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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie, Biotechnologie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

größer Am Freitagnachmittag vor dem 3. Advent, wenn sonst in vielen Firmen nur noch an Weihnachtsfeiern gedacht wird, haben die Schüler des Instituts Dr. Flad einen ganz besonders interessanten Vortrag zu hören bekommen, der ihnen auch ganz persönlich eine beachtliche Zukunftsperspektive eröffnet. Dr. Christoph Kobler von der Firma Evonik kam, um den Schülern aus seinen Forschungen zu berichten. Sein Thema, die nachhaltige Aquakultur oder Sustainable Aquaculture wie es in der Forschung genannt wird, verfolgt er seit mehreren Jahren bei der Firma Evonik, einer Firma, die wichtige Menschheitsprobleme unserer Zeit einer Lösung zuführen möchte. Damit verband er einen Hinweis an die Schüler, dass die heutige Forschungssprache auch in Deutschland ausschließlich Englisch ist und in diesen Forschungsteams davon ausgegangen wird, dass die Mitarbeiter über gute Englischkenntnisse verfügen.

Zunächst zeigte Dr. Kobler wie sich die Menschheit in immer kürzeren Zeiträumen vermehrt und nachdem sich die Weltbevölkerung zwischen 1960 und heute von 3,4 Mrd. Menschen auf 7,4 Mrd. Menschen mehr als verdoppelt hat, so fragt sich die Forschung, wie diese Menschen nachhaltig ernährt werden können, zumal wir heute sicher nicht am Ende dieser Entwicklung angekommen sind. Dabei soll darauf geachtet werden, dass die gesunde Ernährung qualitativ hochwertig ist, aber auch ethischen Vorstellungen genügt. Gleichwohl soll die Ernährung nachhaltig sein, so dass auch die nächste Generation über dieselben Ressourcen verfügen kann wie die Menschen heute. Hier müssen saubere Lösungen gesucht und gefunden werden.

größer Bei steigendem Wohlstand der Weltbevölkerung sind Fleisch und Fisch die wichtigsten tierischen Proteinquellen auf der Welt und während in der Bundesrepublik Schwein und Geflügel am stärksten nachgefragt werden, ist es im asiatischen Raum der Fisch. Dabei hat der Wildfang zu einer starken Überfischung der Meere geführt und einzelne Arten sind auch bereits ausgestorben. Die Lösung um der Überfischung ein Ende zu setzen und die Artenvielfalt zu erhalten, lautet Aquakultur. Beispielsweise in Norwegen und Griechenland, aber auch in China werden bereits in großem Umfang Fische in Netzen industriell produziert um die erhöhte Nachfrage befriedigen zu können. Dabei werden weltweit u. a. Karpfen, Tilapia, Pangasius und Lachse produziert, die mittlerweile auch in Discountern erhältlich sind. Besonders erwähnenswert ist dabei, dass mit rund 1,1 kg Futter bei Lachsen 1 kg Gewichtszunahme erreicht werden kann. Beim Rind hingegen muss die achtfache Menge der Gewichtszunahme zugefüttert werden. Auch das ist ein Argument für die maximale Produktivität der Fischproduktion in Aquakulturen.

Um diese Fische optimal produzieren zu können, wird auch das Futter industriell hergestellt. Während früher teures Fischmehl und Fischöl als Hauptbestandteil des Futters verfüttert wurden, werden heute zu einem großen Anteil pflanzliche Proteine wie beispielsweise Sojamehl und Aminosäuren verfüttert. Dieses effiziente, industriell hergestellte Futter, welches die zugesetzten Aminosäuren Methionin (MetAMINO®) und Lysin (Biolys®) beinhalten, kann das Fischmehl zu großen Teilen ersetzen. Die Omega 3–Fettsäuren, die im Fischöl zu finden sind, können heute ebenfalls ersetzt werden. Dabei werden Mikroalgen (Phytoplankton) großtechnisch hergestellt und dem Futter beigemischt. Die Algen lassen sich im Reaktor mittels Fermentation herstellen. Damit können die beiden wichtigsten Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA in hohen Konzentrationen produziert werden.

größer Ganz anders muss allerdings verfahren werden bei der Züchtung von Shrimps und Krustentieren. Diese Tiere unterscheiden sich in ihrem Verdauungssystem entscheidend von dem der Fische. Aus diesem Grund mussten hier neue Aminosäurederivate gesucht werden. Diese wurden jeweils im in vitro screening auf ihre Brauchbarkeit getestet. Evonik produziert mittlerweile die speziell für Krustentiere entwickelte Methioninquelle namens AQUAVI® Met-Met, ein Dipeptid aus zwei Methionin Molekülen. Diese innovative neue Methioninquelle hat eine geringere Wasserlöslichkeit als klassisches Methionin , das an Fische verfüttert wird und kann daher auch von am Grund lebenden Krustentieren, die sehr langsam fressen, deutlich besser aufgenommen werden, was zu einem deutlich besseren Wachstum der Tiere führt.

Ein weiterer ökologischer Vorteil dieser Fütterung ist auch die geringere Ausscheidung der Tiere und damit der geringere Eintrag von Stickstoff in die Natur.

Für die Schüler war der Vortrag auch besonders interessant, weil ihnen hiermit die direkte Umsetzung von Gelerntem nahegebracht wurde. Eine hoch interessante Veranstaltung.

 

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Dr. Christoph Kobler
  • 1991-1994 Lehramtsstudium (Mathematik, Informatik und Chemie) in Stuttgart
  • 1994-2000 Diplomstudiengang Chemie in Stuttgart mit den Schwerpunkten Organische Chemie, homogene Katalyse, Retrosynthese und Biokatalyse
  • 2000-2004 Doktorarbeit (Stereoselektive Synthese von Naturprodukten) in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Dr. F. Effenberger an der Universität Stuttgart
  • 2004-2005 Post-doc in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Dr. F. Effenberger
  • 2000-2005 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Stuttgart
  • 2005-2010 R&D Manager, Degussa AG / Evonik Industries AG, Hanau-Wolfgang
  • 2010-2012 Product Manager Aquaculture, Evonik Industries AG, Hanau-Wolfgang
  • 2012-2014 Director, Product Management Aquaculture, Evonik Industries AG, Hanau-Wolfgang
  • 2014-2015 Vizepräsident, Global Account Management and Sales Strategy, Evonik Industries AG, Hanau-Wolfgang
  • Seit 2016 Vizepräsident, Head of Product Line SustainableHealthy Nutrition, Evonik Industries AG, Hanau-Wolfgang
  • Über 40 wissenschaftliche und betriebswirtschaftliche Publikationen. 12 Degussa- und Evonik-Patente
  • Nominiert für die "Top 100 deutsche Innovatoren" (Rang 39) vom Handelsblatt im März 2017