation des Slavischen Tanzes Nr. 1 sowie des Walzers op. 54 Nr. 1.

Martin R. Handschuh

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Konzert am 01. April 2011

Konzertreihe "Musik im Gespräch" im Theaterkeller des Instituts